Die Handwerkskammer Freiburg freut sich im Ausbildungsmarkt 2024/2025 über steigende Azubi-Zahlen. Derweil kämpft die IHK Südlicher Oberrhein mit einem Rückgang.
In der Gewerbeakademie der Handwerkskammer, wo normalerweise die Auszubildenden ihren überbetrieblichen Teil der Ausbildung absolvieren, standen am Montagmorgen Werkbänke im Foyer. Dort konnten Protagonisten der Ausbildungsmarkt-Pressekonferenz und Medienvertreter gleichermaßen ihre Fertigkeiten mit Säge und Hobel unter Beweis stellen.
Und dieses Angebot wurde gut angenommen, auch Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg (HWK), schwang die Säge – unter wachsamen Augen einer Schreiner-Azubis und HWK-Geschäftsführerin Annette Rebmann-Schmelzer. Zuvor hatten die beiden Vertreter der Handwerkskammer gute Zahlen für den Ausbildungsmarkt 2024/2025 präsentieren dürfen.
Trendwende bei der Handwerkskammer geschafft
„Wir haben die Trendwende geschafft“, freut sich Burger über insgesamt sieben Prozent mehr neue Azubis als im Jahr zu vor. Kammerweit gab es 2025 2636 neue Handwerkslehrlinge, in Freiburg 396 (plus 6,7 Prozent). Großen Anteil an diesem Wachstum haben dabei Azubis aus dem Ausland. Denn während die Zahl der deutschen Beginner in den vergangenen Jahren relativ konstant blieb, wurde der Anteil der Ausländer immer größer.
In Zahlen ausgedrückt: 711 der 2636 (knapp 27 Prozent) haben einen ausländischen Pass. „Sehr, sehr wichtig“ seien ausländische Staatsangehörige für den Ausbildungsmarkt, betonte Rebmann-Schmelzer daher. Nun sei die Politik am Zug, befanden sie und Burger. „Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen“, forderte der HWK-Präsident. Vor allem im Fokus aus HWK-Sicht: Bürokratieabbau, schnellere Verfahren und eine praxisnahe Weiterentwicklung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes.
Kammervertreter fordern Umdenken der Politik
Diesen Forderungen schloss sich am Montag auch Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein, an. Viele Mitgliedsbetriebe würden verwundert auf die politische Debatte beim Thema Migration reagieren. Denn wie bei den Handwerkskollegen steigen auch im Gebiet der Industrie- und Handelskammer die Zahlen der ausländischen Azubis stetig (2025: 22,3 Prozent der neuen Azubis). In den vergangen zehn Jahren haben laut Kaiser 3600 Ausländer eine Ausbildung abgeschlossen.
In Sachen Gesamtzahlen hatte er nicht ganz so gute Nachrichten im Gepäck wie seine Kollegen von der HWK. „Die Konjunktur schlägt in Teilen auf den Ausbildungsmarkt durch“, sagte Kaiser, zudem sei auch der Bewerbermangel ein Problem. Die Konsequenz: Kammerweit gab es einen Rückgang von 4,2 Prozent, in der Stadt Freiburg immerhin noch drei Prozent.
Dadurch, dass in der Stadt der Anteil an Industrie nicht so groß ist wie etwa in der Ortenau (Minus 3,8 Prozent), hielt sich das Minus in Freiburg in Grenzen. Das zeigt sich auch in der Liste der beliebtesten Berufe, die Theresia Denzer-Urschel (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg) und Anna Melchior (Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Freiburg) vorstellten. Während im Bezirk Offenburg der Industriemechaniker auf Platz drei steht, ist in Freiburg die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten auf dem Treppchen. Platz eins und zwei sind dagegen in beiden Regionen gleich: Kfz-Mechatroniker und Kaufmann/-frau für Büromanagement.
Insgesamt gab es laut den Agenturen für Arbeit im Berichtszeitraum 2024/2025 in den Bezirken Freiburg und Offenburg weniger Ausbildungsstellen und weniger Bewerber als 2023/2024: In Freiburg kamen auf elf Prozent weniger Stellen 1,6 Prozent weniger Bewerber.
Das bedeutet im Gesamtverhältnis: Auf 100 bei der Agentur für Arbeit gemeldete Ausbildungsstellen gab es im Freiburger Bezirk 94 Bewerber (Offenburg: 80; Landesschnitt: 75). Dementsprechend blieben weniger Stellen unbesetzt als im Zeitraum zuvor (461 zu 726). Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der unversorgten Bewerber leicht an. Als Gründe führte Denzer-Urschel vor allem „fehlende Passung“ von Stelle und Bewerber an.