Ein schwerer Zusammenprall, keine Verletzten – und Feuerwehrleute, die per Hand einen 48-Tonnen-Zug schieben. Ein Überblick zum Bahn-Unfall am frühen Montagmorgen in Calw.
Eigentlich ist an diesem Montagmorgen alles wie immer. So scheint es zumindest, als die Kulturbahn am Calwer ZOB eintrifft. Der Zug ist auf dem Weg Richtung Eutingen. Doch dort wird er nie eintreffen.
Gegen 5.30 Uhr, so wird es ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) später auf Nachfrage unserer Redaktion berichten, kollidiert der Zug kurz nach dem alten Bahnhof mit Felsbrocken auf den Gleisen.
Der Wagen ist zu diesem Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometern unterwegs.
Das Gestein hatte sich zuvor vermutlich einige Meter oberhalb der Schienen aus dem Hang gelöst. Eine Schneise im Bewuchs an der Strecke deutet an, wo die Felsen herabgestürzt sein müssen.
Erst hunderte Meter weiter kommt die Bahn zum Stehen
Der Zusammenprall ist hart, als die Bahn über die riesigen Steine hinwegrollt. Der Lokführer löst eine sogenannte Gefahrenbremsung aus; Laien würden davon sprechen, dass er die Notbremse zieht.
Erst hunderte Meter weiter, im Rudersbergtunnel nahe Bad Teinach-Zavelsteins Teilort Kentheim, kommt die Bahn zum Stehen.
Ein Glücksfall an diesem Unglückstag: Der Lokführer ist ausgebildeter Notfallsanitäter. Der noch größere Glücksfall: Seine Fähigkeiten werden kaum gebraucht. Die Fahrgäste – nach Angaben der Deutschen Bahn fünf Passagiere – bleiben unverletzt.
Das bestätigt später auch der Rettungsdienst, der die Fahrgäste untersucht, bevor die Feuerwehr sie zur Station Teinach befördert.
Um 6.06 Uhr geht der Alarm bei der Feuerwehr Calw ein. Zehn Fahrzeuge und 48 Kräfte rücken aus. Auch André Weiss, Kreisbrandmeister vom Dienst, ist dabei, zudem sind binnen Kurzem Mitarbeiter des Notfallmanagements der DB vor Ort.
Im Tunnel holen die Einsatzkräfte die Fahrgäste mit einer Leiter aus dem Zug. Trotz des Unfalls sind die Passagiere „sehr gefasst, sehr ruhig“, berichtet einige Stunden später Calws Stadtbrandmeister Marcus Frank im Gespräch vor Ort.
Doch das ist nicht die einige Baustelle, um die sich die Brandbekämpfer kümmern müssen. Durch den Unfall sind Hydraulikleitungen des Zuges aufgerissen.
Das meiste landet zwar in einer Auffangwanne des Wagens; etwa ab der Brücke, die über die B 463 führt, bis in den Tunnel hinein verteilt sich jedoch Öl auf der Strecke. Die Feuerwehr geht mit Bindemittel dagegen vor.
Und dann leisten die Feuerwehrleute etwas, das nach einem geradezu irrsinnigen Kraftakt aussieht: Sie schieben den rund 48 Tonnen schweren Zug per Hand aus dem Tunnel. Mit gerade einmal neun Einsatzkräften.
Feuerwehrkommandant Frank erklärt: „Wenn der mal läuft, reichen auch zwei oder drei.“ Vom Tunnel gebe es ein leichtes Gefälle Richtung Calw. Sobald die Bahn in Bewegung sei, lasse sie sich entsprechend relativ einfach schieben.
Für die Feuerwehr ist der Einsatz vor Ort damit weitgehend beendet. Nun, so Frank, müsse die Bahn sich an die Arbeit machen. Etwa die Schienen räumen und prüfen sowie den Wagen abschleppen. Denn der sei nicht mehr fahrbereit.
Wann die Strecke wieder frei sein wird, ist derzeit noch unklar. Ein Sprecher der Bahn nannte Donnerstag in dieser Woche als „grobe Prognose“.