Aussagen von AfD-Stadtrat Stefan Link über seine Arbeit im Gemeinderat zulasten von ausländischen und nichtchristlichen Mitbürgern sorgen für Kontroversen. (Symbol-Foto) Foto: Sebastian Willnow/dpa

Der AfD-Stadtrat Stefan Link aus Sulz hat einem Nachbarn erklärt, sich dafür einzusetzen, dass Häuser nicht mehr an nichtchristliche und ausländische Menschen verkauft würden.

Daniel Bonanno, der für die Freie Wählervereinigung im Gemeinderat sitzt, ist fassungslos. „Ein Mitbürger hat sich an mich gewandt, weil er von einem Stadtrat rassistisch beleidigt worden ist“, erklärt er im Gremium.

 

Bonanno ist auch Administrator der Facebook-Gruppe „News Sulz a.N. und Umgebung“. Dort soll es am Sonntagabend zu einer rassistischen Äußerung gekommen sein – ob die neu zu der Gruppe hinzugefügten Mitglieder denn den deutschen Pass hätten. Und zwar vom AfD-Stadtrat Stefan Link.

Nachricht an Nachbar

„Herr Link ist zugleich mein Nachbar“, erklärt ein Bürger, der sich an unsere Redaktion gewandt hat. Auf die Pass-Deutschen-Frage habe er kommentiert, dass man dies Link, der jeden Abend gefühlt zehn Minuten brauche, um die Eingangstür zu öffnen, nicht übel nehmen müsse. „Er grüßt am nächsten Tag wieder.“

Was dann folgte, habe er – selbst mit ausländischem Hintergrund – nicht erwartet. Denn Link habe ihm nun per Messenger eine persönliche Nachricht geschrieben.

Rechtliche Schritte

„Ich habe schon immer gewusst, dass meine Nachbarn scheiße sind“, ist dort zu lesen. Und: „Ich werde mich nun stärker dafür als Gemeinderat einsetzen das kein Haus mehr an Unchristen und Undeutsche. Verkauft werden. Gruss Nachbar Link.“ Ein Screenshot dieser Äußerung liegt der Redaktion vor.

Der so Angesprochene leitete dies an Bonanno weiter, der den Gruppenbeitrag und die dazugehörigen Kommentare löschte und Link für die Sulz-Gruppe sperrte. Nach einem persönlichen Gespräch mit Bürgermeister Jens Keucher habe sich der von Link Angeschriebene nun entschlossen, rechtlich gegen die Äußerungen seines Nachbarn vorzugehen.

Kommunalrechtliche Prüfung

Der Bürgermeister bestätigt, in der Gemeinderatssitzung von dem Vorfall erfahren zu haben. Und die Konsequenzen der Mitteilung, in der ein Stadtrat seine Position zum Nachteil bestimmter Bevölkerungsgruppen ausspielen will?

„Die Sache wird kommunalrechtlich geprüft beziehungsweise bewertet“, stellt Keucher die aktuelle Situation dar. Weiteres könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.

Auf Nachfrage teilt Link mit, dass er nicht wünsche, dass der Sachverhalt in der Zeitung erscheine – es handele sich schließlich um „eine private Sachen zwischen mir und meinem Nachbarn.“

Link und die NSDAP

Und rechtfertigt sich damit, dass er zuvor öffentlich von diesem Nachbarn angegriffen worden sei. Er habe ihm dann hingegen extra privat geantwortet. „Dann soll es auch privat bleiben“, findet Link.

Solche Kontroversen zu Kommentaren von Link in den sozialen Medien sind bei Link kein Einzelfall. Im April hatte es etwa Wirbel um eine Äußerung anlässlich des Kriegsendes in Sulz gegeben. Damals hatte Link geschrieben, es hätte „auch gute Dinge dieser Partei“ – gemeint ist die NSDAP – gegeben.