Die Migrationsberatung für Zugewanderte beim Diakonischen Werk im Kreis Lörrach will helfen. Auch der Ukrainerin Anna, die krank und in Finanznot ist.
Die Anlaufstelle an der Riedlistraße 16 im Mehrgenerationenhaus des Diakonischen Werks in Weil am Rhein-Friedlingen berät, unterstützt und begleitet Migranten, die eine Bleibeperspektive für Deutschland haben.
Eine von ihnen ist Anna, eine alleinerziehende Frau Mitte 40, die vor drei Jahren mit ihrem heute siebenjährigen Sohn aus der Ukraine geflüchtet ist. Von Freiburg, wo sie zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft lebte, kam sie nach Weil am Rhein. Eine Krebsdiagnose erschwerte ihre Lebenssituation. Operation, Klinikaufenthalt, Chemotherapie und zahlreiche Arztbesuche waren die Folge.
Der Genesung abträglich
Auch konnte sie nicht mehr arbeiten. „Die psychosoziale Belastung für die Frau war immens“, berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung Silvia Frank, die seit zehn Jahren als Diplom-Sozialpädagogin im Diakonie-Zentrum tätig ist. Denn zu der Krebserkrankung kamen auch noch finanzielle Schwierigkeiten.
Anna und ihr kleiner Sohn hatten nämlich in Weil am Rhein eine kleine Wohnung gefunden. Doch dann gab es einen elektrischen Schaden in der Wohnung von mehreren hundert Euro, für dessen Behebung der Vermieter nicht aufkam. Da ihre finanzielle Situation eh schon angespannt war, sollte sie für ein paar Monate jeweils 150 Euro vom Bürgergeld für die Reparatur abzwacken.
„Es ging Anna schlecht“
„In der Zeit ging es Anna schlecht“, sagt Silvia Frank. Doch dank der Weihnachtsaktion unserer Zeitung und des dadurch für solche Einzelfälle zur Verfügung stehenden Fördertopfs konnte der Frau finanziell unter die Arme gegriffen werden. Die Ukrainerin, deren Eltern in der Nähe von Kiew leben und, wie sie erzählt, jede Nacht wegen des massiven russischen Bombardements zittern müssen, ist eine Kämpfernatur und lässt sich nicht so schnell unterkriegen. Ihre positive Einstellung und ihre sportliche Betätigung haben ihren Gesundheitsprozess gefördert.
Wieder auf festen Füßen
Heute steht Anna wieder auf festen Füßen. „Ich weiß selber nicht, wie ich das alles geschafft habe“, sagt sie voller Dankbarkeit. Sie war und ist sehr froh über diese wichtige Anlaufstelle beim Diakonischen Werk, die hilfreichen, unterstützenden Gespräche mit Silvia Frank und auch über die finanzielle Zuwendung in einer für sie sehr schwierigen Lebensphase.
Die Ukrainerin, die Verwaltungsfachangestellten erlernt hat, besucht derzeit einen Berufssprachkurs, bei dem Migranten mit berufsbezogenen Deutschkenntnissen kontinuierlich auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. „Die Sprache ist das A und O. Nur wer gut Deutsch sprechen kann, hat auch aussichtsreiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, weiß die Diplom-Sozialpädagogin. Und das weiß auch Anna, weshalb sie alles daransetzt, ihre Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Denn: „Ich will wieder arbeiten“, betont die Mutter des siebenjährigen Jungen, der eine Grundschule in Weil am Rhein besucht.
Sprachförderung
Im Zusammenhang mit der Sprachförderung weist Silvia Frank auch auf das internationale Frauencafé im Mehrgenerationenhaus hin. Dies ist ein niederschwelliger Treffpunkt für Frauen, bei dem Ehrenamtliche nebenbei die deutsche Sprache fördern. Die Migrationsberatung für Erwachsene unterstützt zugewanderte Menschen auch bei der Arbeitssuche. Ein Hindernis: Die im Heimatland erworbenen Berufsqualifikationen wie Diplome und Abschlüsse werden in Deutschland oft nicht anerkannt. „Auch hier bemühen wir uns um Lösungen“, so Frank.
Die Fachkräfte-Frage
Beim Thema Fachkräfte-Einwanderung ist die Anerkennung von in anderen Ländern erworbenen Abschlüssen mitunter schwierig. „Bei Zahnärzten beispielsweise ist es kompliziert“, weiß Silvia Frank und fügt hinzu:„Auch die Hebamme aus dem Kosovo hat dort eine ganz andere Ausbildung erhalten als bei uns.“
Frage der Anerkennung
Weitere Schwerpunkte der Migrationsberatung sind zum Beispiel die Wohnungssuche, Unterstützung beim Überwinden der überbordenden Bürokratie, das Aufzeigen beruflicher Perspektiven, Aufbaukurse, Verbraucherverhalten, Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten oder persönliche und familiäre Themen.
Die zugewanderten Menschen, die das Friedlinger Diakonie-Zentrum aufsuchen, kommen aus etwa 35 Nationen. Im Jahr befasst sich die Migrationsberatung mit rund 280 Fällen.