Bernd Stelter überzeugte bei seinem Auftritt in der Neuen Tonhalle. Foto: Annette Bammert

„Reg dich nicht auf. Gibt nur Falten!“ Mit Humor, Tiefgang und klaren Botschaften begeistert Bernd Stelter sein Publikum in Villingen-Schwenningen.

Falten sind nicht gleich Falten: Wenn Kabarettist, Musiker und Fernsehmoderator Bernd Stelter sagt „Reg dich nicht auf. Gibt nur Falten!“, meint er damit vor allem die Zornesfalte, die sich bildet, wenn man sich in der Schlange an der Supermarktkasse, im Straßenverkehr oder über die Politik zu sehr ärgert.

 

Denn, so zitiert Stelter den Psychiater und Theologen Manfred Lütz: „Wer sich aufregt, büßt die Sünden anderer Leute.“

Doch leichter gesagt als getan. Wie schafft man es denn, sich einfach nicht aufzuregen?

Bernd Stelters klare Antwort: Empathie.

Sein Rat: „Sei nett!“

Und auch hier bringt er es mit einem großen Zitat auf den Punkt, diesmal allerdings mit den Worten des amerikanischen Schauspielers und Komikers Robin Williams: „Jeder, den du triffst, kämpft einen Kampf, von dem du nichts weißt. Sei nett.“

Von Affen und Menschen

Genauso wichtig wie Empathie sei außerdem Respekt, über den er auf seiner Reise nach Japan viel lernen konnte.

Respektlosigkeit ist laut Stelter das Grundproblem unserer Gesellschaft. In Japan sei das noch anders, auch wenn wir uns nicht in allen Bereichen eine Scheibe von der japanischen Kultur abschneiden sollten, habe sie doch mit „Karōshi“ ein eigenes Wort für den „Tod durch Überarbeiten“.

Auf seiner Japanreise begegnete Bernd Stelter außerdem einem Sprichwort, das humorvoll mehr Nachsicht mit sich selbst einfordert: „Auch Affen fallen mal vom Baum.“

Oder anders gesagt: Wenn selbst den Meister-Kletterern der Tierwelt ab und zu ein Fehltritt passiert, sollten auch wir die eigenen Missgeschicke vielleicht öfter mit Humor nehmen. In der Rolle des Sören, eines Aggressionscoaches mit aggressiver Vergangenheit, rät Stelter seinen Zuhörern: „Du kriegst die Welt eh nicht besser gemeckert.“ Oder positiv formuliert: „Wer anderen eine Blume sät, blüht selber auf.“

Bernd Stelter gibt in seinem aktuellen Programm aber auch ganz persönliche Einblicke in sein Familienleben: schmunzelnde – sein Sohn sei Winzer und „jede Familie sollte einen Winzer haben“ –, herzerwärmende – die Rolle als Opa von drei Enkelkindern genießt er sehr – und auch emotionale, wenn er vom ersten gemeinsamen Besuch mit seinem Vater in dessen polnischer Heimat erzählt.

Seinen Enkelkindern wünscht er eine Dorfkindheit, von der er schwärmt. Und das nicht nur, weil die Redensart „kein Bier vor vier“ sich auf dem Dorf nicht auf die Uhrzeit, sondern die Lebensjahre beziehe.

Ernste Episode überrascht

Dass Bernd Stelter auch anders kann, zeigt er mit einer überraschend ernsten Episode, die nach einem Lied über seinen „Enkelhund“ Loki einen harten Kontrast markiert.

Stelter spricht über die heutige Debatten-Kultur und wie weit sie von Jürgen Habermas‘ Diskursethik entfernt ist. Dass Menschen gleichberechtigt und vernunftgeleitet debattieren und das bessere Argument gewinnt, komme heute insbesondere in der Politik kaum noch vor – Björn Höcke ist ein Name, der in dem Zusammenhang fällt – und Stelter wünscht sich: „Wir müssen wieder lernen, einander zuzuhören und Kompromisse zu finden.“

„Ich bin ein Clown!“

Bernd Stelter navigiert von seiner ernsten Einlage hin zu einer wahren Hymne auf das Älterwerden und liefert außerdem in einem der letzten Lieder des Abends den Grund dafür, warum er nie in Rente gehe werde: „Ich bin ein Clown und ich will gar nichts anderes sein!“ Er besingt darin auch, wie belohnend es sein kann, wenn man Menschen auch nur für einen Abend glücklich macht – und das schafft er allerspätestens mit seiner Zugabe „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär!“, bei der nicht wenige der Zuschauer den Refrain inbrünstig mitsingen.