Der Kreißsaal der Rottweiler Helios-Klinik ist für die nächste Geburt vorbereitet. Wie es mit den Rottweiler Beleghebammen allerdings weitergeht, ist noch offen. Foto: Brockhammer

„Das ist ein starkes Zeichen!“ – die Rottweiler Hebammen haben mit ihrer gemeinsamen Kündigung bundesweit für Aufsehen gesorgt. Auch das Fernsehen will jetzt berichten.

Die Beleghebammen haben zum 31. März nächsten Jahres ihren Vertrag mit der Helios-Klinik in Rottweil geschlossen gekündigt. Zu dem Schritt haben sie sich gemeinsam als Konsequenz auf die Neuerungen des Hebammenhilfevertrages entschlossen, der am 1. November in Kraft getreten ist, und der Beleghebammen gegenüber festangestellten Geburtshelfern finanziell deutlich schlechter stellt.

 

„Nicht, weil sie nicht mehr wollen, sondern weil sie unter den neuen Vorgaben einfach nicht mehr können. Ein Vertrag, der helfen sollte, hat ihre Arbeit noch schwieriger gemacht. Mehr Bürokratie weniger Sicherheit weniger Wertschätzung“, kommentiert Carmen Brockhammer, Babyfotografin an der Rottweiler Helios Klinik.

Mittlerweile hat unsere Berichterstattung deutschlandweit Kreise gezogen und wurde tausendfach geteilt. Unter anderem hat Carola Hauck, Regisseurin des Dokumentarfilmes „Die sichere Geburt. Wozu Hebammen?“ auf ihrem Instagram-Account auf unseren Artikel „Paukenschlag – alle Hebammen an der Helios-Klinik kündigen“ aufmerksam gemacht – und allein hier zeigen zwei Millionen Aufrufe, mehr als 70 000 Likes und tausende Kommentare die Brisanz des Themas.

SternTV will berichten

Inzwischen, so berichtet Carola Hauck, sei auch „SternTV“ auf die Aktion der Rottweiler Hebammen aufmerksam geworden. Auch die Bild-Zeitung habe sich aufgrund der großen Resonanz der Berichterstattung bei den Hebammen gemeldet, lassen sie wissen.

In den Sozialen Medien gibt es überwiegend Lob für den gewagten Schritt der Rottweiler Geburtshelferinnen. „Chapeau und großen Respekt! Was für ein starkes Zeichen“, schreibt eine Userin. „Ein starkes Statement und ein Team, das zusammensteht“, ist von einer anderen zu lesen. Derlei Anerkennung gibt es vielfach.

„Zum Glück bin ich durch mit dem Kinderkriegen. Bei solchen Entwicklungen mag man ans Kinderkriegen gar nicht mehr denken und kann für die Schwangeren nur das Beste hoffen“, ist weiter zu lesen.

Mit der geschlossenen Kündigung haben die Rottweiler Beleghebammen die Reißleine gezogen, auch sich neue Möglichkeiten offen zu lassen, sollte sich am Vertragswerk nichts mehr ändern. Helios hat den Geburtshelferinnen aber Unterstützung zugesagt und angeboten, sie fest anzustellen. Wie es weiter geht, ist im Moment noch offen.

In den vergangenen Monaten hatten sie vielfach mit Protestaktionen auf die negativen Auswirkungen der Änderungen des Hebammenhilfevertrags aufmerksam gemacht. Vergeblich. Auf den ersehnten Aufschrei aus der Bevölkerung hatten die Hebammen bundesweit vergeblich gewartet.

Schwangere entsetzt

Jetzt, nach dem Paukenschlag mit der Kündigung habe sich das, zumindest im Raum Rottweil, schlagartig geändert. „Ich war entsetzt und musste das erst mal nachlesen“, sagt eine junge Schwangere, die kurz vor der Geburt steht und erleichtert aufatmet, dass die Kündigung erst zum 31. März nächsten Jahres gilt. „So viele wollen mehr wissen“, schreibt Carmen Brockhammer. Und die Rottweiler Hebammen suchen derweil Frauen, die für ein Interview bereit wären. Das Thema nimmt also weiter Fahrt auf.

„Wie weit sind wir gekommen. 30 Prozent Vergütung für eine zweite Geburt. Wie wäre es wohl, wenn die diensthabende Hebamme die zweite Gebärende auch nur noch zu 30 Prozent betreut?“, so die Nachfrage einer Frau. „Krass, kein Wunder, wenn man den Hebammen nur Steine in den Weg legt“, schreibt die Nächste.

Schließt die Geburtshilfe?

Die Sorge, dass die Geburtshilfe in Rottweil schließen könnte, wächst. Helios möchte zwar an der Geburtshilfe in Rottweil festhalten, heißt es. Doch dazu braucht es eben auch Hebammen. Und würde es in den Kliniken keine mehr geben, bliebe vermutlich nur noch der Kaiserschnitt als ultima ratio. Auch das ist eine große Befürchtung.

Bundesweite Kündigungswelle erwartet

„Geschlossen agieren, nur so verändert man was“, würdigt ein weiterer User den Schritt der Hebammen. Die hoffen indes, dass diese Zeichen auch an der richtigen Stelle ankommen und es doch noch eine Lösung gibt. Bundesweit rechnen die Hebammenverbände derzeit mit einer wahren Kündigungswelle. Auch an anderen Kliniken bundesweit haben Hebammen-Teams bereits ihre Kündigung eingereicht. Das Rottweiler Team ist mit seiner Entscheidung also keine Ausnahme.

Bis zum 31. März ändere sich für die Frauen, die zur Geburt in die Helios-Klinik kommen, nichts, versichert das Rottweiler Hebammenteam. Sie betreuen „ihre“ Frauen in der gleichen Qualität wie bisher. Wie es dann weiter geht, ist derzeit offen.