Bevor das Palais Thermal (links vorne, im Hintergrund ist das leer stehende Neue Eberhardsbad zu sehen) wieder öffnen kann, müssen viele Verordnungen unter einen Hut gebracht werden. Foto: Archiv

Viele Verordnungen unter einen Hut bringen. Öffnung  macht nur mit Sauna Sinn.

Bad Wildbad - Die Lockerungen im Zuge der Corona-Pandemie gehen weiter. Die ersten Freibäder – darunter auch das Calmbacher Waldfreibad – haben bereits wieder geöffnet. Doch wie sieht es mit den Bad Wildbader Thermen Palais Thermal und Vital Therme aus, die für Touristen und Hotels eine wichtige Rolle spielen? Auch hier laufen die Vorbereitungen für eine möglichst schnelle Wiedereröffnung, erklärt Geschäftsführer Frank M. Rieg.

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"Deutschlands sinnlichstes Sauna & Thermalbad" – so wirbt das Palais Thermal auf seiner Internetseite. Doch im Moment kann dort keine Sinnlichkeit erlebt werden, wie die Vital Therme ist auch das Palais Thermal wegen der Corona-Pandemie derzeit geschlossen. Nach den jüngsten Lockerungen dürften auch die Thermalbäder wieder öffnen. Das soll auch in Bad Wildbad so schnell wie möglich geschehen, sagt Frank M. Rieg, der als Geschäftsführer der Staatsbad Wildbad Bäder- und Kurbetriebs­gesellschaft mbH die Geschicke der beiden Thermen in der Hand hält. Noch im Juni soll es soweit sein: "Wir hoffen, dass wir aller-allerspätestens Ende Juni wieder aufmachen dürfen, lieber vorher", sagt er.

Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. "Wir sind gerade am planen und machen und überlegen, wie wir das hinkriegen, dass es wirtschaftlich ist", sagt Rieg. Und weil er und seine Mitarbeiter mit "relativ rigorosen Beschränkungen" zu kämpfen haben, "kann das noch eine Weile dauern".

Öffnung macht nur mit Sauna Sinn

Klar ist für ihn, dass eine Öffnung der beiden Thermen nur mit Sauna Sinn macht. Doch dabei gelten einige Einschränkungen. So darf nur jeder zweite Umkleideschrank genutzt werden, auch jede zweite Dusche wird gesperrt werden. Außerdem gelten in den einzelnen Becken Einschränkungen. So darf je nach Beckengröße nur eine begrenzte Zahl an Badegästen gleichzeitig ins Wasser. In normalen Becken darf für jeweils sechs Quadratmeter ein Gast ins Wasser, in Therapiebecken sind es 4,5 Quadratmeter pro Badegast, hier dürfen also bei gleicher Fläche mehr Gäste ins Wasser.

Zusätzlich müssen getrennte Ein- und Ausgänge eingerichtet werden, die Einhaltung aller Vorgaben muss kontrolliert werden können, ebenso die Wasserqualität. Aber mit dem Wasser habe man kein Problem, ist sich Rieg sicher. Damit die Thermen öffnen können, braucht es zudem ein Betriebs- und Hygienekonzept, das "wahrscheinlich vom Aufsichtsrat genehmigt werden" muss. In diesem Konzept muss allen für die Therme geltenden Corona-Verordnungen des Landes Baden-Württemberg Rechnung getragen werden. Und das sind so einige. Zum Beispiel eine, die den Betrieb von Schwimmbädern regelt. Eine für den Betrieb von Saunen, eine für die Massagen und für Gastronomiebetriebe. Das muss alles unter einen Hut gebracht werden, bevor die Thermen geöffnet werden können. Und natürlich muss sich jeder Gast am Eingang mit seinen persönlichen Daten registrieren. "Das gibt es im Bad auch", stellt Rieg klar.

Durch die ganzen Maßnahmen kommen auf die Bäder auch höhere Kosten zu. Verantwortlich dafür seien aber nicht die Desinfektionsmaßnahmen selbst, sondern vielmehr die höheren Personalkosten, die damit verbunden seien, auch für die zusätzlichen Kontrollen, die vorgeschrieben sind. Alle drei Stunden muss beispielsweise die Sauna desinfiziert werden. Ein weiteres Problem sieht Rieg in der Lüftung der Thermen. "Wir müssen mehr Frischluft zuführen als gewöhnlich, damit sich das Virus nicht verbreiten kann", sagt er.

Sorgen, dass sich das Coronavirus im Thermalbad mehr als anderswo ausbreiten könnte, macht sich Rieg aber nicht. Vielmehr gebe es "gesicherte Untersuchungen", dass sich das Virus bei Temperaturen von mehr als 60 Grad – in Saunen also – nicht verbreitet. Und, so Rieg weiter: "Im chlorierten Wasser haben Viren keine Chance." Deshalb ist er überzeugt: "Ein Besuch im Thermalbad ist eine sichere Sache, wenn man sich nicht zu nahe kommt", die allgemein geltenden Abstandsregeln also eingehalten würden. Das Einzige, was nicht geöffnet werden dürfe, seien aber die Dampfbäder. "Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit können sich da leichter Aerosole bilden", so Rieg. Diese Aerosole sind "Mini-Tröpfchen", die ebenfalls im Verdacht stehen, das Corona-Virus weiterzuverbreiten.

"Das klingt kompliziert. Ist es auch", sagt der Geschäftsführer, der für die schriftliche Ausarbeitung des Konzepts verantwortlich ist. Für die praktische Umsetzung sind dann die Mitarbeiter wie etwa Techniker zuständig. Und vor allem eines ist noch zu erledigen­: "Viele, viele Schilder müssen erstellt werden. Das gibt einen Schilderwald." Trotz all des Aufwands war für ihn klar, die Thermen so schnell wie möglich zu öffnen: "Das steht nicht an, dass wir gar nicht aufmachen."

Keine Beschränkung der Besucherzahlen

Das sei schließlich auch für die Hotels der Stadt und des Oberen Enztals wichtig. Wie etwa für das Badhotel mit seinem direkten Zugang zum Palais Thermal, das laut Inhaber Mohamed Mokni erst öffnet, wenn auch die Therme den Betrieb aufnimmt. Und für die anderen Häuser der Stadt sei die Vital Therme fast noch wichtiger, "weil dort die ganzen Kuren stattfinden", sagt Rieg.

Deshalb habe man sich schon früh Gedanken gemacht, wie und unter welchen Voraussetzungen eine Öffnung möglich sei. Zuerst habe man sich die österreichische Verordnung zum Vorbild genommen. Aber die geplanten Maßnahmen mussten noch einmal angepasst werden, da die baden-württembergischen Verordnungen strenger seien.

Immerhin gebe es wohl vorerst keine Beschränkung der allgemeinen Besucherzahlen. Das sei über die Sommermonate nicht nötig. Erst ab etwa Mitte August, so schätzt Rieg, werde man dann wohl Online-Buchungen einführen müssen, wenn es bis dahin keine weiteren Lockerungen geben werde.

Jetzt aber geht es an die konkreten Umsetzungen. "Wir werden ständig gefragt, wann wir öffnen", erzählt Rieg. Natürlich werde man es sofort veröffentlichen, wenn die Thermen geöffnet werden. Das dürfte dann sicher auch die Mitarbeiter freuen, von denen sich derzeit etwa 90 Prozent in Kurzarbeit befinden.

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