Die Asiatische Hornisse – mit ihrem schwarzen Hinterteil mit gelbem Band und ihrem schwarzen Kopf unterscheidet sie sich ganz klar von der geschützten Heimischen Hornisse. Foto: Axel Heimken/dpa

Die Asiatische Hornisse ist auf dem Vormarsch und genau jetzt beginnt die wichtige Phase für ihre Bekämpfung. Wie Frank Thoma und Klaus Eckert aus Todtnau ihr den Kampf ansagen.

Aktuell in aller Munde, doch ihr Ruf ist schlecht – zu Recht: die Asiatische Hornisse. Die invasive gebietsfremde Art aus Südostasien kam von Frankreich her und ist seit 2024 auch in Deutschland angekommen. Und auch im Wiesental richtet sie großen Schaden an. Die Bevölkerung informieren, sie sensibilisieren und sie zum Mithelfen animieren – das möchten Frank Thoma und Klaus Eckert, die die Arbeitsgruppe „Velutina Todtnau“ gegründet haben.

 

Das richten die Hornissen an

Die beiden Imker machen aber deutlich: „Die Asiatische Hornisse ist nicht nur ein Problem von Imkern, sondern von der ganzen Gesellschaft.“ Denn: Die Velutina, wie die Hornisse auch heißt, frisst heimische Insekten und so seien überwiegend Bienen extrem gefährdet. Ab August brauchen die Velutinas extrem viel Protein: „Ein Bienenstand ist für sie wie ein Buffet“, sagt Eckert. „Kommen Hunderte Hornissen in den Stand, haben die Bienen keine Chance mehr.“ Deswegen seien zwar ganz speziell die Imker betroffen.

Aber: Durch die entfallene Bestäubung ganzer Obstbäume sei der wirtschaftliche Schaden auch bei den Landwirten immens, betonen Eckert und Thoma. Und, das kommt noch dazu: Zusätzlich ernährt sich die Velutina auch von dem Obst selbst, das die Landwirte eigentlich ernten wollten.

Drei Bienenvölker habe Eckert nun verloren. Bei einem Imkerfreund von Thoma aus Merzhausen seien es ganze elf gewesen. Die invasive Art habe hier eben keine natürlichen Feinde – „nur den Wespenbussard“. Aber der komme in der Region nur äußerst selten vor.

So haben es sich die beiden Imker nun zum Auftrag gemacht, an die Bekämpfung der Asiatischen Hornissen zu gehen.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt

Die befruchteten Jungköniginnen suchen sich im Herbst einen Winterunterschlupf. Über den Winter halten sie bis zu Minus elf Grad aus – und das auch über mehrere Tage. Nur sie überwintern, um im Folgejahr dann wieder neue Völker zu gründen. Aus einem Insekt könnten dabei bis zu 4000 Individuen entstehen.

Doch entscheidend sei der jetzt beginnende Frühling und damit sei es die wichtigste Phase, um die Verbreitung der Asiatischen Hornisse einzudämmen. Denn: „Alles, was jetzt bis Mai gesehen wird, sind die begatteten Jungköniginnen. Jede entnommene kann dieses Jahr kein Volk mehr gründen“, erklärt Eckert. Und noch dazu: „Die Königinnen jetzt zu entnehmen ist auch die einfachste Methode.“

Das Gründungsnest der Asiatischen Hornisse wird ab Anfang März gebaut. Foto: Stefan Arens

Die Bevölkerung bekommt Locktöpfe

Hierbei könne auch die Bevölkerung mithelfen. Dazu verteilen die beiden Locktöpfe. Die Essenz darin besteht aus je einem Drittel lieblichem Wein, Sirup und Bier. Der Alkohol darin soll wiederum die einheimischen Insekten abhalten. Denn ganz wichtig: Die heimische Europäische Hornisse steht unter Artenschutz. Es ist verboten, diese Tiere zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Aber die beiden Arten sind gut zu unterscheiden (siehe Infokasten).

Der Locktopf der Arbeitsgruppe „Velutina Todtnau“, hiermit können die befruchteten Hornissenköniginnen angelockt werden. Foto: Klaus Eckert

Wenn die „Asiatische“ an den Locktopf kommt, sollen die Bürger diese bei der Arbeitsgruppe melden und ein Bild schicken. „Wenn es eine ist, fliegt diese den Locktopf immer wieder an“, erklärt Eckert das Prinzip. Der Trick: Mit einem zweiten Glas über dem Locktopf kann das Tier gefangen werden. Die Jungkönigin kann man somit ganz einfach vernichten.

Das Primärnest (Anfang Mai) wird aggressiv verteidigt. Foto: Carsten Emser

Alleine sei die Velutina nicht gefährlich, beruhigt Frank Thoma. Sie werde nur aggressiv, wenn man in Nestnähe komme. Störungen der Nester können zu Angriffen und zahlreichen Stichverletzungen führen – vor allem das Primärnest ab Anfang Mai, das so groß ist wie ein Tennisball, werde aggressiv verteidigt.

Apropos Nest: Thoma hat in Schulungen extra einen Sachkundenachweis erhalten, damit er die Nester der Velutina entfernen darf. Vor allem das Sekundärnest ab Juli werde bis zu einem Meter groß. Diese müssen sie mit einem speziellen Staubsauger aussaugen – in den Behälter wird dann Kohlendioxid geblasen, die Tiere werden dann entweder verbrannt oder eingefroren.

Das Sekundärnest (ab Juli) kann bis zu einem Meter lang werden. Auch in Todtnau wurde ein solches gefunden. Foto: Frank Thoma

Sie dürfen kein Gift einsetzen, in manche Nester können sie aber mit Hochdruck ein Eisenpulver blasen.

Sie entfernen Nester – gratis

Die Befürchtung vor teuren Entfernungen bei den Bürgern ist groß, aber die Arbeitsgruppe bietet sie gratis an. Auch im Stadtgebiet von Todtnau mussten bereits drei Nester entfernt werden. „Die Dunkelziffer liegt sicher beim Dreifachen“, schätzt Thoma.

Die Ausrüstung ist sehr teuer

Doch die Ausrüstung für die Nestentfernung ist extrem teuer mit Kosten bis zu 6000 Euro. Noch dazu hat das Land seinen Zuschuss, den es vergangenes Jahr noch bezahlt hat, für dieses Jahr eingestellt. Somit ist die Gruppe auf Spenden und Unterstützung von Vereinen angewiesen. Die Stadt Todtnau und auch die Ortsgruppe Todtnau des Schwarzwaldvereins unterstützen bereits. Auch weitere sachkundige Helfer sind willkommen.

„Aufhalten kann man die Asiatische Hornisse nicht mehr, aber bremsen“, sagt Eckert abschließend.

Die Arbeitsgruppe und die Asiatische Hornisse


Unterscheidung:
Die Heimische Hornisse hat eine rötliche Brust, einen gelben Hinterleib mit schwarzen Punkten und braun-rote Beine. Die Asiatische hat eine schwarze Brust, einen dunklen Hinterleib mit gelben Banden und schwarz-gelbe Beine.

Kontakt:
Wer ein Nest oder eine Königin gefunden hat, kann sich melden bei Arbeitgruppe „Velutina Todtnau“, Tel. 07671/99621, hornisse@todtnau.de. Die Gruppe ist nur für Todtnau zuständig.