Der Schopfheimer Bahnhof bekommt einen neuen Aufzug. Das kostet die Bahn etwa 300 000 Euro – und die diejenigen, die auf den Lift angewiesen sind, Umwege und Zeit.
Seit knapp zwei Wochen ist am Schopfheimer Bahnhof der Aufzug zum Mittelbahnsteig zwischen Gleis 2 und 3 gesperrt, und seit einigen Tagen hört man es hinter der Pressspanwand auch kräftig werkeln. Grund: Die Deutsche Bahn (DB) erneuert die Aufzuganlage und nimmt dafür rund 300 000 Euro in die Hand.
Auf dem betroffenen Bahnsteig landen S-Bahn-Passagiere, die aus Richtung Basel/Lörrach in Schopfheim ankommen; entsprechend steigen hier diejenigen zu, die von Schopfheim aus in Richtung Zell fahren wollen. Auch die einige Male am Tag fahrende S 5 in Richtung Weil am Rhein fährt hier ab.
Lebensdauer von 15 Jahren
„Da solche Anlagen im Freien Wind, Wetter und starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, erreichen sie meist nur eine Lebensdauer von durchschnittlich etwa 15 Jahren“, führt eine Bahnsprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung zum Grund der Arbeiten aus: „Die barrierefreien Bahnhöfe und Stationen bieten mobilitätseingeschränkten Fahrgästen Zugang zum ÖPNV. Die DB tut deshalb alles, dass die technischen Anlagen, die die Stufenfreiheit sicherstellen, auch funktionieren“, heißt es weiter.
Insgesamt betreibt das Unternehmen in Baden-Württemberg rund 700 Bahnhöfe mit etwa 350 Aufzügen und 100 Fahrtreppen.
Arbeiten bis Ende April
Die Arbeiten sollen mehrere Monate lang dauern – und damit auch die Einschränkungen und Umstände gerade für diejenigen, die auf den Anzug angewiesen sind: „Die Inbetriebnahme der neuen Aufzugsanlage ist voraussichtlich Ende April 2026“, schreibt das Unternehmen.
„Der Austausch der Aufzuganlage umfasst den kompletten Ausbau der alten Technik und des Stahlschachtgerüsts, die kleinteilige Montage der neuen Anlage sowie umfangreiche Sicherheitsprüfungen und Abnahmen“, führt die Bahnsprecherin weiter aus. Diese Schritte seien notwendig und könnten – je nach baulichen Bedingungen – mehrere Monate dauern.
Bahn empfiehlt Umwege
Was aber tun, wenn die Stufen zum betroffenen Mittelbahnsteig ein unüberwindbares Hindernis sind? Mobilitätseingeschränkten Reisenden aus Richtung Lörrach empfiehlt die Bahn, nach Schopfheim-Schlattholz – eine Station über den Zielbahnhof hinaus – weiterzufahren und von dort mit dem nächsten Zug zurück nach Schopfheim zu reisen. „So erreichen Sie Gleis 1 barrierefrei“, heißt es.
Reisenden in Richtung Zell im Wiesental wiederum empfiehlt die DB, von Gleis 1 zunächst in die Gegenrichtung zu fahren, um dann vom barrierefreien/eingleisigen Schopfheim-West mit dem nächsten Zug in die eigentlich geplante Richtung Zell im Wiesental zu reisen.
Alternativen kosten Zeit
Diese „offiziellen Umleitungen“ der Bahn freilich kosten die Betroffenen eine Menge Zeit: Angesichts des Halbstunden-Taktes der S 6 müssen sie an den alternativ empfohlenen Bahnhöfen etwa 25 Minuten warten – während die Zugfahrten selbst regulär zwischen zehn (nach Zell) und 25 Minuten (nach Basel) dauern.
„Die mit den Arbeiten verbundenen Einschränkungen – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste – bedauern wir sehr“, betont die Bahn: „Uns ist bewusst, dass die Ausfälle spürbare Einschränkungen mit sich bringen.“ Anders allerdings sei es nicht machbar: „Eine Erneuerung im laufenden Betrieb ohne zeitweise Einschränkung der Barrierefreiheit ist leider nicht möglich.“
Sicherheit geht vor
Auf keinen Fall als Alternative in Frage kommt für die Bahn ein Weg, der in der Praxis immer wieder – vor allem von nicht-mobilitätseingeschränkten Personen – genutzt wird: Sie schleichen sich am Bahnübergang Hebelstraße ebenerdig direkt zwischen den beiden Gleisen hindurch auf den Mittelbahnsteig, um sich den Umweg zum Bahnhof und durch die Unterführung dort zu sparen.
Davor warnt die Bahn ausdrücklich: „Aus Gründen der Sicherheit ist der Zugang zu den Bahnsteigen 2 und 3 nicht gestattet.“ Darauf weise ein deutlich sichtbarer Warnhinweis hin. Darüber hinaus seien Bundespolizei sowie DB-Mitarbeiter auch in Schopfheim regelmäßig vor Ort.
Die aktuellen Beschwernisse am Schopfheimer Bahnhof waren auch Thema in der jüngsten Sitzung des Seniorenrats. Dort wurde gefordert, dass zumindest die Kommunikation verbessert werden soll, indem per Durchsage direkt in der S-Bahn auf die Probleme in Schopfheim hingewiesen wird.
Durchsagen im Zug
Für eine individuelle Planung und ein Aufzeigen aller Optionen empfiehlt die Bahn mobilitätseingeschränkten Reisenden spätestens einen Werktag vor der geplanten Reise Kontakt mit der DB-Mobilitätsservice-Zentrale aufzunehmen. „Sie hilft bei der Planung einer alternativen Route“, heißt es in der Mitteilung abschließend.
Kontakt: Tel. 030/ 65212888; E-Mail: msz@deutschebahn.com; Webseite: https://www.bahn.de/service/individuelle-reise/barrierefrei