Gruppenbild mit dem besten Reiter der Welt und Horbs Oberbürgermeister Michale Keßler. Foto: Peter Morlok

Für fünf junge Reiterinnen erfüllte sich am Dienstagnachmittag ein Traum. Sie erhielten von Michael Jung, dem wohl besten Vielseitigkeitsreiter der Welt, eine ganz private Reitstunde

Es gibt Dinge, von denen wagt man normalerweise nicht einmal zu träumen und doch werden sie plötzlich wahr. Für fünf Nachwuchsreiterinnen, darunter auch die Vorjahres-Vierte Mira Aleshehab aus Herrenberg, die in diesem Jahr mit ihrem „Mister X 66“, den Förderpreis gewann, ging diese Woche so ein Traum in Erfüllung.

 

Sie bekam, zusammen mit vier weiteren Nachwuchsreiterinnen, auf der Reitanlage der Familie Jung in Horb-Altheim eine ganz private, individuelle Trainingseinheit von Michael Jung. Gewonnen haben die fünf Mädels diesen Preis beim Reitturnier in Nordstetten, denn dort ging zum neunten Mal der „Michael Jung Jugendförderpreis“ der Stadt Horb an die Erstplatzierten der Gesamtwertung dieses Turniers.

„Toll, dass ich nochmals dabei sein darf“ die erste Reaktion der erste 13-jährigen Nachwuchsreiterin zu diesem Gewinn, auf den sie ganz besonders stolz ist, denn man kann ihn nur zusammen mit seinem tierischen Partner im direkten Vergleich mit anderen Reitern gewinnen und in dieser Form nirgends kaufen.

Fünf glückliche Gewinnerinnen

Viel wichtiger als Sieg, Preisgeld, Pokal und Schleife war den Mädchen aber dieses besondere Training, verrieten alle fünf glücklichen Gewinnerinnen am Ende dieser außergewöhnlichen Reitstunde, von der sie in ihren Vereinen noch lange erzählen können.

Für sie war es viel mehr als eine Reitstunde unter der Anleitung ihres Idols. Für die jungen Frauen zählte die Magie des Augenblicks und die Emotion, vor den Augen des Mannes, der sein Können erst vor wenigen Tagen beim Nationenpreis beim internationalen Turnier in Marbach wieder einmal unter Beweis stellte, bestehen zu können. Das wiegt viel mehr als ein paar Tipps, die ihnen auch jeder andere erfahrene Reitlehrer hätte können geben.

Treffpunkt war der 40 mal 90 Meter große Außenreitplatz mit grandiosem Blick auf die Schwäbische Alb und die blühende Landschaft rings um Altheim. Auf die Mädels und ihre Pferde wartete ein Parcours, auf dem Hindernisse von bis zu 140 Zentimeter stehen und der ideale Voraussetzungen zum Springtraining bot. Während die jungen Reiterinnen ihre Pferde bewegten und warm machten, betrat Michael Jung den Platz. Kein großes Hallo, keine Show, sondern der mehrfache Weltmeister und Olympiasieger stand einfach auf dem Platz, schaute ihnen beim Aufwärmen zu und gewann dabei schon die ersten Eindrücke.

Als sich die jungen Reiterinnen und vor allem ihre Pferde etwas an die Umgebung gewöhnte hatten, die Nervosität auf ein Normalmaß zurückgefahren war, holte Jung sie zusammen, gab ein paar Anweisungen und schickte sie dann über die Hindernisse. Er erklärte kurz, welche Hindernisse in welcher Reihenfolge dran sind und baute so eine Art Choreographie auf, die Pferd und Reiter zusammen meistern mussten. „Das weiß-blaue Hindernis zuerst, dann das weiße, dazwischen Mittel-Galopp, dass Pferd vor dem Hindernis im Arbeitsgalopp aufnehmen und den Parcours vernünftig einzuteilen. In den Kurven auf Tempo achten, ruhiger, leichter Sitz und immer den Rücken gerade halten“ waren praktische Tipps, die Jung seinen Schülerinnen mitgab. Korrekturen wie: „Achte auf den Handwechsel und konzentrier dich schon auf den nächsten Sprung, die Zügel ausbalancieren“ schallten über den Platz und auch wenn nicht immer alles gleich so klappte wie es eigentlich sollte, kam keine laute Kritik, sondern die Nachwuchsreiterinnen bekamen praktische Tipps und ihre Pferde einfach weniger hohe Hindernisse und einfachere Aufgaben gestellt. Ein Ausbildungssystem, das sich bewährt hat.

Sprünge bis zur zweifachen Kombination

Unter den Augen ihrer Eltern, die teilweise selbst aus dem Reitsport kommen, wie beispielsweise die Eltern von Mira, sowie Fachmann Joachim Jung, dem Vater des Champions, durften die Mädels Sprünge bis zur zweifachen Kombination meistern. „Sehr gut“ war ein Lob, dass sie in diesen 60 Minuten oft zu hören bekamen.

„Es war sehr lehrreich und echt super“ das Fazit der 19-jährigen Lea-Marie Siegle, die sich mit dieser exklusiven Reitstunde wahrscheinlich selbst das Geburtstagsgeschenk überhaupt gemacht hatte. Am Montag wurde die Chemielaborantin, die auch noch bei der Freiwillige Feuerwehr aktiv ist, 19 Jahre jung. Sie belegte bei der A-Prüfung in Nordstetten den dritten Platz und war damit für dieses Reitstunde qualifiziert.

Am Schluss gab es von Joachim Jung für jedes Mädel noch ein paar Reithandschuhe und Michael Jung hatte für jede noch ein paar ganz spezielle Tipps parat. Aus seiner Sicht war es ein gutes Training, bei dem alle Teilnehmerinnen motiviert mitgemacht haben und wenn auch nicht alles genau auf den Punkt gepasst hat, dann war es egal, denn der Weg im Sport ist immer lang, wie Jung aus eigener Erfahrung wusste.

Ihm macht dieser Art der Nachwuchsförderung großen Spaß, wie er abschließend feststellte. „Ich mache das sehr gerne“ gab er in seiner ihm eigenen Bescheidenheit zu und sein Vater freute sich, dass man überhaupt noch Kinder sieht, die reiten.

Rund um den „Michael-Jung-Jugendförderpreis“

Der „Michael-Jung-Jugendförderpreis“
ist deutschlandweit einzigartig, denn die Siegerinnen dieser zweigeteilten A-Prüfung, die aus Dressur und Springen besteht, erhalten eine exklusive, ganz auf sie abgestimmte Reitstunde von ihrem Idol.

In diesem Jahr
gewannen diesen Preis Mira Alshehab vom RV Aischbach-Gülstein, die zum Springen mit ihrem Hengst „Mister X 66“ antrat. Zweite wurde Lilian Liener, vom RV Waldenbuch-Hasenhof mit ihrem Pferd „Superfine S“. Platz drei belegte Lea-Marie Sigle, die für den TRG Baltmannsweiler reitet auf ihrer Stute „Quibell 37“. Die beiden Viertplatzierten waren Maya Burger aus Villingen, die für den RC Schoren-Engen startet, auf ihrem Hengst „Imagine As A Dream“ der der Einfachheit halber „Kevin“ genannt wird sowie Leyla Bitzer vom RV Mössingen, die ihren Schimmel „Miss Polly 6“ mit nach Altheim brachte.

Neben sehr viel reitbegeisterten Eltern
, schaute auch Horbs Oberbürgermeister Michael Keßler sowie Citymanager Thomas Kreidler zu. Keßler in seiner Funktion als zweifacher Opa seiner reitenden Enkelkinder und Kreidler, dessen reiterliche Karriere sehr schnell beim Sturz von einem Voltigier-Pferd beendet war, wie er am Rande der Veranstaltung erzählte, in seiner offiziellen Funktion.

Und eines scheint offenbar auch sicher zu sein.
In der himmlischen Wetterzentrale sitzen lauter Michael Jung Fans. Obwohl Regen gemeldet war, blieb es das ganze Training über trocken. Und erst, als die Pferde der Mädels wieder verladen waren, ging ein Wolkenbruch runter, der sich gewaschen hatte.