Andrea Reynolds, Andreas Nagel-Windus und Susanne Greiner (v.l.) auf dem Feld der Solawi Möhrenblick bei Kürnberg. Foto: Anja Bertsch

Die Solawi Möhrenblick will sich sprichwörtlich „Kraut und Rüben“ aufs Feld holen und lädt zum Workshop.

Wie soll das gehen, wenn Bäume und Sträucher auf dem (Gemüse-)Acker stehen? Es ist eine nur vermeintlich provokative Frage, mit der der Verein „Solidarische Landwirtschaft Möhrenblick“ (Solawi) auf seinem Workshop zum „Dynamischen Agroforst“ aufmerksam macht. Die Antwort ist aus Sicht der Akteure nämlich klar: „Das funktioniert gut, und ist für einen gesunden, lebendigen Boden und eine nachhaltige Bewirtschaftung sogar ausgesprochen fruchtbar“, bekräftigen Andreas Nagel-Windus, Andrea Reynolds und Susanne Greiner beim Vor-Ort-Besuch auf dem Feld der Solawi bei Kürnberg.

 

Viele Vorteile

Vorteile gibt es viele: Bäume und Sträucher ums Feld herum und mittendrin brechen den Wind und spenden Schatten, sie schützen den Boden vor Starkregen und Erosion und halten die Feuchtigkeit. Die oberirdischen Teile dienen als Lebensraum für Insekten, Vögel und sonstiges Getier. Über die unterirdische Symbiose, die das Wurzelwerk mit den andern Feld-„Bewohnern“ eingeht, sorgen sie gemeinsam mit dem übrigen Pflanzen für ein dynamisches, lebendiges System.

Und weil es teils Obstbäumchen und Beerensträucher sind, die da zwischen Kohlrabi, Zwiebeln, Kartoffeln und Dutzenden weiteren Gemüsesorten wachsen sollen, trägt der Neuzugang sogar zur Ernte bei: Beeren oder Äpfel, auf lange Frist sogar Holz.

Ebenfalls ein Beitrag zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, die auf dem Feld kultiviert wird: Aus den anfallenden Gehölzen wird Pflanzenkohle gemacht – die dann wieder den Boden vor Ort düngt. Foto: Anja Bertsch

Enkeltaugliches Wirtschaften

„Lange Frist“ und die Perspektive über den eigenen Horizont hinaus: Das ist genau das, was die Mitglieder der Solawi Möhrenblick mit ihrem Tun grundsätzlich verbinden: „Wir wollen ein nachhaltiges, ein enkeltaugliches Wirtschaften fördern und leben“, sagt Andrea Reynolds.

Gärtner Andreas Nagel-Windus auf seinem Traktor – schwereres Landwirtschafts-Gerät ist auf der Solawi nicht zu finden. Foto: Anja Bertsch

Sicher: Für die konventionelle Bewirtschaftung mit großen Maschinen ist die kleinteilige Struktur, wie sie durch das Prinzip des Agroforsts entsteht, kaum geeignet. Tatsächlich aber fährt die Solawi ja ohnehin das Gegenmodell zu Monokultur und großflächiger Bewirtschaftung: Auf gerade einmal 1,2 Hektar gedeiht unter den Fittichen von Gärtner Andreas Nagel-Windus und getragen vom Solidaritätsprinzip der Gemeinde eine ungemeine Vielfalt an Früchten.

Indem sie das Thema Agroforst aufgreift und umsetzt, steht die Solawi indes nicht allein auf weiter Flur, sondern holt sich eine Neuerungen aus der Nische aufs eigene Feld, die an verschiedenen Orten in der ganzen Welt umgesetzt und teilweise sogar mit EU- Fördergeldern bedacht wird.

Theorie und Praxis

Der Workshop zum Thema dynamischer Agroforst – Untertitel: „Lebendiger Boden – gesundes Essen“ – ist als Mischung aus theoretischem Input in der Kürnberger Halle und praktischem Anpacken auf dem Feld konzipiert. Im Theorieteil wird es um Möglichkeiten der Bodenverbesserung, um die Herstellung von Pflanzenkohle und um Agroforst-Beispiele aus aller Welt gehen. In den Praxisteilen sollen die Teilnehmer vor Ort auf dem Feld mehrere Agroforstreihen anlegen und pflanzen: Sträucher wie Hagebutte, Holder oder Hartriegel, dazwischen kleine Obstbäume. Zudem soll Pflanzenkohle hergestellt werden, die wiederum auf dem Feld eingebracht wird.

Bei allem Lernen und Anpacken soll freilich auch der Austausch nicht zu kurz kommen – bei den gemeinsamen Mahlzeiten zum Beispiel, bei denen die Teilnehmer von den Solawi-Mitgliedern erntefrisch von ihrem Feld verköstigt werden.

Breite Zielgruppe

Mit ihrem Workshop wollen die Akteure ein breites Publikum ansprechen und in den Austausch bringen: Professionelle Landwirte können aus den Erfahrungen ebenso etwas mitnehmen wie Hobbygärtner oder einfach Menschen, die am Thema Biodiversität und gesunde Ernährung interessiert sind, betonen die Veranstalter: „Eingeladen sind alle, die neugierig sind und Interesse an einer anderen Art der Landwirtschaft haben“, bringt es Andrea Reynolds auf den Punkt.

Weitere Informationen

Termin, Kosten, Anmeldung:
Der Workshop findet von Freitagnachmittag bis Sonntagmittags statt, am 7. bis 11. November. Ort des Geschehens: Das Feld der Solawi Möhrenblick und die Gemeindehalle in Kürnberg. Die Teilnahme ist kostenlos, auch Dank der Sponsoren EWS, Naturenergie und Stadt Schopfheim. Anmeldung über info@solawi-moehrenblick.de

Weitere Infos
zum Prinzip der solidarischen Landwirtschaft, zur Solawi Möhrenblick und zum Dynamischen Agroforst unter solawi-moehrenblick.de