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Balingen Coronavirus: Gespenstische Ruhe in der Innenstadt

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Abstandhalten – für Balingens Gemeinderätin Sevgi Turan-Rosteck und ihren Schwager eine Selbstverständlichkeit. Foto: Engelhardt

Balingen - Die Balinger Innenstadt nachmittags um kurz nach drei Uhr: Der Marktplatz ist menschenleer, in der Fußgängerzone sind nur vereinzelt Passanten unterwegs – meist alleine. Normalität in einer außergewöhnlichen Zeit.

Der Frühling ist auf dem Kalender bereits da, die Sonne scheint auch prächtig vom Himmel. Nur die Temperaturen könnten etwas höher sein. Das ideale Wetter, um "im Städtle" eine kleine Runde zu drehen. Doch auf der Friedrichstraße geht es ziemlich ruhig zu. Hier und da huschen Menschen vorbei, Zeit für ein Schwätzchen nehmen sich die wenigsten.

Atmosphäre ganz komisch

"Die Atmosphäre hier in der Innenstadt ist ganz komisch", sagt eine ältere Dame. Sie schaut sich die Auslage eines Schuhgeschäfts an, studiert kurz, was in diesem Frühjahr angesagt ist. Einkaufen ist aber nicht. "Hier hat alles geschlossen", bedauert sie. "Aber die Situation macht es erforderlich." Mit den neuen Abstandsregelungen in der Öffentlichkeit hat sie kein Problem. "Daran gewöhnt man sich auch, es ist ja nicht für immer."

Sich an die geltenden Regeln zu halten, ist auch für Sevgi Turan-Rosteck selbstverständlich. Sie ist mit ihrer Schwester und ihrem Schwager aus familiären Gründen unterwegs – und zwar in einem Abstand, als ob sie nicht zusammengehören würden. "Das ist zwar schon etwas komisch, aber die von den Gesundheitsexperten ausgegebenen Vorgaben umzusetzen, ist äußerst wichtig, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren", sagt die Balinger Gemeinderätin. Ihre Mutter sei auch lungenkrank, der Umgang miteinander in diesen Tagen daher auch nicht so einfach. "Wir kaufen für sie ein und versuchen ihr soweit wie möglich zu helfen, doch an der Tür werden die Tüten dann abgestellt", meint Turan-Rosteck. Denn sie möchten kein Risiko eingehen.

Den neuen Verhaltenskodex setzt auch ihr Schwager im Alltag konsequent um. Sein Vater lebt in einem Heim, aufgrund der Gegebenheiten kann er nur einmal in der Woche mit ihm telefonieren. "Das belastet ihn und mich natürlich schon", sagt er. Aber anders gehe es derzeit nicht. "Leider ist bei manchen Menschen immer noch nicht angekommen, wie kritisch die Situation mittlerweile ist", sagt er und erzählt von seinem letzten Einkauf in einem Drogeriemarkt. "Es war sehr wenig los, an der Kasse stellten sich die Menschen mit gebührendem Abstand an – nur eine Frau rückte den anderen Kunden partout auf die Pelle." Der Sicherheitsdienst habe dann einschreiten müssen, die Kundin habe sich aber uneinsichtig gezeigt und ihren Unmut vernehmlich geäußert.

"Wir haben genug Klopapier daheim."

Einer anderen Passantin in der Innenstadt gehen beim Blick auf die geschlossenen Restaurants ganz andere Dinge durch den Kopf. "Gerade für die Gastronomen sind die Schließungen richtig bitter", meint sie. Denn wer wisse jetzt schon, wie lange das so bleiben würde? "Und wenn das Einkommen ausbleibt, wer zahlt dann die Pacht oder Miete?" In ihrem Betrieb sei Kurzarbeit noch kein Thema, aber "wenn ich hier durch die Stadt gehe, dann habe ich kein gutes Gefühl."

Ein paar Meter weiter unterhalten sich zwei Männer und genießen dabei die Sonne. Auch sie halten ausreichend Abstand zueinander. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wird sich auch an die neue Situation gewöhnen", meinen sie unisono und geben sich betont gelassen: "Wir haben genug Klopapier daheim." Dann geht ihr Blick Richtung Marktplatz und darüber hinaus: "Fünf Menschen auf gefühlt einem Kilometer in der Balinger Innenstadt, das hat man nicht alle Tage."

Zwei dieser Menschen sind eine Mutter und ihre Tochter im Grundschulalter. Sie mussten ihre Fahrradtour jäh unterbrechen, da sie einen Defekt an einem der Räder haben. Jetzt geht es eben in Schritttempo wieder Richtung Zuhause. "Wir sind gerade am Café Time Out vorbeigekommen, wo bei einem solchen Wetter normalerweise jede Menge Menschen auch draußen sitzen", erzählt die Mutter. "Jetzt war alles dicht, die Stühle aufgestuhlt und die Lichter aus – so kenne ich das gar nicht." Und die Tochter ergänzt: "Das ist hier irgendwie gespenstisch ruhig, ganz komisch." Normalerweise würden sie jetzt ein Eis essen, doch auch die Eisdiele hat ihren Straßenverkauf zumachen müssen, liefert nur noch in größeren Mengen aus. "Die Kinderbetreuung klappt bei uns eigentlich ganz gut, da mein Mann und ich Gegenschichten haben", erzählt sie und hofft, dass das die nächsten Wochen auch so bleiben wird.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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