Paul Blickle (links) und Wolfgang von Meißner haben die neue App mit entwickelt und freuen sich über den guten Start. Foto: Monika Braun

Die Praxisgemeinschaft Hausärzte am Spritzenhaus in Baiersbronn hatte schon effiziente digitale Lösungen insbesondere bei einer Terminvergabe während der Corona-Pandemie parat. Gemeinsam mit Partnern wurde ein Start-up-Unternehmen gegründet – mit dem Ziel, die Arbeit in Arztpraxen zu optimieren.

Das Start-up MediTech setzt darauf, mit Hilfe einer neu entwickelten App die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu erleichtern.

 

Durch einen Zufall waren die Ärzte Wolfgang von Meißner und sein Bruder Paul Blickle auf die jungen Unternehmer Patrick Speiser und Daniel Teigland von der Mobi-Tech GmbH in Horb gestoßen, als die beiden in Nagold ihre Öffi-App vorstellten, die sie mit dem Landkreis Freudenstadt in Bezug auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel weiterentwickelt hatten.

Das sei nun über zwei Jahre her, und nach vielen Gesprächen, Sitzungen, Ideenaustauschen und Planungen ist die Automedic-App im Juni in der Praxis der Hausärzte am Spritzenhaus gestartet, so von Meißner.

Sicherheit als Knackpunkt

„Wir waren von Anfang an überzeugt, mit Patrick Speiser und seinem Kollegen die richtigen Partner gefunden zu haben. Der Knackpunkt und die größte Schwierigkeit bei der Entwicklung der App war der Datenschutz und die Sicherheit der Informationen“, sagt Blickle. Eine Lösung wurde durch maximale Sicherheit in der Verschlüsselung, ähnlich einer Banking-App, gefunden. Wichtig sei auch die Verknüpfung mit der im Ärztehaus verwendeten Software gewesen, um so die Arbeitsprozesse zu erleichtern, um mehr Zeit für die Patienten zu haben, so Blickle. Auch rund 20 andere Praxen nutzen laut von Meißner bereits ihre App.

Viele Patienten nutzen App

Über 2000 Patienten nutzen inzwischen die im Juni gestartete App, die unter anderem das Bestellen von Medikamenten ermöglicht. Künftig soll darüber auch die Vereinbarung von Terminen und die Kommunikation mit den Ärzten laufen können.

„Uns ist es wichtig, dass der Patient zur richtigen Zeit beim richtigen Behandler landet. Das muss nicht immer ein Arzt sein. Die Fragen in der App können das dann bewirken“, erklärt von Meißner. Ein wichtiger Punkt sei auch, dass jede Frage eines Patienten auch beantwortet werde, nicht sofort, aber sobald ein Arzt Zeit habe.

„Das Besondere an der App ist die Kommunikation. Sie fragt zukünftig nach, wie es dem Patienten am nächsten Tag geht und kann anhand der Antworten entscheiden, ob ein erneuter Arztbesuch erforderlich ist. Ein gewisser Lernprozess ist dadurch auch möglich“, sagt von Meißner. Ältere Patienten könnten das digitale Angebot auch über ihre Angehörigen nutzen. „Unser Wunsch ist es, dass dreiviertel der Patienten das digitale Angebot nutzen, damit wir mehr Zeit für unsere Patienten haben“, sagt er. Es gehe nicht darum, den persönlichen Kontakt zum Arzt zu vermeiden, vielmehr werde das Versorgungsniveau deutlich höher sein als bisher, da ein gezielterer Austausch möglich sei. „Ich habe bereits einige positive Rückmeldungen von über 70-jährigen Patienten, dass es ein tolles System ist und es gut funktionieren würde“, sagt Blickle.

Logischer Schritt in Zukunft

Deutlich machen beide Ärzte, dass der Sicherheitsfaktor sehr hochgehalten werde. „Man kann nur das bestellen, was vom Arzt auch freigegeben und vorher geprüft wurde“, erklärt Blickle. Dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen immer mehr fortschreitet, sei nicht nur ein Resultat des Ärztemangels, sondern der logische Schritt in die Zukunft.

Die Nutzung von künstlicher Intelligenz, die elektronische Patientenakte und nicht zuletzt die Nutzung von Apps diene den Ärzten zur Unterstützung auf dem Weg zur richtigen Diagnose und um ihre zeitlichen Ressourcen besser einsetzen zu können. „Wichtig ist, dass immer noch genug Zeit für unsere Patienten übrig bleibt, die persönlich betreut werden müssen“, sagt von Meißner.