Das Rathaus und der Perlachturm Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH/ Rudolf Grillhiesl/Regio Augsburg Tourismus/ Rudolf Grillhiesl

Augsburg ist mehr als nur die Station vor München. Die Stadt bietet viel Kunst und Kultur, Geschichte und Geschichten und nicht zuletzt feinste bayerische Küche

Etwa in der Mitte zwischen Ulm und München liegt Augsburg. Die Stadt hat die perfekte Größe für einen Wochenendaufenthalt: wer gut zu Fuß ist, kann Ober-wie Unterstadt erwandern und verpasst dabei keine der bekannten Sehenswürdigkeiten.

 

Anreise

Von Augsburg geht jede halbe Stunde ein Zug nach München (www.bahn.de). Damit ist eigentlich schon viel gesagt, denn Augsburg steht im Schatten der bayerischen Landeshauptstadt. Und so galt lange Zeit die Devise, das Beste an Augsburg sei die Nähe zu München. Wie unzutreffend das ist, erkennt man aber schon bei der Ankunft mit dem Zug am Hauptbahnhof Augsburg. Die Empfangshalle ist die älteste Bahnhofshalle in Deutschland, die noch in Betrieb ist, und geht auf das Jahr 1846 zurück. Im Moment ist der Augsburger Bahnhof wie viele andere Bahnhöfe zwar im Umbau, aber prächtig ist er nach wie vor. Was für ein schöner Empfang!

Führung empfohlen

Wo fängt man an in Augsburg? Die Stadt ist randvoll mit Sehenswürdigkeiten, Geschichten, berühmten Persönlichkeiten, guten Wirtshäusern. Man kann das alles selbstverständliche auf eigene Faust unternehmen, die Altstadt ist nicht groß, und wer einigermaßen gut zu Fuß ist und sich zuhause schon ein paar Gedanken gemacht hat, der kann die Stadt auch alleine erkunden. Besser aber geht es mit einem Stadtführer, zum Beispiel mit dem schlauen und liebenswerten Siegfried Forster. Er bietet allgemeine Stadtführungen an, aber auch thematische, zum Beispiel zum Weltkulturerbe Wassermanagement-System (www.augsburg-tourismus.de/fuehrungen).

Augsburger Torte

Bevor es zu einem der bekanntesten Bauwerke der Stadt geht, dem Augsburger Rathaus, gibt es im Café Eber eine Stärkung. In dem alteingesessenen Caféhaus kann man nicht nur die schokoladige „Augsburger Torte“ genießen, es gibt auch eine kleine Mittagskarte. Im Sommer sitzt man draußen auf dem Rathausplatz und betrachtet das bedeutende Kulturdenkmal schon mal von außen (www.cafe-eber.de).

Augsburg ist nicht nur im Frühling und Sommer einen Ausflug wert Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH

Pflicht I: Das Rathaus

Auch wer nichts über Augsburg weiß, vom Goldenen Saal im Rathaus hat vermutlich jeder schon mal gehört. Das von Elias Holl in den Jahren 1615 bis 1620 für die Abhaltung der Reichstage erbaute Rathaus gilt als der bedeutendste Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen. 2,6 Kilogramm Gold stecken im Goldenen Saal: an den Wänden, den Portalen, der Kassettendecke. Bis 1917 war das Rathaus das höchste Gebäude Deutschlands, im Februar 1944 wurde es zerstört, schon bald aber wieder aufgebaut.

Nur die Rekonstruktion des Goldenen Saals hat mehr Zeit in Anspruch genommen: 1985 wurde der Saal zwar im Rahmen des 2000-jährigen Stadtjubiläums wiedereröffnet, komplett fertig geworden sind Saal und Fürstenzimmer aber erst 1996. Bis heute dienen die Räume repräsentativen Empfängen, Preisverleihungen und Trauungen. Das Rathaus ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, es gibt einen Aufzug in den Goldenen Saal, wer kann, dem sei aber der Gang durchs prächtige Treppenhaus empfohlen: da füllen sie sich Lungen ganz automatisch mit Bürgerstolz (www.augsburg.de).

Die Fuggerei ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH

Pflicht II: die Fugger

Ein Art Stadt in der Stadt stellt die Fuggerei dar: sie befindet sich mitten in Augsburg, besteht aus 67 putzigen Häusern mit 140 Wohnungen, die durch idyllische Gässchen miteinander verbunden sind. Die Fuggerei ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Seit einem halben Jahrtausend wohnen hier ununterbrochen bedürftige katholische Augsburger Bürger, die für die Gegenleistung von drei Gebeten am Tag und 88 Cent Jahreskaltmiete Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Beim Bewerbungsverfahren muss man nachweisen, dass man mindestens zwei Jahre in Augsburg gelebt hat und unverschuldet in Armut geraten ist. Wie zum Beispiel Ilona Barber. Die ehemalige Schlagersängerin hat im Jahr 1971 eine Schallplatte veröffentlicht, der große Durchbruch aber blieb aus. „Ich bin so froh, dass ich hier wohnen kann“, sagt Barber (www.fugger.de/fuggerei.html; www.fugger-und-welser-museum.de).

Auf dem Stadtmarkt kann man essen und einkaufen. Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH/ FouadVollmer

Der Stadtmarkt

Lust auf ein kleines Mittagessen? Der Augsburger Stadtmarkt ist eine lauschige und außergewöhnliche Mischung aus Wochenmarkt und Markthalle. Auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal auf dem Gelände einer ehemaligen Tabakfabrik befinden sich knapp 80 Händler und Gastwirte. Teils sind die Stände im Freien, teils überdacht, sodass man den Stadtmarkt zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter genießen kann. Es gibt eine eigene Fleischhalle, eine Fischgasse, Obst- und Gemüsestände, dazu viele Möglichkeiten, einen Imbiss einzunehmen. Richtig gut essen kann man in der Marktgaststätte. Am Samstag Vormittag findet zusätzlich noch ein großer Bauernmarkt statt (www.augsburg.de/freizeit/feste-und-maerkte/stadtmarkt).

Fast wie in Venedig: die Augsburger Lechkanäle Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH/Florian Trykowski

Klein-Venedig

Augsburg ist in eine Ober- und eine Unterstadt aufgeteilt. Die Oberstadt war einst das Viertel der reichen Bürger und Patrizier, die Unterstadt das der Handwerker. Heute ist das Wohnen auch in der Unterstadt angesagt, denn das über Treppen und steile Wege erreichbare Quartier verzaubert durch romantische Gassen, kleine Häuschen und unzählige Wasserkanäle, an denen man herrlich entlang spazieren kann. Deswegen wird das Lechviertel auch gerne mal Klein-Venedig genannt. Zwischen zwei Lechkanälen steht das Brechthaus. Hier wurde der Dichter Bert Brecht 1898 geboren, heute befindet sich dort eine Gedenkstätte (www.brechthaus-augsburg.de).

Für Literaturfreunde: das Brechthaus Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH/Norbert Liesz

Mit Blick auf den Dom

Ein Haus weiter kann man in der Bar The Drunken Monkey (https://salla-kazan.com) den Tag ausklingen lassen, danach den Heimweg antreten und müde ins Bett des Dom Hotels fallen. Das traditionsreiche Haus liegt im Domviertel, hat gemütliche Zimmer und einen unaufdringlichen aber herzlichen Service. (www.domhotel-augsburg.de); Oder man leistet sich eine Nacht im Fünf-Sterne-Hotel Maximilian’s an der Prachtmeile der Stadt (www.hotelmaximilians.com).

Wer vor dem Absacker ein Abendessen braucht, geht ins Riegele Brauhaus. Hier gibt es deftige Augsburger Spezialitäten und das berühmte Augsburger Bier (www.riegele-wirtshaus.de). Wer es feiner und intimer mag, wählt das Restaurant Perlach Acht mit moderner, saisonaler Küche (www.perlachacht.de).

Ein echter Klassiker für Groß und Klein: die Augsburger Puppenkiste. /Augsburger Puppenkiste

Die Kiste

Augsburg verlassen ohne das Urmel gesehen zu haben? Das geht gar nicht. Im Heilig-Geist-Spital ist das Puppentheatermuseum „Die Kiste“ untergebracht. Es widmet sich der weltberühmten Augsburger Puppenkiste. Und es gibt Aufführungen mit den Marionetten. Weniger bekannt: es gibt auch Erwachsenenprogramme, zum Beispiel Kabarett (www.puppenkiste.com