Der Deutsche Skiverband hat seine Skisprung-Teams für die nächste Saison aufgestellt. Ein beliebter Springer ist perplex: Für ihn ist offenbar kein Platz mehr. Ein zweiter Schwarzwälder fliegt aus dem Weltcup-Team.
Der Deutsche Skiverband hat seine Kaderlisten für die kommende Wintersportsaison veröffentlicht. In ihnen wird festgelegt, welche Aktiven den sogenannten „Lehrgangsgruppen“ zugeordnet werden. Lehrgangsgruppe Ia startet beispielsweise im Weltcup, Lehrgangsgruppe Ib dann in der zweiten Liga, bei den Skispringern also im Continentalcup (COC).
Anna Deufel aus Meßstetten rückt in den Blick
Keine großen Überraschungen gibt es bei den Frauen. Katharina Althaus (SC Oberstdorf) führt die erste Gruppe an, aus der das Weltcup-Team gebildet wird. Selina Freitag (AG Nickelhütte Aue), die Schwäbin Anna Rupprecht (SC Degenfeld), Luisa Görlich (WSV Lauscha) und Pauline Häßler (WSV Lauscha) runden die Top fünf ab. Eine kleine Enttäuschung gab es für Agnes Reisch (WSV Isny), die genauso wie die zum Ende der vergangenen Saison im Aufwind befindliche Ex-Doppelweltmeistern Juliane Seyfarth (WSC Ruhla) in der „zweiten deutschen Liga“ bleiben wird.
Erfreulich: Talent Anna Deufel vom SV Meßstetten rutscht neu die Gruppe IIb – die 14-Jährige steht also ab sofort auf dem Radar der für Weltcup und COC zuständigen Trainer.
Die Nachricht ist ein Schock
Ein Hammer birgt aber das Studium der Kaderlisten der Männer. Der Name „David Siegel“ fehlt völlig. Für den ehemaligen Junioren-Weltmeister ist ganz offensichtlich kein Platz mehr beim Deutschen Skiverband. Für den aus Sulz-Dürrenmettstetten stammenden und für den SV Baiersbronn startenden 26-Jährigen selbst ein Schock! „Ich war schon dabei, mich für die kommende Saison vorzubereiten, als die Nachricht des DSV kam“, erzählt er. Gerechnet hatte er damit nicht. Zwar war die vergangene Saison sehr durchwachsen, doch immer wieder landete er im Sommer und im COC unter den Top Ten und qualifizierte sich mit seinen Sprüngen für die Nationale Gruppe bei der Vierschanzentournee und dem Weltcup in Willingen: „Das ist schon ein bisschen ärgerlich“, verkleidet er seine durcheinandergeratene Gefühlswelt in nicht ganz so herbe Worte, aber an der Situation zu knabbern hat der langjährige Leistungsträger, der 2019 vor seiner Verletzung in Zakopane drauf und dran war, in die absolute Weltcup-Spitze vorzustoßen. „Das Ende kam jetzt deutlich schneller, als ich gedacht oder erhofft habe“, gibt er zu.
Da er keinen Platz in den Mannschaften erhalten hat, fördert ihn auch die Bundespolizei nicht weiter, und in der Konsequenz ist er gezwungen, seine Karriere mit 26 Jahren zu beenden. So überraschend, wie das Ende für ihn gekommen ist, weiß er auch noch nicht genau, wie es für ihn weitergehen wird. „Es ist auch für mich noch frisch, ziemlich frisch. Und so schaue ich vorwiegend auch mit einem weinenden Auge drauf.“ Er setzt darauf, dass die Zeit die Wunden heilt und „ich mir die positiven Dinge bewusst halten kann. Und so schaue ich insgesamt zurück auf meine Karriere mit einem lachenden Gesicht.“
Pläne für seine persönliche Zukunft hat er zwar, aber ausgearbeitet sind die natürlich noch nicht genau. „Das ist sehr schwierig, das jetzt schon in Worte fassen zu können“, sagt der 26-Jährige. Weil er bei der Bundespolizei seine Ausbildung beendet hat, schaut er sich dort um, welcher Einsatzbereich für ihn in Frage kommt – und dann „läuft da parallel noch was mit meinen Eltern“, erzählt Siegel. In Sulz-Dürrenmettstetten, seiner Heimatgemeinde im Kreis Rottweil, entsteht bis Anfang 2024 eine Tagespflege. „Da will ich mich auch einbringen und den Menschen auch wieder etwas zurückgeben, die mich unterstützt haben oder interessiert waren, nachgefragt haben.“
Stephan Leyhe herabgestuft
Der Hinterzartener Stephan Leyhe weiß zwar, was er in Zukunft tun wird, nämlich weiter von den Schanzen der Welt springen, allerdings wohl nicht mehr im Weltcup, dafür waren die Leistungen am Ende der vergangenen Saison einfach zu dürftig. Er wurde in die Gruppe 2 herabgestuft wie Routinier Pius Paschke, der schon im vergangenen Winter hauptsächlich im Continentalcup unterwegs war. Die Gruppe 1 bilden in Zukunft neben Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Andreas Wellinger und Constantin Schmid auch der freche Aufsteiger Philipp Raimund und die vielversprechenden, auch nicht mehr taufrischen Talente Felix Hoffmann und Justin Lisso.