Nicht nur in der Schule kommt es vor, dass Streitereien eskalieren. Auch am Arbeitsplatz kann es zu solchen Entwicklungen kommen, wenn nicht rechtzeitig eingeschritten wird – auch im Zollernalbkreis.
Beim Thema Mobbing denken viele vermutlich erst einmal an Kinder und Jugendliche, die von ihren Mitschülern getriezt und gehänselt werden. „Die Unterscheidung zwischen Konflikten und eskalierten Konflikten, also Mobbing, ist identisch mit dem Themenbereich in der Erwachsenenwelt“, wie Konflikt- und Mobbingberater Heinz Weisser weiß. Er arbeitet ehrenamtlich für die Beratungsstelle und Selbsthilfegruppe für Arbeitsplatzkonflikte, Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz im Zollernalbkreis. „Der Unterschied besteht im Prinzip nur darin, dass die Auswirkungen bei massivem und langanhaltendem Mobbing am Arbeitsplatz, beispielsweise Psychosomatische Erkrankungen, Arbeitsplatzverlust, Risiko für Alkoholabhängigkeit bis zum Suizid, etwas anders gelagert sind als in der Schule.“
Wer ist betroffen?
„Interessant ist, dass viele erwachsene Mobbingopfer schon in der Schule und in der Jugend von Mobbing betroffen waren“, sagt Weisser. Die negativen sozialen, körperlichen und psychischen Folgen von Mobbing in der Kindheit bestünden laut einer britischen Studie auch fast 40 Jahre später noch.
Respektvoller Umgang auf Augenhöhe
Grundsätzlich sei es egal, ob man sich in der Schule, einem Unternehmen, einem Krankenhaus, einer Verwaltung oder in der Partnerschaft und in der Familie befindet: „Es geht um ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe, Zufriedenheit und Sinnerfüllung.“ Konflikte seien zwar nicht erwünscht, aber leider unvermeidbar, so der Berater. „Ziel ist daher nicht Konfliktfreiheit, sondern ein befriedigender Umgang mit Konflikten.“
Wie kommt es zu Mobbing?
Grundlage für eine erfolgreiche Konfliktlösung seien gegenseitiger Respekt, Einander zuzu hören, Gehörtes zu wiederholen und gegebenenfalls Nachzufragen. Beiden gemein, dem Konflikt wie der Mobbinghandlung sei mangelnde Kommunikation, falsches Führungsverhalten von Vorgesetzten und ein unzureichendes Konfliktmanagement im Unternehmen. „Mobbing ist eine gestörte Kommunikation, die sich aus einem nicht gelösten Konflikt dynamisch entwickelt.“
Die Auswirkungen von Mobbing können laut Weisser verheerend sein. „Mobbing ist Psychoterror und eine Art der psychischen Körperverletzung.“ Das Ziel dieses „Terrors“ sei es, eine Person systematisch fertig zu machen und sie auszugrenzen. Dies ginge über längere Zeit auch nicht an den hart gesottensten spurlos vorbei.
Wie sehen Mobbinghandlungen aus?
Zu Mobbing gehört beispielsweise das Ausgrenzen einer Person, hinter deren Rücken über jemanden zu sprechen, nachzuäffen, nicht zu Wort kommen zu lassen, lächerlich zu machen oder Gerüchte und Lügen über jemanden zu verbreiten. Auch extremere Handlungen, wie das Wegnehmen, verstecken oder beschädigen von persönlichen Gegenständen, ungerechtfertigte Beschuldigungen, Handgreiflichkeiten, Erpressung, sexuelle Belästigung oder Cybermobbing zählen zu Mobbing.
Der Konflikt- und Mobbingberater kennt dazu einige Beispiele aus dem Zollernalbkreis. „Das fängt damit an, dass heimlich E-Mails verschickt werden, während der Kollege nicht an seinem Arbeitsplatz ist und geht über Telefonanrufe bis hin zu Schließfächern, die mit leeren Alkoholflaschen gefüllt werden“, nennt er ein paar davon.
Was tun?
Wer am Arbeitsplatz von Mobbing betroffen ist, sollte unbedingt ein „Mobbintagebuch“ führen, rät Weisser. „Wer in einem größeren Unternehmen arbeitet, bei dem es einen Betriebsrat gibt, kann sich an diesen wenden.“ Auch der Vorgesetzte könne ein möglicher Ansprechpartner sein.
Hilfe holen
Darüber hinaus bietet die Beratungsstelle und Selbsthilfegruppe für Arbeitsplatzkonflikte, Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Gruppenabende und Beratungsgespräche an. „Wir sind mittlerweile seit 29 Jahren aktiv“, erzählt Weisser. „Damit sind wir die älteste Mobbing Initiative in Deutlschand. Und auch die bekannteste.“ Daher sei man gut vernetzt. „Dadurch können wir Betroffenen bestmöglich in ihrer jeweiligen Situation helfen.“