Von Flößern, Köhlern und Zimmermännern: Das Bad Herrenalber Ziegelmuseum präsentiert ab Ostersonntag Schwarzwälder Handwerksgeschichte.
Das Bad Herrenalber Ziegelmuseum im historischen Klosterviertel widmet sich in einer kleinen Sonderausstellung einem Thema, das die Identität der Region wie kaum ein anderes geprägt hat.
Von Ostersonntag, 5. April, bis zum Sonntag, 27. Dezember, rückt die Schau „Alte Handwerksberufe aus dem Schwarzwald“ die historische Holzwirtschaft in den Fokus.
Die Stadt Bad Herrenalb blickt auf eine 876-jährige Geschichte zurück, in der Holz stets eine große Rolle gespielt hat.
Vergangene Jahrhunderte
Auch heute noch besteht das Stadtgebiet zu 80 Prozent aus Waldfläche. Grund genug für Museumsleiterin Christa Sagawe, Ideengeber Bernhard Lohner und Fördervereinsmitglied Dietmar Glaser, anhand von authentischen historischen Werkzeugen und seltenen Fotografien, die Bedingungen und Techniken der Holzwirtschaft vergangener Jahrhunderte zu illustrieren.
Die Besucher begegnen dabei laut Pressemitteilung der Stadt nicht nur den klassischen Holzhauern und Fuhrleuten, sondern tauchen ein in die Welt der Waldberufe wie Flößer, Pflanzer, Förster und Jäger und Veredelungshandwerker wie Säger, Zimmerleute, Köhler, Aschebrenner und Glasmacher.
„Diese Ausstellung steht ganz in der Tradition unseres Hauses“, erklärt Sagawe. „Schon mit den Feierabendziegeln in unserer Dauerausstellung machen wir altes und vergessenes Handwerk sichtbar. Ich glaube, dass uns das auch mit der Sonderausstellung gelingen wird, denn sie lässt erlebbar werden, wie der Schwarzwald zu dem wurde, was er heute ist.“
Das Ziegelmuseum ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, ab November von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet vier Euro und für Kinder von sieben bis zwölf Jahre 1,50 Euro.
Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Infos zu Führungen und zum Museum gibt es online auf www.museum-bad-herrenalb.de sowie bei Museumsleiterin Christa Sagawe unter Telefon 0170/9 37 25 79 oder per Mail an christa.sagawe20@gmail.com.
Ältestes Exemplar
Voriges Jahr informierte Sagawe: „Nachdem wir im vergangenen Jahr aus dem Nachlass eines Calwer Sammlers einen besonderen ‚Feierabendziegel‘ bekommen haben, reißt auch in diesem Jahr die Verbindung zu Calw nicht ab.“
Der Dachziegel aus Calw, der vor dem Brand des Tons beschriftet wurde, gilt nach Experteneinschätzung als ältestes Exemplar im Museum und lässt sich auf die frühen Jahre des 15. Jahrhunderts datieren. Die Einritzungen auf dem Ziegel sind typische Merkmale der sogenannten „Feierabendziegel“, die Handwerker nach getaner Arbeit als individuelle Markierungen hinterließen. Laut Fachleuten lassen die in den Ton eingeritzten römischen Buchstaben eine zeitliche Einordnung zwischen 1404, 1415 und 1421 zu und damit ist es der älteste Ziegel im Sammlungsgebiet „Feierabendziegel“ und damit im deutschsprachigen Südeuropa.