Seit Jahren arbeitet man im Oberndorfer Höhenstadtteil Hochmössingen auf ein neues Baugebiet hin. Die Planung für 20 Grundstücke stand – deshalb wird es nicht realisiert.
Enttäuschte Gesichter gab es bei der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats im Hochmössinger Rathaus.
Bürgermeister Matthias Winter und die Amtsleiterin Planen und Bauen Lidia Melito-David waren persönlich zur Sitzung gekommen, um dem Ortschaftsrat und den anwesenden Bürgern den aktuellen Sachstand zum geplanten Baugebiet „Hinter der Kirche“ aufzuzeigen – und der bedeutet: Die Stadt kann in Hochmössingen derzeit kein Bauland zur Verfügung stellen.
20 Grundstücke
Der Bebauungsplan erstreckt sich nördlich der Kirche St. Otmar, wo auf einer Gesamtfläche von 2,2 Hektar 20 neue Wohnbaugrundstücke hätten erschaffen werden sollen. Drei der Grundstücke waren dabei ausdrücklich für Mehrfamilienhäuser mit bis zu acht Wohneinheiten vorgesehen.
Bereits zu Beginn des Bebauungsplanungsverfahrens war bekannt, dass sich das Plangebiet im Bereich denkmalrelevanter Objekte befindet, angesichts des gewählten beschleunigten Verfahrens nach Paragraf 13b Baugesetzbuch war man allerdings unter Zeitdruck, so dass Sondagen nicht vorab durchgeführt werden konnten. Diese fanden nun im Sommer 2025 statt. Dabei wurden neun Gräber, 13 Pfostengruben und weitere Befunde dokumentiert, darunter auch ein vollständig erhaltenes Skelett aus der Merowingerzeit.
Hohe Kosten
Bisher seien Kosten in Höhe von 111 000 Euro entstanden, erklärte Lidia Melito-David. Zusammen mit den noch zu erwartenden Ausgaben sei mit Gesamtkosten von insgesamt 3,3 Millionen Euro zu rechnen. Mit den Landesamt für Denkmalpflege wurde erörtert, ob durch alternative Maßnahmen weitere Sondageschnitte vermieden werden können, es sind aber jegliche bodeneingreifende Maßnahmen über 50 Zentimeter unzulässig, so dass eine Bebauung des betroffenen Gebiets praktisch unmöglich ist.
Auf Grund der aktuellen Kostensituation wurde ein Quadratmeterpreis von mindestens 300 Euro errechnet, so dass eine Vermarktung der Flächen nahezu unmöglich sei, erklärte die Amtsleiterin. Dies auch, da die Bauplatzpreise bei vergleichbaren Grundstücken in Oberndorf bei maximal 210 Euro liegen. Bürgermeister Mattias Winter empfahl aus den vorliegenden Gründen den Bebauungsplan aufzuheben.
Suche nach Alternativen
Man müsse der Wahrheit ins Auge schauen und nach Alternativen suchen. Dies werde die Stadtverwaltung auch tun, allerdings sei man dabei auf die Verkaufsbereitschaft der jeweiligen Grundbesitzer angewiesen.
Von einer Katastrophe für den Ort sprach ein Ortschaftsrat. Seit 15 Jahren kämpfe man um ein neues Baugebiet, man hätte dieses Szenario seitens der Stadtverwaltung vorhersehen müssen. Bei den Zuhörern im Sitzungssaal machte das Wort „Stiefkind Hochmössingen“ die Runde, dem Matthias Winter allerdings vehement widersprach.
Bei einer Enthaltung hob der Ortschaftsrat den Bebauungsplan „Hinter der Kirche“ auf und stimmte zu, dass die Bauentwicklung im dortigen Bereich nicht weiterverfolgt wird. Am Donnerstag, 19. März, steht das Thema im Ausschuss für Technik und Umwelt auf der Tagesordnung und soll in der Folgewoche, am Dienstag, 24. März, im Gemeinderat abschließend zur Abstimmung gebracht werden.