Ein Polizist misst die Geschwindigkeit eines Autos: In dieser Woche kommt es vermehrt zu solchen Kontrollen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Vom 13. bis 19. April wird im Kreis Calw verstärkt geblitzt. Die Polizei macht dabei mit unterschiedlichen Methoden Jagd auf Temposünder.

Europaweit findet vom 13. bis zum 19. April der sogenannte Blitzermarathon statt. In Deutschland machen alle Bundesländer außer dem Saarland mit und somit ist auch im Kreis Calw in den kommenden Tagen mit verstärkten Kontrollen zu rechnen.

 

„Die Geschwindigkeitskontrollwoche vom 13. bis 19. April findet mit dem sogenannten europaweiten ‚Speed-Marathon‘ am 15. April auch im Polizeipräsidium Pforzheim ihren Höhepunkt der Kontrollmaßnahmen“, teilt Benjamin Koch, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeit im Polizeipräsidium Pforzheim, auf Anfrage unserer Redaktion mit. Dieser sei, wie auch die Geschwindigkeitskontrollwoche Bestandteil eines europaweiten Verkehrssicherheitsprogramms mit dem Namen „Roadpol“. Neben der Polizei seien auch die unteren Verwaltungsbehörden wie beispielsweise einige Städte in unserem Dienstbezirk an den Messungen beteiligt, so Koch weiter.

Unfallschwerpunkte im Fokus

Er spricht von „erfahrungsgemäß mehrere Dutzend Kolleginnen und Kollegen“, die in dieser Zeit im Einsatz sind, „insbesondere an neuralgischen Unfallschwerpunkten und auch gerade da, wo schwächere Verkehrsteilnehmer wie Kinder und Jugendliche, Fußgänger und Radfahrer gefährdet sind“.

Bei der Aktion gehe es darum, Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf die Hauptunfallursache zu sensibilisieren. Gerade bei den tödlichen Verkehrsunfällen spiele dies die tragende Rolle, so Koch: „Bei jedem dritten Verkehrsunfalltoten 2025 in Baden-Württemberg war nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit die Hauptunfallursache.“ 2025 kamen in Baden-Württemberg nach Angaben der Polizei bei 118 Verkehrsunfällen 129 Menschen ums Leben. Auch bei den Unfällen mit Personenschaden sei nach wie vor die Geschwindigkeit die Hauptursache.

Polizei hofft auf flächendeckenden Effekt

Der ADAC erwartet verstärkte Kontrollen vor allem in den großen Städten wie Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Heidelberg und Heilbronn. Gibt es auch Schwerpunkte im Kreis Calw? Mit den Kontrollmaßnahmen beabsichtige die Polizei „einen möglichst flächendeckenden Effekt“ zur Einhaltung der vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen beziehungsweise der Verkehrsregeln. „Deshalb geben wir die Kontrollörtlichkeiten nicht bekannt“, so Koch weiter.

Neben den Kontrollen sei es der Polizei ebenso wichtig, nachhaltig auf das Thema aufmerksam zu machen und auch dank der Medienunterstützung im Gespräch zu bleiben: „Wenn die Bürgerinnen und Bürger am Kaffeetisch, im Vereinsheim oder bei Familientreffen die Thematik aufgreifen, auch gerne mal lebhaft diskutieren, haben wir sehr viel erreicht“, sagt er.

Viele verschiedene Kontrollen

Die Kontrollörtlichkeiten und Zeiten würden grundsätzlich unter Berücksichtigung von unfallträchtigen Strecken von den Verkehrsexperten der Polizei ausgewählt. Die Verkehrsteilnehmer müssen sich dabei auf unterschiedliche Kontrollen gefasst machen: „Wir werden in dieser Woche unsere Spezialisten der Verkehrspolizeiinspektion und der Reviere im Einsatz haben. Messungen erfolgen mit den Laserhandmessgeräten, mobilen sowie stationären Geschwindigkeitsgroßmessgeräten, zivilen Dashcam-Fahrzeugen der Polizei und sogenannten ‚Enforcement-Trailern‘“, besser bekannt als Blitzer-Anhänger.

Geschwindigkeitskontrollen seien aber grundsätzlich, und nicht nur in der Speed-Week, ein gewichtiger Bestandteil der Verkehrssicherheitsarbeit „und werden auch über diesen Termin im gesamten Präsidiumsbereich fortgeführt“, sagt der Polizeisprecher.

Allgemein könne man sagen, dass die Bürger die angekündigte Geschwindigkeitskontrollwoche und den Tag des „Speed-Marathons“ bewusst wahrnehmen und dies auch Gesprächsthema ist.

Experten bezweifeln langfristige Wirkung

„Viele passen ihr Verhalten sicherlich konkret in dieser Woche an“, vermutet er. Aber man sehe auch, dass sich bei einer Vielzahl von Verkehrsteilnehmern aufgrund der stetigen Geschwindigkeitskontrollen und den Bußgeldern eine Verhaltensänderung einstelle. Weiterhin gebe es aber noch immer „Verkehrsteilnehmer, welche die Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht einhalten, auch an vorangekündigten Kontrolltagen“, so der Sprecher abschließend.

Ob verstärkte Geschwindigkeitskontrollen in einem befristeten Zeitraum wie bei der nun anstehenden Kontrollwoche eine langfristige Wirkung haben, bezweifelt etwa Kirstin Zeidler, die Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV). „Ein Blitzermarathon sorgt für eine kurzzeitige Aufmerksamkeit für das Thema Geschwindigkeit. Das ist erst einmal eine gute Sache, aber es wirkt nicht dauerhaft“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „In dem Zeitraum wird dann sehr diszipliniert gefahren, weil man Sorge hat, erwischt zu werden. Wir wissen aber auch, dass die Sensibilisierung kurz danach wieder nachlässt.“