Das ist die Artemis-Crew. Foto: Uncredited/NASA/dpa

Die Bilder der Artemis-Crew, die unterwegs zum Mond ist, faszinieren. Was viele nicht wissen: Technik made in Schwenningen war bereits auf dem Erdtrabanten.

Im Rahmen des Artemis-Programms der NASA ist ein Orion-Raumschiff zum ersten bemannten Mondflug seit dem Apollo-Programm unterwegs. Schwenningen war schon mit Federn der Firma Feder-Meder 1969 auf dem 384 000 Kilometer entfernten Erdtrabanten.

 

Im Rahmen der Artemis 2-Mission sollen auf dem neuntägigen Flug vier Astronauten den Mond umrunden. Dabei sollen Systeme und Arbeitsabläufe an Bord erprobt werden, bevor mit einer späteren Mission Menschen auf dem Mond landen.

Artemis 2 ist der erste bemannte Mondflug seit Apollo 17 im Jahr 1972. Die „Sternstunden der Menschheit“ mit dem Apollo-Programm von 1969 bis 1972 wurden auf dem Mond fotografisch dokumentiert – auch Dank filigraner Technik aus Schwenningen.

Federn aus Schwenningen

Als am 21. Juli 1969 die Apollo 11-Mission erfolgreich auf dem Mond landete und die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen auf dem Mond ihre Spaziergänge unternahmen, nutzten sie schwedische Hasselblad-Kameras, um das Jahrhundertereignis fotografisch festzuhalten. In den Fotoapparaten waren Präzisionsfedern der Schwenninger Firma Feder Meder eingebaut.

Schon ab 1962 nutzte die amerikanische Weltraumbehörde NASA bei den Mercury- und Gemini-Programmen Hasselblad-Kameras. 1965 stellte Hasselblad die für ihre mit technisch-fortschrittlicher Technik und Zuverlässigkeit berühmte Hasselblad 500 EL vor, die dann in den Apollo-Missionen zur Verwendung kam.

Legendäre Kameras

In der legendären Kamera wurden für das Zentralverschlusssystem Federn der Firma Feder-Meder aus der Schwenninger Weidenstraße verbaut. Die Verschlusstechnik war von der Bad Tölzer Firma Deckel für das Münchner Unternehmen Campur entwickelt worden. Campur ist heute für seine Gasmesstechnik und -warnsysteme weltbekannt.

Die Hasselblad-Großbildkameras wurden/werden auch als Arbeitspferde gerne in der Kunst oder Modefotographie verwendet, etwa von Karl Lagerfeld. Die 500er-Spiegelreflexfilmkameras kamen bei den Apollo-„Übungsflügen“ 8, 9 und 10 zum Einsatz. Auf der historischen ersten Mondexkursion Apollo 11 wurde nach sorgfältigsten Tests Hasselblads 500 EL-Data Kameras mit Gitterplatte genutzt. Auf den damit gemachten Fotos sind dann kleine schwarze Kreuze mit eingeblendet, mit denen Entfernungen auf den Bilden genau bestimmt werden können.

Extreme Temperaturen

Die Hasselblad-Mond-Kameras besaßen die Zeiss-Objektive Biogon und Planar. Die historischen Augenblicke mussten bei extremen Temperaturen und nur einem Sechstel der Erdschwerkraft von den Kameras festgehalten werden. Auch Dank der Meder-Federn gelangen die ikonischen Fotos.

Das wahrscheinlich bekannteste und einprägsamste Foto zeigt Buzz Adrin, in dessen Visier sich Neil Armstrong, mit der Hasselblad 500 knipsend, sich widerspiegelt. Durch die einzigartigen Bilddokumentationen konnten die beiden Astronauten den Rest der Welt hautnah an dem teilhaben lassen, was sie auf dem Mond erleben durften.

Bei den sechs erfolgreichen Apollo-Missionen wurden insgesamt zwölf Hasselblad-Kameras genutzt. Alle Kameras wurden auf dem Mond zurückgelassen – wegen deren Gewicht. Wertvoller war es der NASA gewesen, auf dem Rückflug für die Wissenschaft wichtiges Mondgestein auf die Erde mitzunehmen.

Aus den Händen geglitten

Eine Hasselblad-Kamera war 1966 dem Astronauten Michael Collins bei einem Weltraumausflug der Gemini 10-Mission bei einem Außeneinsatz im Weltraum aus den Händen entglitten. Das Gerät kreist wahrscheinlich noch heute als bislang erster und einziger Schwedisch-Schwenninger Satellit um die Erde.

Der Gründer der Firma Feder und deren langjähriger Chef, Kurt Meder, zeigte sich, etwa bei Betriebsversammlungen- und -festen immer wieder stolz „beim riesengroßen Schritt für die Menschheit“ mit seinen Federn dabei gewesen zu sein. Automobilhersteller, Unternehmen der Elektroindustrie sowie der Kommunikations-, Haus- und Medizintechnik werden mit Produkten des Unternehmens beliefert.

Seit gut einem Jahr gehört das in der Weidenstraße unweit der Schwenninger Feuerwehr-Basis ansässige Unternehmen zur Schramberger Firmengruppe Kern-Liebers und heißt jetzt Kern Liebers Villingen-Schwenningen GmbH.