Marielle Janotta mit ihrem Buch „Vogelsommer“: Die Autorin stammt aus Schwenningen und ist hier zur Naturbeobachtung besonders gerne im Moos unterwegs. Foto: Daniela Schneider

Marielle Janotta ist eine enthusiastische Naturfreundin. Ihre Begeisterung für Flora und Fauna hat sie in einem Buch zu Papier gebracht. In „Vogelsommer“ kommt auch ihre Schwenninger Heimat zur Sprache. Die Autorin erzählt, wie es dazu kam.

Gar nicht zufällig hat es das Gimpelmännchen auf das Cover des Bändchens geschafft, das Marielle Janotta in ihren Händen hält.

 

„Er ist mein Lieblingsvogel“ erzählt sie lächelnd, dass das einer der Gründe war, warum sie sich den Finken mit dem leuchtend roten Bauchgefieder für das von ihr selbst gestaltete Titelbild ihres Buchs „Vogelsommer“ ausgesucht hat.

Allerdings haben in ihrem Herzen noch sehr viele andere Tiere einen Platz. „Ich bin sehr naturnah aufgewachsen. Meinen Eltern war es wichtig, dass ich mich mit der Natur vertraut mache. Vogelnamen kannte ich schon früh, und Tierspuren im Schnee konnte ich schnell zuordnen“, erzählt die heute 35-Jährige, die in Schwenningen groß wurde, und ergänzt: „Ich begeistere mich schon immer für Tiere und im Speziellen für Vögel.“

Kreativ und journalistisch

Ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten machte sie in Villingen-Schwenningen, dann zog es sie zum Soziologiestudium nach Freiburg. Ein Semester lang belegte sie da einen Kurs in kreativem Schreiben. Dabei entdeckte sie, wie viel Spaß ihr das machte.

Ihr Praxissemester absolvierte sie in der Lokalredaktion des Schwarzwälder Boten, und einige Zeit danach war sie auch noch als freie Mitarbeiterin tätig. „Das war so der Startschuss“, fasst sie im Rückblick zusammen, wie sie zum Schreiben kam.

Ihre erste Festanstellung hatte sie als Sozialwirtschafterin beim Sozialamt in Rottweil. Im Hinterkopf war da immer der andere Gedanke: „Ich wusste einfach, dass ich schreiben will.“ Die Lösung: In einem eigenen Reise- und Naturblog konnte sie auf einen Schlag alle ihre Leidenschaften unter einen Hut bringen.

Seit nunmehr sieben Jahren beschreibt sie dort, wo sie schon überall war auf der Welt, was es da Interessantes zu erleben gibt und auch, welche Naturerlebnisse man dort haben kann. Ein Monat in der Wildnis von Namibia, die Begegnung mit einem Tukan in Panama, mit Papageientauchern in Island und Sumpfohreulen oder einem Adler in Norwegen – all das faszinierte sie sehr. Vor allem während der Coronazeit, als Reisen nicht möglich waren, richtete sich ihr Fokus dann aber gleichzeitig auf ihre unmittelbare Umgebung – und damit auch auf die abwechslungsreiche Gegend in ihrer Heimat. Auch das fand also fortan in Form von Tipps und kleinen Geschichten seinen Niederschlag in ihrem Blog.

Vom Gartenbaumläufer bis zum Zaunkönig

Mit der Zeit lernte sie, dass „es wahnsinnig viele Vogelarten bei uns gibt“, wie sie sagt. Rund 300 sind es hierzulande. Beispiele gefällig? Wer kennt denn schon das Wintergoldhähnchen? Der kleine Piepmatz tummelt sich gerne oben in den Baumwipfeln und ist daher längst nicht so populär wie Amsel, Meise und Co., aber dennoch einer der Favoriten von Marielle Janotta. Weil sie noch mehr wissen wollte, besuchte sie beim Naturschutzbund NABU die „Naturguckerakademie“, einen Onlinekurs, an dem übrigens jeder teilnehmen kann, und lernte zum Beispiel, dass es die Kategorie „KBV“ gibt – „kleine, braune Vögel“ sind damit gemeint, und von denen gibt es in Deutschland fast 30 Arten, die nahezu identisch aussehen, aber sich doch auch unterscheiden, vom Gartenbaumläufer bis zum Zaunkönig.

Auf einem ihrer vielen Streifzüge durch die hiesige Natur bekommt Marielle Janotta viele Tiere vor die Kameralinse – so wie hier dieses hübsche Rotkehlchen auf einem Baum im Moos. Foto: Marielle Janotta

Letzten Sommer trainierte sie sich außerdem noch an, Vogelstimmen zu erkennen. „Ich musste wissen: Was zwitschert hier?“, erklärt sie, was sie dazu motivierte. 75 Vogelstimmen erkennt sie jetzt am Gesang.

Ohne Fernglas trifft man die Naturfreundin auf ihren Spaziergängen nie an. „Ich hab’ immer eins dabei, das ist meine Marotte geworden“, schmunzelt sie beim Gedanken daran.

Und auch die Kamera mit Teleobjektiv darf nie fehlen, schließlich könnte ja direkt das nächste Motiv für eine schöne Aufnahme vorbeigeflattert kommen.

Im Moos und auf der Baar

Im Rahmen eines Schreibwettbewerbs, den der junge Verlag „Story one“ gemeinsam mit dem Buchhandelsunternehmen Thalia veranstaltet, veröffentlichte sie schließlich Mitte August 2024 das „Vogelsommer“-Buch.

„Zur Recherche und Vogelbeobachtung habe ich viel Zeit in meiner alten Heimat im Schwarzwald-Baar-Kreis verbracht. Und so füllt zum Beispiel das Schwenninger Moos ein Kapitel meines Buchs, ein weiteres handelt von den Weißstörchen auf der Baar. Die übrigen Kapitel spielen allesamt im nahen Umkreis auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald“, erzählt sie weiter.

Das Genre, in dem sie da unterwegs ist, nennt sich „Nature Writing.“

Ein Dutzend Vogelarten

Zwölf Vogelarten stellt sie darin vor, versehen mit Zeichnungen aus ihrer eigenen Feder und jeweils einer Geschichte: Hier schildert sie ihr jeweiliges persönliches Erlebnis mit den Tieren im vergangenen Vogelsommer – was damit auch den Titel erklärt.

Den Turmfalken – hier von der Autorin selbst illustriert – kann sie von ihrem Schreibtisch aus beobachten. Foto: Marielle Janotta

Das Büchlein ist kein Fachbuch, sondern für alle ganz leicht lesbar. Erfahren können die Leser darin unter anderem, dass der Kolkrabe eine regelrechte Sprache mit bis zu mittlerweile 800 erforschten Lauten „spricht“ oder besagter Gimpel vom Titelbild auch Dompfaff genannt wird und schon mal in einer Art Kommune gemeinsam mit Buchfinken seinen Nachwuchs aufzieht.

Auf die Longlist geschafft

Das Konzept kam ganz offensichtlich an bei der Jury des Wettbewerbs: Im Oktober schaffte es das schmale Bändchen, das auch im Buchhandel erhältlich ist, auf die Longlist und zählt damit zu den Top 100 von 3748 Teilnehmenden.

Darauf ist die 35-Jährige, die mittlerweile in Albstadt-Laufen lebt und in Teilzeit auch noch als Social-Media-Magerin bei der Stadt Albstadt arbeitet, sehr stolz – genau wie darauf, dass sie dieses Jahr das erste Mal beim NABU-Brutvogelmonitoring mitmachen kann.

„Ich freue mich schon sehr, dass ich damit auch einen echten Beitrag zur Forschung leisten kann“, sagt sie strahlend.

Weitere Informationen im Netz

Der Blog von Marielle Janotta ist unter www.mytravelisland.com und bei Instagram unter mytravelisland zu finden. Mehr Infos zur Naturguckerakademie gibt es unter www.nabu.de. Das Büchlein „Vogelsommer“ hat 72 Seiten, kostet 18 Euro, ist im Self-publishing-Verlag Story.one erschienen und hat die ISBN-Nummer 978-3-7115-4105-5.