Ein Monitor zeigt die Ausschläge im Erdbeben-Messnetz des Landeserdbebendienstes an. Der Landeserdbebendienst des Regierungspräsidiums Freiburg überwacht die Erdbewegungen im Südwesten. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Nach den Erdbeben am Montag und Dienstag hat die Erde in der Nacht auf Mittwoch nochmals gezittert. Das Epizentrum lag unter Nordschwaben.

Das bislang heftigste Beben mit einem Ausschlag von 2,9 ereignete laut Landeserdbebendienst (LED) Baden-Württemberg am Montag um 16.54 Uhr. Insgesamt hat der LED seit Anfang der Woche zehn Beben mit Schopfheim oder Rheinfelden als Epizentrum verzeichnet. Das vorerst letzte am Mittwoch gegen 1.56 Uhr hatte laut Landeserdbebendienst (LED) eine Stärke von 1,6 auf der Richter-Skala. Die Erschütterungen seien „ganz vereinzelt in der Nähe des Epizentrums wahrgenommen“ worden, heißt es auf der Internetseite des Erdbebendienstes.

 

Das Epizentrum der Erdbebenserie lag laut LED in etwa fünf Kilometern Tiefe unter dem Ortsteil Nordschwaben, auf der Gemarkungsgrenze von Schopfheim-Wiechs und Rheinfelden-Nordschwaben. Daher wurden die Beben im Protokoll des LED mal der einen Stadt, mal der anderen zugeordnet.

Der Schweizer Erdbebendienst wiederum stufte das jüngste Erdbeben mit einer Stärke von 1,8 auf der Richter-Skala ein und verortete den Erdbebenherd in einer Tiefe von sechs Kilometern. Erdbeben unterhalb einem Wert von 2,0 werden als Mikrobeben bezeichnet und sind normalerweise nicht spür- aber messbar.

Messfehler kommen vor

Physikalische Messungen sind immer mit Ungenauigkeiten und Messfehlern behaftet, erklärt der Leiter des Landeserdbebendiensts Stefan Stange auf die Nachfrage unserer Redaktion angesichts der Differenzen zwischen den verschiedenen Diensten. „Heute Nacht war bei der automatischen Auswertung die Magnitude sogar mit mehr als 2,0 angegeben, was später korrigiert wurde“, berichtet Stange.

Als Grund hierfür nennt er ein zeitgleich in Russland stattfindendes Beben, dessen Wellen die des Schopfheimer Bebens überlagert hätten. Die Herdtiefe sei schwer zu bestimmen, man gehe von einem Fehlerbereich von plus/minus zwei Kilometern aus, ergänzt er.

Region ist seismisch aktiv

Erdbeben ereigneten sich immer im oberen Teil der Erdkruste, weil dort das Gestein spröde und kühl genug sei. Die Erdkruste ist hier etwa 28 Kilometer dick, erklärt er auf Nachfrage. Beim Dinkelbergkomplex kann sich der Herd des Erbebens auch in bis zu 20 Kilometern Tiefe befinden, erklärt Stange und verweist auf eine geologische Besonderheit des Dinkelbergs mit seinen Verwerfungen.

Der LED zählte im Jahr 2024 in Baden-Württemberg und Umgebung 341 natürliche und 40 induzierte Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,1 und 4,2 auf der Richter-Skala, ist einem Newsletter vom vergangenen März zu entnehmen. Mit induzierten Erdbeben sind Beben gemeint, die durch Bergbauaktivitäten oder Tiefengeothermie-Projekte verursacht werden.

Darüber hinaus konnten mehr als 1000 nicht weiter auswertbare Kleinstbeben identifiziert werden. Die meisten der lokalisierten natürlichen Erdbeben ereigneten sich im Bereich der bekanntermaßen seismisch aktiven Regionen am Oberrhein/Südschwarzwald, am Bodensee sowie auf der Zollernalb bei Albstadt. Nur 16 dieser Erdbeben im vergangenen Jahr wurden von der Bevölkerung als gespürt gemeldet.

Darunter war auch das Erdbeben am 27. Juni 2024 um 3.06 Uhr in Schopfheim. Dieses war mit einer Magnitude von 4,2 das stärkste gemessene Erdbeben in Baden-Württemberg seit dem Jahr 2009. Der Herd lag damals im Nordwesten der Schopfheimer Gemarkung, gut 18 Kilometer vom jetzigen Epizentrum an der Gemarkungsgrenze von Wiechs und Nordschwaben entfernt, berichtet Stange.

Weitere Beben in der Region

Die letzten Beben, die im Landkreis Lörrach gespürt wurden, liegen noch gar nicht lange zurück. Erst am 21. Juli gab es ein Beben mit der Magnitude 4,1 im schweizerischen Lauterbrunnen (Kanton Bern). Am 12. Mai erreichte ein Beben bei Hartheim die Stärke 2,7 das laut Stange von 150 Menschen wahrgenommen wurde. Rund 70 Personen hatten das Beben der Stärke 2,5 am 28. März in Kandern gespürt.

Wo wird gemessen?

Der LED, der beim Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe des Regierungspräsidiums Freiburg angesiedelt ist, betreibt im und um den Landkreis Lörrach herum ein ganzes Netz von Erdbebenmessstationen: angefangen im Norden bei Kirchzarten, auf dem Feldberggipfel, bei Lenzkirch, Hartheim-Bremgarten und Staufen. Hinzu kommen Stationen bei Steinen-Endenburg sowie Starkbebenstationen in Lörrach und Weil am Rhein.

Darüber hinaus nutzt der LED auch die Daten der vom schweizerischen Erdbebendienst betriebenen Messstationen in Muttenz und Sulz sowie in Lörrach-Hauingen und bei Rickenbach.

„Citizen Science“

Neben den professionellen Stationen gibt es auch einige private Erdbebenmessstationen. Das Projekt Rasperry Shake ermöglicht es für wenig Geld (rund 100 Euro) selbst ein Seismometer zu bauen und zu betreiben. Solche Messstationen gibt es drei südlich von Freiburg, drei in Basel sowie 16 im Elsass. Stange findet solche „Citizen Science“-Projekte grundsätzlich eine gute Sache. Bei „Citizen Science“, auf deutsch Bürgerwissenschaft, beteiligen sich Bürger an wissenschaftlichen Projekten und sammeln beispielsweise Daten. Die Stationen dürfen nur nicht im Keller neben der Waschmaschine stehen, scherzt er. Gerade die Daten von kleineren Erdbeben seien für die Forscher interessant. Was große Beben angeht, habe man aber eigentliche ausreichend Daten.

Überblick über aktuelle Erdbeben in Baden-Württemberg: https://erdbeben.led-bw.de/. Hier können Bürger ihre Wahrnehmungen melden: https://makro.led-bw.de/.