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Albstadt/Hechingen 84-Jährige durch Leichtsinn in Klinik mit Corona infiziert?

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Hier im Ebinger Krankenhaus soll sich eine 84-jährige Hechingerin mit Corona infiziert haben. Die Familie ist überzeugt, dass leichtsinnig agiert wurde und hat deswegen eine Fachanwältin eingeschaltet. Foto: Archiv

Albstadt/Hechingen - Sind eine 84-Jährige Patientin und anschließend ihre Familie durch Leichtsinn in der Albstädter Klinik mit Corona infiziert worden? Das ist eine Frage, die eine Hechinger Familie nun mit dem Zollernalb-Klinikum klärt. Mittlerweile ist eine Anwältin eingeschaltet. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)Artikel. 

Im Grunde geht es um den Vorwurf: Die Klinik habe eine 84-Jährige in die Obhut ihrer Familie übergeben, ohne diese zu informieren, dass ein hohes Risiko auf eine Corona-Infektion besteht. Denn fast eine Woche lang hatte die Frau im Zimmer mit einer anderen Patientin gelegen, die dann positiv auf Corona getestet worden war. "Als sie dann entlassen wurde und wir sie in Empfang nahmen, wurde uns nichts davon gesagt", erzählt der Schwiegersohn empört. Unnötige weitere Infektionen seien die Folge gewesen. Um dies vorauszuschicken: Das Zollernalb-Klinikum ist überzeugt, keinen Fehler gemacht zu haben.

Operation verlief ganz toll

Was war passiert? Am 7. April war eine 84-jährige Hechingerin gestürzt. Die Folge: Oberschenkelhalsbruch, Einlieferung in das Ebinger Krankenhaus. "Drei Stunden später hatte sie ein neues Hüftgelenk", erzählt ihr Schwiegersohn und betont: "Diese Operation verlief ganz toll. Lob an die Ärzte."

Allerdings passierte das alles mitten in der Corona-Alarmphase. Deshalb hatte die Familie vorher in strenger Selbstisolation gelebt, um eine Infektion für die kränkliche 84-Jährige möglichst auszuschließen. Das Zollernalb-Klinikum versuchte in dieser Zeit, Corona-Infizierte und Patienten ohne Corona strikt voneinander zu trennen. Was wohl schief ging.

Krankheit nur noch nicht ausgebrochen?

Denn im vorliegenden Fall wurde am 15. April die Zimmernachbarin der 84-Jährigen positiv auf Corona getestet. Der Test bei der 84-Jährigen verlief zwar negativ, so dass sie am 18. April entlassen wurde. Ihr Schwiegersohn aber ist überzeugt: Sie hatte sich ziemlich sicher bereits bei ihrer Zimmernachbarin infiziert. Die Krankheit sei nur noch nicht ausgebrochen.

"Wir haben sie vor der Klinik abgeholt, und niemand hat uns gesagt, dass hier ein Corona-Risiko besteht", beklagt er sich. Das sei aber doch klar, wenn jemand tagelang mit einer Coronakranken im gleichen Zimmer liegt. "Die hätten uns das sagen müssen", stellt er fest, "dann hätten wir alle in Quarantäne gesetzt werden müssen."

Klinik-Sprecherin Beate Fleiner stellt dagegen fest: Von einer Corona-Ansteckung habe man nicht ausgehen müssen, denn "der Aufenthalt im gleichen Zimmer kann nicht mit engem Kontakt gleichgestellt werden". Alle Patienten sollten während ihrer Zeit in der Klinik einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Für eine Quarantäne der Patientin oder ihrer Angehörigen, die die dann weiterpflegten, hätte es keinen Grund gegeben. Ohnehin wäre das dann Aufgabe des Gesundheitsamts gewesen.

84-Jährige infizierte ihre ganze Familie

Der Schwiegersohn der 84-Jährigen lacht bitter. Die Patienten, die auf das Zimmer gelegt wurde, habe durch den Beruf ihrer Söhne ein hohes Infektionsrisiko getragen, "die wussten das in der Klinik, die Patientin hätte man alleine in ein Zimmer legen müssen". Und dass eine frisch operierte und stark geschwächte 84-Jährige während zehn Tagen Klinikaufenthalt durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz tragen soll, sei fast undenkbar. Seiner Ansicht nach war es unvermeidlich, dass seine Schwiegermutter infiziert wurde.

Die 84-Jährige war dann für eine Reha in Bad Sebastiansweiler vorgesehen, aber das lehnte ihre Tochte aus Vorsicht ab und holte sie zu sich nach Hause. Wass passiert wäre, wenn sie die Reha angetreten hätte – inklusive fast unvermeidlichem Kontakt zu vielen anderen betagten Reha-Patienten –, mag man sich nicht ausdenken.

So infizierte sie dann aber schließlich ihre ganze Familie. Erst am 25. April bekam sie typische Symptome, wurde in die Klinik gebracht, wo ihre Infektion festgestellt wurde. Zurück blieben ihre Tochter, Schwiegersohn, zwei Enkel. Alle mit Corona infiziert. "Wir hatten alle Glück, bei uns verlief die Krankheit leicht", erzählt der Schwiegersohn. Die Oma dagegen blieb nochmal für dreieinhalb Wochen in der Klinik. Diesmal auf der Corona-Station.

Familie will Akteneinsicht

Und warum hat die Familie nun eine Fachanwältin eingeschaltet? "Wir haben über Wochen versucht, mit der Klinikleitung diese Sache im persönlichen Gespräch zu klären, und wurden nur vertröstet", erzählt der Schwiegersohn. Irgendwann habe es ihm "gereicht". Er sei zur Anwältin, weil er Akteneinsicht wolle. Und das lässt nun die Klinik verstummen. "In einem juristischen Verfahren können wir uns nicht zu einem konkreten Fall äußern", heißt es.

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