2024 wurde am Mayenberg von Bad Herrenalb ein Steinkreis entdeckt. Beweise, dass sich dort Menschen regelmäßig aufhielten, geben Antworten. Ganz gelöst ist das Rätsel noch nicht.
In unmittelbarer Nähe zum Steinkreis, etwa 30 Meter entfernt, fand der Heimatforscher Michael Arndt aus Bad Herrenalb ein steinernes Quadrat. Es ist aus behauenen Sandsteinen sauber gesetzt. Etwa 100 mal 100 Zentimeter misst das Quadrat außen, circa 80 mal 80 Zentimeter innen. Eine Grabung lüftete sein Geheimnis. Unter Laub und einer Schicht Erde wurde ein Horizont aus Ruß und Asche gefunden.
Es handelte sich also um eine Feuerstelle – mitten im Wald, wobei laut Arndt die Waldhänge in früheren Zeiten nicht so stark mit Bäumen bewachsen waren, wie heute. Das würden auch Fotografien und alte Stiche zeigen.
Sonde zum Aufspüren von Metall
Mit einer Sonde zum Aufspüren von Metallteilen war (mit Erlaubnis des ForstBW) innerhalb der Feuerstelle nichts zu finden. In ihrer näheren Umgebung lagen nur Reste von feinmaschigem Drahtgeflecht – sogenannter Hasendraht.
Weiteren Aufschluss brachte eine Begehung mit dem örtlichen Förster Hubert Hettinger. Ihm fiel eine mächtige Weißtanne zwischen dem Steinquadrat und dem Steinkreis auf. Sie war „geschneutzt“. Das bedeutet, dass man ihr die unteren Äste bis in eine Höhe von gut fünf Metern unmittelbar am Stamm abgesägt hatte.
Das musste vor Jahrzehnten geschehen sein, denn an der Rinde des Stammes war davon nichts mehr zu sehen. Die Schnittstellen waren vollständig und nicht mehr erkennbar von Rinde überwölbt.
Begehung mit Förster
Einen Baum so zu schneiden lässt nach Aussage des Försters darauf schließen, dass zum Beispiel Forstarbeiter diesen Ort zum Aufenthalt nutzten. Der Gang mit der Sonde im Steinkreis erhärtete diese Vermutung. Dort fanden sich Reste eines „Henkelmanns“. Das ist ein Transportgefäß aus übereinandergestapelten Blechnäpfen, die von einem Tragebügel zusammengehalten wurden. In solchen Gefäßen hat man früher das fertig zubereitete Mittagessen aus zum Beispiel Gemüse, Kartoffeln und Fleisch schon morgens zur Arbeitsstelle mitgenommen, um es dort in der Mittagspause zu verzehren.
Eine Rutschbahn für Stammholz?
Das geschulte Auge des Försters erbrachte einen weiteren Hinweis. Ein Graben, der ganz in der Nähe steil von oben nach unten führt, könnte einmal eine Riese gewesen sein. Riesen waren Rutschbahnen für Stammholz, in denen man vornehmlich im Winter das geschlagene Holz vom Berg ins Tal beförderte.
Die Rutschbahnen waren am Boden mit Holzknüppeln ausgelegt. An den Seiten waren sie vor allem in Kurven von liegenden Baumstämmen eingefasst. Der Schnee und das Eis im Winter wirkten als Schmierstoffe. Das Holz zu riesen war sehr gefährlich, weil die Stämme hohe Geschwindigkeiten erreichten und manchmal aus der Bahn flogen.
Eine geschützte Stelle für Menschen?
Außerdem gingen viele Stämme zu Bruch, was ihren Wert erheblich minderte. Das Riesen gab man auf, als man das Holz mit Lastkraftwagen aus dem Wald holen konnte. In Sichtweite des Steinkreises ist heute eine Wendestelle für solche Langholztransporter.
Vieles spricht also dafür, dass sich Fortarbeiter regelmäßig an diesem Ort aufhielten. Gerd Leschinski, welcher Forstarbeitern vor vielen Jahren zur Hand ging, weiß, dass man auch Werkzeuge über Nacht an Ort und Stelle zurückließ. Dazu gehörten zum Beispiel schwere hölzerne Stangen mit eisernen Haken, sogenannte Sappies, mit denen man Stämme bewegen konnte.
„Die Äxte wurden nach Feierabend immer mitgenommen. Sie waren zu wertvoll“, so Gerd Leschinski im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Steinkreis könnte also eine geschützte Stelle gewesen sein, um Pausen zu machen und Material zurückzulassen. Einem ähnlichen Zweck könnte auch ein Steinkreis in Bernbach gedient haben, der jedoch wesentlich kleiner ausfällt. Dieser wurde noch nicht näher untersucht.
Diente der Steinkreis den Tieren?
Von zwei Lesern unserer Zeitung kam der Hinweis auf Waldbewirtschaftung mit Weidetieren. Zu günstigen Zeiten im Jahr trieb man einst Rinder, Schweine und Ziegen in den Wald, damit diese dort fressen konnten. Schweine wurden zum Beispiel in der Zeit der ölhaltigen Bucheckern im Wald gemästet. Auf dem Steinkreis war möglicherweise ein Verhau aus Reisig aufgesetzt. So könnte dieser als Nachtquartier für die Nutztiere gedient haben, da man sie nicht jeden Abend zurück in den Stall treiben musste. Das ist die Vermutung der beiden Leser.
Michael Arndt verweist noch auf die nahe „Gaisbrunnen“-Quelle: „Vielleicht waren es tatsächlich Ziegen, die tagsüber auf sogenannten ‚Waldweiden‘ gegrast haben und nachts durch den Steinkreis mit aufgesetztem Zaun zum Beispiel vor Wölfen geschützt werden sollten, denn die ‚Wolfsschlucht‘ liegt nicht weit entfernt.“ Die besondere Bedeutung der Ziegen für den Kurort erklärt Arndt „mit den Anfängen der Kaltwasser-Heilanstalt 1839/40 und mit der damit in Verbindung stehenden Molkenkur, die ein therapeutischer Ansatz von vielen war“.
Unterschiedliche Materialien zu finden
Ein Teil des Rätsels befindet sich noch in der anderen Richtung vom Steinkreis entfernt.
Verschiedene Reste von Pfeilern aus unterschiedlichen Materialien, teilweise mit alten Dachziegeln durchsetzt, muten wie eine illegale Bauschuttdeponie aus früheren Tagen an. Das „Prunkstück“ ist allerdings ein großer Steinquader, dessen Oberfläche ein deutlich herausgearbeitetes Muster aufweist. Dieser Stein könnte ein beträchtliches Alter aufweisen.
Kaum noch Flächen, die nicht von Menschenhand geformt wurden
Selbst in entlegenen und schwer zugänglichen Waldstücken kann man Spuren menschlichen Einflusses entdecken, denn es gibt kaum noch Flächen in unserem Land, die nicht von Menschenhand geformt wurden. Wer also mit offenen Augen durch die Kulturlandschaft geht, kann Interessantes entdecken. Mit Technik, Fachwissen und Grabungen kann man Geheimnisse ergründen. Manches bleibt aber im Verborgenen. Es bleibt spannend.