Ein Hornissennest Im Loh in Langenau wurde Anfang November entfernt. Foto: Gudrun Gehr

Die extreme Ausbreitung der Asiatischen Hornisse war Thema im Ortschaftsrat Enkenstein. Experte Christian Brendlin forderte Verantwortungsträger auf, für die Eindämmung zu sorgen.

Rund 30 Bürger fanden sich zur Sitzung des Ortschaftsrates Enkenstein ein. Der weitaus größte Tagesordnungspunkt umfasste die extreme Ausbreitung der Asiatischen Hornisse.

 

Abstammung von einer einzigen Königin

Über deren Vermehrung berichtete der Experte Christian Brendlin als Vorsitzender des Imkervereins Kleines Wiesental. Er hielt einen fundierten Vortrag und appellierte an alle Verantwortungsträger, noch rechtzeitig dagegen anzugehen, solange eine Eindämmung noch erfolgen kann.

So wurde von ihm berichtet, dass die nun in Europa befindlichen Insekten nach einem DNA-Test von einer einzigen Königin abstammen, die in Spanien angelandet war. Ihre Verbreitung erfolgte über Spanien, Frankreich, über die Burgundische Pforte bis nach Karlsruhe. 2024 seien bei den Behörden noch 1 400 Meldungen über Nester eingegangen, dieses Jahr wurden bis Ende Oktober 2 900 Nester gemeldet. Ein großer Zuwachs an Meldungen erfolgte im Herbst dieses Jahres, nachdem das Laub fiel und die Sekundärnester deutlich sichtbar wurden.

Brendlin berichtete: „Wir vom Imkerverein haben im November vier Nester innerhalb von sechs Stunden beseitigt. In dieser Zeit wurden bereits 30 neue Nester an die Landesbehörden gemeldet.“

Jetzt schon dringender Handlungsbedarf

Bienen als Hornissennahrung würden erst Ende Juli interessant, zuvor dienen häufig Obst und andere Insekten als Nahrung. Daher sei gerade jetzt in den Wintermonaten dringend Handlungsbedarf angesagt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Nester ohne Gegenmaßnahmen verdoppeln, sei sehr hoch. Mittlerweile hat die Asiatische Hornisse bereits die neuen Bundesländer erreicht. Der Stachel dieser Hornissenart sei sieben Millimeter lang, ein Stich sei verbunden mit einer Variante eines Schlangengiftes.

„Wir werden von der Menge der invasiven Art überrollt“

Brendlin sagte: „Die invasive Art ist nicht nur ein Problem der Imker. Es ist ein gemeingesellschaftliches Problem.“ Im Kleinen Wiesental wurde 2024 ein Primär- und ein Sekundärnest entfernt. Dieses Jahr entfernte man bereits 18 Sekundär-Nester. Brendlin warnte: „Es ploppen immer mehr Nester auf.“ Die Begattung der Königinnen erfolgt bis Mitte Dezember. Pro Nest befinden sich 300 Königinnen, teilweise auch noch mitten im Winter. Die Sekundärnester befinden sich bis zu 30 Metern Höhe in den Baumwipfeln, damit Fressfeinde keine Angriffsfläche haben, meist in Gewässernähe. Brendlin berichtete: „Je höher das Nest ist, desto schwieriger ist die Entfernung.“

Seit 1. Juli besteht keine Pflicht mehr zur Entfernung der Nester, denn der Gesetzgeber hat die Asiatische Hornisse als etablierte Art akzeptiert. Wohl wurden die Behörden von der Menge der Nester und den Kosten der Entfernung „überrollt“.

Gründung einer „Task Force“ der Imkervereine

Die Grundausrüstung eines Imkers zur Bekämpfung der Nester mit einer sogenannten „Lanze“ und Aktivkohle kostet in der durchschnittlichen Variante rund 6 500 Euro. Die Imker würden sich gerne dem übergeordneten Problem annehmen und sich entsprechend engagieren, benötigen jedoch entsprechende Ausrüstung und finanzielle Unterstützung. Im Bereich des Regierungspräsidiums gibt es laut Brendlin mit den sogenannten „Lanzen“ insgesamt sechs komplette Ausrüstungen für Bekämpfer, was natürlich nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ darstelle.

Mittlerweile haben die Imkervereine des Kleinen Wiesentals, Steinen, Wehr und Schopfheim eine „Task Force“ als Arbeitsgemeinschaft zur Bündelung der Kräfte gebildet. Eine Unfallversicherung bei der Beseitigung der Nester müsse privat getragen werden. Brendlin appellierte an die Verantwortungsträger, die Imker bei ihrer gemeinnützigen Arbeit auch entsprechend finanziell zu unterstützen.

Ortsvorsteherin Karin Bernbach teilte mit, dass die Ortsteile gerne bereit seien, sich anteilig mit Schopfheim zu beteiligen. Entsprechend konkrete Beschlüsse seien jedoch nach ihrer Kenntnis noch nicht gefasst.

Info zur Meldeplattform: www.bienenkunde.uni-hohenheim.de (bitte Foto mitschicken), und eine Info an den zuständigen Imker-Verein geben.