Hoch oben auf der Kirche St. Laurentius in Wolfach hat ein Storchenpaar ein Nest gebaut. Foto: Schrader

Ein Storchenpaar ist zurück in Wolfach. Noch vor gut einem Monat war nicht klar, ob sein Nest auf dem steilen Kirchendach überhaupt hält. Nun ist der Bau weit fortgeschritten.

Hoch oben auf der Stadtkirche St. Laurentius herrscht seit Wochen Baubetrieb. Ein Storchenpaar ist zurück in Wolfach und werkelt an seinem Nest. Inzwischen brüten die Tiere – trotz der schwierigen Lage. Denn: Auf Nisthilfen oder ähnliche Unterstützung mussten die Vögel verzichten.

 

Aber was macht den Standort so kritisch? „Das Dach der Kirche hat einen 60 Grad-Winkel und eine glatte Fläche. Es bietet keinen stabilen Halt. Das erschwert den Nestbau ungemein“, erklärte Storchenbeauftragte Rudi Allgeier Anfang April unserer Redaktion. „Der Storch hat den Dreh bisher nicht raus“, so Allgeiers Fazit damals. Inzwischen hat sich jedoch einiges getan. Zum einen sind nun zwei Störche zu sehen, zum anderen haben die Tiere nun doch einen Weg gefunden, das Nest zu sichern. An einem Teil des Gemäuers sei es verankert, berichtet Allgeier. Ob das Bauwerk aber langfristig halten wird, sei offen. Durch Sturmböen könne das Nest herabstürzen, erklärt Allgeier.

Dennoch stehen die Chancen, dass sich die Störche in Wolfach etablieren, gut. Es wäre eine Besonderheit, schließlich hatten die Tiere in den vergangenen Jahren im Wolftal wenig Glück (siehe Info).

Fläche wurde abgesperrt

Auch wenn viele Menschen die großen Vögel mögen: Nicht immer sorgt der Nestbau für Freude. „Es ist nicht immer im Sinne der Anwohner“, erklärt Allgeier. Denn die Tiere sorgen für Schmutz – insbesondere in der Bauphase. Dann können immer wieder Äste hinunterfallen. Zudem stören sich manche an den vielen Ausscheidungen der Tiere. In Wolfach hat man darauf reagiert. Mehrere Parkplätze, die unterhalb des Nests liegen, sind abgesperrt. Zudem weist ein Schild Besucher auf mögliche, herabfallende Äste hin. In Wolfach gebe es glücklicherweise genug Platz, so dass die Kirchgänger nicht Gefahr laufen, von oben etwas abzubekommen, so Allgeier.

Inzwischen gibt es auch neue Informationen zu einem der Störche. Denn eines der Tiere trägt einen Ring. Anhand dieser Erkennungsnummer lässt sich das bisherige Leben des Storchs in Teilen verfolgen. Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie hat die Nummer nun ausgewertet.

Max-Planck-Institut lieferte Informationen zum Storch

Ein Ergebnis: Der Storch ist aus der Region. Als Jungtier wurde er im Sommer 2022 in seinem Nest auf dem Steinacher Rathaus beringt. Dann zog es das Tier nach Nordbaden. Der Storch wurde 2023 in der Nähe von Karlsruhe in einer Gruppe von etwa 20 Weißstörchen auf Nahrungssuche gesichtet. Im vergangenen Jahr kehrte der Vogel laut der Auswertung durch das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in seine Heimatregion zurück. Auf der Hausacher Stadtkirche wurde der Weißstorch gesichtet.

Die Fläche unterhalb des Storchennests wurde sicherheitshalber abgesperrt. Foto: Schrader

Und nun Wolfach. Hier hat das Storchenpaar laut Allgeier einen Vorteil: Es ist das einzige Paar in dem Gebiet. Das bedeute jedoch nicht, dass die Tiere paradiesische Zustände mit Blick auf das Nahrungsangebot haben. Die Trockenheit setzte den Tieren zu, so Allgeier. Denn auf ihrer Speisekarte stehen etwa Amphibien. Und verschwinden deren Biotope – oder trocknen aus – haben es folglich auch die Vögel bei der Futtersuche schwer.

Sollte in diesem Jahr das Aufziehen der Jungstörche in Wolfach glücken, so ist es laut Allgeier gut möglich, dass sich Störche langfristig in Wolfach ansiedeln. „Sie sind sehr nesttreu“, erklärt der Storchenbeauftragte. Viele Storchenpaare würden im darauffolgenden Jahr zu ihrem Nest zurückkehren – und darauf aufbauen.

Entfernt werden darf das Storchennest nicht mehr, erklärt Allgeier. Sobald ein Storchennest als solches erkennbar sei, stehe es unter Schutz. Ausnahmen gebe es, wenn von dem Nest Gefahr ausgehe, etwa durch einen drohenden Absturz.

Störche in Wolfach

In den vergangenen Jahren hatten es die Vögel in Wolfach schwer. Nachdem es mehrere Jahre keine Störche im Ort gab, ließen sich dann 2021 zwei der Vögel nieder. Die Freude über Jungtiere zerschlug sich jedoch schnell: Einer der Störche wurde angefahren und musste eingeschläfert werden. Der verbliebene Vogel gab den Brutversuch daraufhin auf. 2022 versuchte es ein Storchenpaar erneut. Aber auch hier endete der Ansiedelungsversuch tragisch: Das Nest stürzte vom Dach der Kirche St. Laurentius in die Tiefe.