Oberbürgermeister Adrian Sonder (rechts) beim Gespräch in den Räumen der Frauenhilfe Freudenstadt mit Martina Sillmann, Ulrike Schweizer und Susanne Brückner (von links) Foto: Volker Rath

Der Verein Frauenhilfe Freudenstadt setzt sich für Frauen in Not ein – gerät aber zusehends an seine Grenzen. Oberbürgermeister Adrian Sonder verspricht seine Unterstützung.

Gewalt gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Problem, die Dunkelziffer hoch. Auch im ländlichen Raum. Die Frauenhilfe in Freudenstadt kämpft als Verein dagegen an. Bei seinem Besuch sagte Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder der Frauenhilfe seine politische Unterstützung zu, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

 

„Unsere Gesellschaft darf das Problem nicht stillschweigend hinnehmen. Daher sehe ich es als Verpflichtung an, die Debatte über den besseren Schutz von Frauen in die Mitte der Gesellschaft zu rücken“, zitiert ihn die Mitteilung. Dort sprach er mit Martina Sillmann, Ulrike Schweizer und Susanne Brückner – alle drei im Vorstand – über die aktuelle Situation.

Die Zahlen seien ernüchternd: Einer Dunkelfeldstudie zufolge erlebe jede dritte Frau in ihrem Leben in irgendeiner Form Gewalt. Das würde sich mit den Erfahrungen der Frauenhilfe Freudenstadt decken.

Mehr Beratungsstunden geleistet

Im vorigen Jahr verzeichnete die Anlaufstelle mehr Fälle. 177 Frauen im Alter von 16 bis 82 Jahren aus dem Landkreis nahmen 2025 das Hilfsangebot an, ein Plus um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Summe der geleisteten Beratungsstunden stieg um rund 30 Prozent. „Es werden mehr Fälle, und die Fälle werden komplexer“, so Sillmann, pensionierte Kriminalpolizistin.

Soziale Medien als Brandbeschleuniger

Gewalt sei vielfältiger Natur, sie könne körperlicher, psychischer oder sexueller Art sein. Es handele sich um ein breites gesellschaftliches Phänomen. „Gewalt gegen Frauen kommt in allen Gesellschaftsschichten und Bildungsmilieus vor“, so Sillmann weiter. In den meisten Fällen seien die Täter männlich. Deutlich zugenommen habe das Problem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch die Sozialen Medien. „Jemanden mit kompromittierenden Inhalten öffentlich an den Pranger zu stellen, kann heutzutage jeder mit den Smartphone vom Sofa aus. Das geht ganz einfach, aber die Wirkung ist fatal“, wird Sillmann weiter zitiert. Dieselbe Wirkung könnten sexuelle Belästigungen entfalten.

Schulbesuche sollen ausgeweitet werden

Um dem vorzubeugen, gehe der Verein mit Beratungsangeboten in die Schulen. „Liebe braucht Respekt“ heißt die Kampagne. Laut Ulrike Schweizer habe die Frauenhilfe ihr Informationsangebot an den Schulen ausgebaut – die Nachfrage sei groß.

Rund 20 Jahre gibt es die Frauenhilfe Freudenstadt, die Beratungsstellen in Freudenstadt und Horb unterhält.

Das Problem: Der Verein stoße an seine Leistungsgrenzen. Von den rund 110 000 Euro Aufwendungen für Personal und Räume pro Jahr sind etwa zwei Drittel durch Zuschüsse von Land, Landkreis und Stadt gedeckt. Den Rest muss der Verein über Spenden abdecken.

Neues Gesetz soll Abhilfe schaffen

Große Hoffnung wecke das Gewalthilfegesetz, dass der Bundestag im vorigen Jahr verabschiedet hat und das einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung garantiert. Das Land Baden-Württemberg hat sich verpflichtet, den Anspruch umzusetzen. Dann könnte die Frauenhilfe mit mehr finanzieller Förderung rechnen.

Adrian Sonder kündigte an, die Frauenhilfe dabei zu unterstützen: „Das Land hat in den vergangenen Jahren beim Schutz von Frauen gegen Gewalt schon einiges auf den Weg gebracht. Jetzt geht es darum, dass die neue Landesregierung mit großer Konsequenz das Thema weiterverfolgt. Das wäre meine große Bitte an die Verantwortlichen in Stuttgart.“