In der Ärzteversorgung im Kleinen Wiesental stehen Veränderungen an: Kathrin Mersch wird ihre Praxis abgeben. Eine Nachfolge steht bereit.
Das Team um Jürgen Muthmann vom Hausarztzentrum Schliengen wird zusätzlich zu der seit 2023 bestehenden Zweigpraxis in Wies künftig auch eine Zweigpraxis in Tegernau führen. Damit ist die Versorgung der Patienten weiterhin sichergestellt. Darüber informierten die Akteure aus Rathaus und Arztteam bei einem Pressegespräch am Donnerstag.
Die ursprüngliche Nachricht hatte durchaus das Zeug, für schlaflose Nächte zu sorgen, räumten Bürgermeister Stefan Niefenthaler und Seniorenbeauftragte Melanie Mühlhäuser dort ein: Um Weihnachten herum hatte Hausärztin Kathrin Mersch die Gemeinde darüber informiert, dass sie ihre Praxis in Tegernau auf Ende März abgeben will. Mersch war hier seit 2019 tätig; sie hatte die Praxis damals von Hiltrud Heim übernommen.
Ärztliche Versorgung aufrechterhalten
Schon bald nach Neujahr indes sei die erlösende Nachricht über die Weiterführung der Praxis gekommen – dies, nachdem Mühlhauser Kontakt zu Jürgen Muthmann aufgenommen hatte und dort auf offene Ohren gestoßen war, wie Niefenthaler im Rückblick festhält. „Eine Praxisschließung wäre ein Wahnsinns-Einschnitt gewesen“, sagt der Bürgermeister. Daher sei er nun „unfassbar froh, dass wir die Versorgung aufrechterhalten können.“
Luise Heymuth übernimmt tragende Rolle
Eng verbunden ist die gelungene Nachfolgeregelung mit der Person von Luise Heymuth, die vielen Kleinwiesentälern als Ärztin wie als Mitbürgerin bereits ein Begriff sein dürfte: Seit 2021 wohnt sie mit ihrem Mann und mittlerweile drei Kindern im Weiler Eichholz.
Die Familie war damals von Hamburg aus ins Kleine Wiesental gezogen – „der Liebe zur Landschaft wegen“, wie Heymuth erzählt: Ein Aufenthalt während der Elternzeit hatte die Familie zuvor erstmals aus dem hohen Norden in die hiesigen Süd-Gefilde geführt – mit nachhaltigen Folgen. Sehr schnell sei Eichholz und das Tal überhaupt zum neuen Zuhause geworden, erzählt die Ärztin.
Umfassende Erfahrung als Gefäßchirurgin
Vor ihrem Zuzug ins Kleine Wiesental war Heymuth über zehn Jahre lang als Gefäßchirurgin an einer Klinik in Hamburg tätig – und entschied sich dann, die Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin/Hausärztin aufzusatteln. Damit orientierte sie sich in eine Richtung, die sie ursprünglich bereits während des Studiums anvisiert hatte. Aktuell absolviert sie ihre Weiterbildung beim Hausarztzentrum Schliengen und will diese im Herbst abschließen – um dann als angestellte Ärztin des Hausarztzentrums im Kleinen Wiesental, und damit auch teilweise in Tegernau, zu praktizieren.
Wann es in Tegernau nach dem Weggang von Kathrin Mersch Ende März konkret weitergehen kann, ist noch nicht ganz klar. Geplant ist auf jeden Fall, dass noch im zweiten Quartal wieder Sprechstunden in Tegernau angeboten werden, erklärt Jürgen Muthmann.
Praxis-Räume werden umgebaut
Zuvor müssen die gemeindeeigenen Praxisräume auf Vordermann gebracht werden. Dabei geht es zum einen um die EDV-Technik, zum anderen um die Sanitäranlagen, die modernisiert und teils barrierefrei umgebaut werden sollen. Die entsprechenden Arbeiten seien bereits aufgegleist, sodass sie unmittelbar nach der vorübergehenden Schließung der Praxis starten können, so Niefenthaler. Die Gemeinde hofft dafür auf Zuschüsse.
Klar sei allerdings auch, dass das ärztliche Angebot zunächst nicht im gewohnten Umfang aufrechterhalten werden kann, schließlich werden nach dem Weggang der bisherigen Ärztin schlicht Kapazitäten fehlen, erklärt wiederum Muthmann. Gesucht wird in diesem Zusammenhang auch eine zusätzliche Sprechstundenhilfe. „Ziel ist es, Sprechstunden weiterhin flächendeckend anzubieten, mal in Wies, mal in Tegernau“, hält Muthmann fest und rückt die Kernbotschaft in den Vordergrund: „Für die etwa 750 Patienten der Tegernauer Praxis geht es weiter.“
Patienten sollen sich neu anmelden
Um den Übergang möglichst geschmeidig und reibungslos zu gestalten, sollten sich die betroffenen Patienten baldmöglichst über das Online-Portal des Hausarztzentrums Schliengen anmelden, damit sie dort als Patienten angelegt werden können, so der dringende Appell von Muthmann. Auch können bereits Termine für das zweite Quartal gebucht werden.
Praxis in Wies 2023 übernommen
Das Hausarztzentrum Schliengen hatte im September 2023 die damals von der Schließung bedrohte Hausarztpraxis in Wies übernommen. Vorangegangen war eine unglückselige Phase, in der der damalige Praxisinhaber sich zunehmend unzuverlässig und für seine Patienten nicht greifbar zeigte. Die Praxis in Wies war eine von mehreren Arztpraxen, die der betreffende Arzt übernommen, dann aber nicht adäquat geführt hatte.
Dank intensiver Bemühungen des damaligen Bürgermeisters Gerd Schönbett und der Seniorenbeauftragten Melanie Mühlhäuser war dann der Kontakt zum Hausarztzentrum Schliengen hergestellt worden – und erweist sich nun als nachhaltiger Glücksgriff.
Weitere Infos
Infoabend
zu den Änderungen in der hausärztlichen Versorgungen am Mittwoch, 25. Februar, 18. Uhr im evangelischen Gemeindehaus Tegernau
Unterstützung bei Patientenanmeldung:
Um auch weniger digital-affinen Patienten die Anmeldung in der neuen Arztpraxis möglichst einfach zu machen, bieten die Akteure Hilfe: Beim nächsten „Café digital“ am Montag, 23. Februar, werden Vertreterinnen der Hausarztpraxen vor Ort sein, und praktische Hilfe anbieten. Anmeldung erwünscht.
Kontakt und Anmeldung Hausarztzentrum Schliengen
: https://www.hausarztzentrum-schliengen.de/