Jeder Hobbygärtner kennt die Regel, seine Pflanzen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai nach draußen zu setzen. Doch macht der Klimawandel den alten Bauernregeln einen Strich durch die Rechnung? Wir haben nachgefragt.
Ob Landwirt oder Hobbygärtner, wir alle sind beim Anbau von Pflanzen, Obst und Gemüse mehr oder weniger dem Klima unterworfen. Wer jetzt zu Hause seine Tomaten, Gurken und Sonnenblumen vorgezogen hat, der weiß vermutlich, dass man diese vor Mitte Mai nicht nach draußen setzen sollte.
Ein wichtiger Bestandteil des Gärtnerjahres waren seit langem die Eisheiligen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie. Fünf Tage, vom 11. bis 15 Mai, benannt nach und im Gedenken an fünf katholische Heilige. Traditionell galten diese Tage als die letzten Frostnächte des Frühlings.
„Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist“
Nicht umsonst gibt es schon seit dem Mittelalter zahllose Bauernweisheiten, die vor den Eisheiligen warnen – „Pflanze nie vor der Kalten Sophie“ lautet etwa eine davon, „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist“ eine andere.
Doch gilt das auch heute noch? In Zeiten des Klimawandels, wärmerem Winter und trockenem, heißen Sommer, welche Bedeutung haben die Eisheiligen wirklich noch?
Tatsächlich gehören die Bauernweisheiten um die Eisheiligen neben denen um den Siebenschläfertag (am 27. Juni) zu den zuverlässlicheren Bauernweisheiten. Denn ja, auch heute, in Zeiten von Klimawandel und unbeständigem Wetter, gibt es noch derartige, späte Kaltlufteinbrüche, wie der Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt. Er ist Wetter- und Klimaexperte beim privaten Wetterportal wetter.net.
Macht der Klimawandel den Eisheiligen den Garaus?
„Auch in Zeiten der globalen Erwärmung ist das möglich, allerdings nicht mehr so heftig“, erklärt Jung. In den 1940ern und 50ern hätten, laut Jung, einige Wetterstationen in den Mainächten minus elf Grad gemessen, aber „das erleben wir aktuell bei Weitem nicht mehr“, lacht Jung. Allerdings kann es auch weiterhin im Mai Kaltlufteinbrüche geben, die aber laut Jung immer schwächer würden.
„Eigentlich wären die Eisheiligen nochmal zehn Tage später. Sie gehen auf Bauernregeln zurück“, führt Jung aus, „die viele Jahrhunderte lang galten.“ Mittendrin gab es mal eine Kalenderreform, vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender 1582. „Da wurden zehn Tage aus dem Kalender gestrichen, eigentlich wären die Eisheiligen also zehn Tage später.“
Kommt nochmal Schnee oder Bodenfrost?
So oder so, in dieser Woche sei es schon merklich frischer, „dann ist sogar nachts nochmal Bodenfrost möglich. Die Eisheiligen sind also früh dran.“ Wahrscheinlich würden wir das aber, laut Jung, nur merken, weil es in den vergangenen Tagen so extrem warm war.
In den Tagen um den 1. Mai lagen wir nach Jung „zehn Grad zu hoch von den Tageswerten, weshalb man den Temperatursturz ab Sonntag/Montag so richtig spürt. „Jetzt rutschen wir ordentlich in den Keller, durch die einfließende Polarluft.“ Somit seien, auch heutzutage und trotz Klimawandel, sogar nochmal Schneeflocken möglich. Etwa im Gebiet des Feldberg – auf fast 1500 Metern Höhe.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 5. Mai 2025 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz erneut veröffentlicht.