Jochen Raff (rechts) und sein Azubi Abd Al Majid Sulaiman verstehen sich bestens. Foto: Silke Thiercy

Abd Al Majid Sulaiman hat sich durchgebissen: 2018 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet, ist er nun „Lehrling des Monats“. Sanitärmeister Raff ist stolz auf seinen Azubi.

„Wenn nur das Deutsch nicht wäre, gell?“, sagt Jochen Raff zu seinem Azubi und muss lachen. Sulaiman grinst und wirkt ein bisschen verlegen. Dabei muss er das gar nicht sein, denn sein Chef ist voll des Lobes für den jungen Mann.

 

Sulaiman ist im Endspurt seiner Ausbildung zum Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker. Die theoretische Prüfung ist geschrieben, die praktische folgt im Januar. Dass der 23-Jährige dann den Gesellenbrief in der Tasche hat, davon geht Inhaber Jochen Raff aus.

Nach Feierabend pauken die Meister mit ihm

Nach Feierabend setzen sich Christina Alber und Philip Kokoschka mit ihm hin und arbeiten Stoff auf

Denn im praktischen Teil liefert der junge Mann beste Ergebnisse. Nur mit der deutschen Sprache hapert es, dazu kommen die vielen sperrigen Fachbegriffe. Aber Sulaiman paukt nicht alleine: Nach Feierabend setzen sich die beiden Meister Christina Alber und Philip Kokoschka mit ihm hin und arbeiten den Schulstoff auf.

Drei Mal war Sulaiman schon Klassenbester. „Da hat mich sogar der Lehrer angerufen und ihn gelobt“, sagt Jochen Raff, der auch ganz andere Azubis und Leistungen kennt.

„Er will, und das ist das Wichtigste“, betont der Chef beim Besuch unserer Redaktion in den Geislinger Firmenräumen. „Und er ist höflich und zuvorkommend, alles alte Tugenden im Handwerk.“

Mittlerweile hat er einen deutschen Pass

Zum Job gekommen ist der junge Mann über ein Praktikum. Weil es ihm von Anfang an so gut in dem Familienbetrieb gefallen hat, habe er davon gleich drei gemacht, erzählt Sulaiman. „Ich hab ihn dann gefragt, ob er nicht eine Ausbildung machen will“, erinnert sich Jochen Raff.

Damals habe die Vertragsunterzeichnung jede Menge Behördengänge und Bürokratie gefordert, sagt Raff. Mittlerweile hat Sulaiman die deutsche Staatsbürgerschaft. „Das erleichtert alles ungemein.“

Sulaiman sei von Anfang an in den Betrieb integriert und von den Kollegen aufgenommen und unterstützt worden. Am liebsten ist er draußen bei den Kunden unterwegs und kümmert sich um Wartung oder Reparatur.

Was ein enormes Wissen erfordere, erklärt Jochen Raff. „Als ich angefangen habe, hatte ein Heizkessel zwei, drei Schalter, jetzt muss man sich mit Dutzenden Heizsystemen auskennen.“ Zum deutlich erhöhten Umfang der Ausbildung komme leider auch, dass diese auf dreieinhalb Jahre verkürzt worden sei. Er selbst, sagt Raff, habe noch fünfeinhalb Lehrjahre gehabt.

Voll angekommen in der neuen Heimat

Ja, Chef und Mitarbeiter müssten mehr Zeit in einen jungen Menschen investieren, dessen Muttersprache nicht deutsch sei, räumt Jochen Raff ein. Aber wenn er mitbekomme, was Deutsche Schüler in der Berufsschule teilweise ablieferten, dann sei das „grenzwertig“.

Sulaiman ist voll angekommen in der neuen Heimat. Drei Mal die Woche spielt er Fußball in Binsdorf, sonntags geht es zu Turnieren. Auf welcher Position er spielt? Sulaiman überlegt kurz und sagt dann „Vorne.“ „Du bist also Stürmer“, erklärt ihm sein Chef. Der 23-Jährige grinst. Wieder ein neues Wort gelernt.

Das sind seine Zukunftsvisionen

Sulaiman ist das zweitälteste von sechs Kindern. Ein Bruder arbeitet in der Gastronomie, eine Schwester in einer Apotheke. Die anderen gehen noch zur Schule – bis auf Bruder Ahmad. Er hat zum neuen Lehrjahr seinen Ausbildungsvertrag bei der Firma Raff unterzeichnet.

Welche Träume hat Sulaiman? „Ich möchte einige Jahre hier als Geselle arbeiten und dann meinen Meister machen“, sagt er bestimmt, und man traut es ihm absolut zu.