Ziemlich verwahrlost: Der Eingangsbereich des seit fünf Jahren geschlossenen Besucherbergwerks Foto: Hannes Kuhnert

Seit fünf Jahren hat das Besucherbergwerk „Heilige Drei Könige“ keine Besucher mehr aufgenommen. Doch es soll – so der Wunsch der Stadt – spätestens 2025 im Jahr der Gartenschau wieder geöffnet sein.

Die Wiedereröffnung des Besucherbergwerks „Heilige Drei Könige“ hinter dem Facharztzentrum in der Straßburger Straße ist mit etlichen Hindernissen verbunden. An einigen wird derzeit gearbeitet.

 

Das Besucherbergwerk wird vom Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt (HMV) betrieben, es hatte in seinen besten Zeiten bis zu 1200 Besucher jährlich bei Öffnungszeiten zwischen Ende Mai und Oktober, darunter viele Schulklassen.

Spätestens zur Gartenschau soll es wieder belebt werden, nicht zuletzt, weil der HMV dazu eine große Bergmannsparade organisiert. Diese soll zwischen 600 und 800 Bergleute in Tracht von der Stadtkirche über den Marktplatz führen, dann geht es nach Baiersbronn zum „Xentrum“ des „Tal X“ in Friedrichstal, begleitet von der Musik mehrerer Bergmannskapellen.

Zugang ist auf einen engen Durchschlupf geschrumpft

Bei solch einem Auftritt ist ein geschlossenes Besucherbergwerk keine gute Visitenkarte. Nach langem Stillstand – bedingt auch durch Corona – gibt es jetzt Bemühungen, wieder Leben in den Stollen zu bringen. Doch dort ist nicht mehr alles beim Alten.

Inzwischen ist der Zugang zum Bergwerk durch die Erweiterung des Facharztzentrums auf einen engen Durchschlupf von 1,50 Meter Breite geschrumpft. Breit genug für Fußgänger, nicht genug aber für so genanntes „schweres Gerät“, das unter Umständen bei Bauarbeiten oder Rettungsmaßnahmen eingesetzt werden muss. Dazu fehlt dann mindestens ein Meter.

Der Zugang zum Besucherbergwerk: Für Fußgänger breit genug, nicht aber für schweres Gerät. Rechts der bröckelige Fels. Foto: Hannes Kuhnert

Darüber sorgt sich der HMV in Gestalt von Geschäftsführer Hans-Jürgen Schnurr, der einst selbst in den Neunzigern mitgeholfen hatte, den zugeschütteten Stollen des Bergwerks aus dem 16. Jahrhundert wieder freizulegen. Er ist zugleich städtischer Bergwerks-Beauftragter. Seine Sorgen wurden nach Gesprächen mit der Stadt und dem Grundstückseigentümer zumindest gemildert. Im Ernstfall könnten schwere Rettungsfahrzeuge von der anderen Seite – also praktisch um das Ärztezentrum herum – ans Bergwerk herankommen, ungeachtet von vier Zäunen, die im Weg stehen.

Dies wäre auch nach einer derzeit öffentlich diskutierten Erweiterung des Ärztezentrums möglich. Das versichert Bernd Hettich unserer Redaktion auf Anfrage. Er ist Leiter des Tiefbauamts der Stadt, damit fällt das Besucherbergwerk in seine Zuständigkeit. Hettich klar und deutlich: „Die Zugangsfrage stellt sich nicht.“ Angesprochen auf die enge Fußgänger-Passage weist er darauf hin, dass Besucher im Bergwerk ja wohl noch engere Raumverhältnisse erwarten.

Richtig eng wird es beim Abstieg in den Stollen. (Archivfoto) Foto: Hannes Kuhnert

Die aktuelle Betriebsgenehmigung für das Bergwerk, die nach dem Stillstand bei der Landesbergdirektion beim Regierungspräsidium Freiburg neu beantragt werden musste, liege jedenfalls der Stadt vor. Sie sei aber, so Hettich, mit Auflagen verbunden. Das betreffe vor allem die elektrische Anlage im Bergwerk. Diese sei inzwischen 25 Jahre alt und genüge modernen Anforderungen nicht mehr. Die Installation einer neuen Anlage sei nicht leicht und nicht billig. Die Arbeiten sind inzwischen ausgeschrieben.

Also alles klar für die Wieder-Eröffnung des Bergwerks? Nicht für den HMV. Die erwähnte Passage für Besucher engt auf der einen Seite das erweiterte Ärztehaus, auf der anderen Seite ein Felsbrocken des dahinterliegenden Steinbruchs ein.

Fachfirma und Stadt sehen keinen Grund zum Handeln

Die Meinungen von Fachleuten über die von dem Felsen ausgehende Gefahr sind gegensätzlich. Eine Fachfirma und die Stadt Freudenstadt sehen keinen Grund zum Handeln, wohl aber Geologe Wolfgang Werner. Dazu Hans-Jürgen Schnurr: „Den Fels einfach beseitigen, was bei der Ärztehauserweiterung leicht möglich gewesen wäre, ist auch so eine Sache. Keiner weiß, was uns dahinter erwartet. Vielleicht sind meine Ängste zu groß, aber ich möchte nicht die Verantwortung übernehmen, wenn da etwas passiert.“ Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht in Sicht.

Damit nicht genug. Jetzt plagen den HMV neue Sorgen, personelle Sorgen, selbst gemachte Sorgen. Für Gäste im Besucherbergwerk stehen derzeit kaum mehr kundige Führer zur Verfügung. Die bisherigen sind in die Jahre gekommen oder haben keine Zeit mehr. Der Verein sucht nun dringend Heimatfreunde, die nach einer Einweisung diese interessante Aufgabe übernehmen wollen.

Trotz allen Widersprüchlichkeiten: Im Ziel sind sich Stadt und Verein einig. Schnurr: „In diesem Jahr wird es wohl nichts mehr werden, aber zur Gartenschau wollen wir wieder Besucher bei den ‚Heiligen Drei Königen‘ begrüßen.“