Adrian Sonder veröffentlicht sein erstes Buch. Foto: Kati Günther

Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder geht unter die Autoren. In seinem Buch hat er 100 Gedanken zu einem Thema niedergeschrieben, mit dem er sich seit vielen Jahren befasst.

Kaum jemand im Kreis Freudenstadt ist routinierter, wenn es um Presse und offensive Öffentlichkeitsarbeit geht, als Oberbürgermeister Adrian Sonder. Doch an diesem Abend ist er spürbar unruhig, als unsere Redaktion ihn interviewt. Es geht mal nicht um Stadt-Projekte, Zahlen und Kosten, sondern um ihn ganz persönlich. Um sein erstes Buch, in dem er sehr viel von sich preisgibt.

 

Herr Sonder, was machen Sie jetzt mit Ihrer gewonnenen Zeit im Advent?

(Grübelt) Was meinen Sie?

Na, weil Sie dieses Jahr keine Weihnachtsgeschenke mehr suchen müssen.

(Lacht) Na, der Advent ist generell trotzdem ein sehr hektischer Monat, für alle Bürgerinnen und Bürger – und auch für mich. Und wir haben in Freudenstadt unseren Weihnachtsmarkt. Mir wird also nicht langweilig sein.

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch?

Dass ich meine Gedanken oder meine Gedankenanstöße veröffentliche, das war viele Jahre nie der Plan gewesen. Ich habe im Jahr 2011 angefangen zu schreiben und zu dem Zeitpunkt gab es nicht die Überlegung, dass dies in einem Buch mündet. Diese Idee ist dann erst mit den Jahren gekommen.

Wann ist dieses Buch entstanden?

In den letzten Jahren. Ich bin ja auch kein erfahrener Autor, deshalb musste ich mich an das Thema erst mal heranrobben. Und dann war ehrlicherweise die Frage: Findet man einen Verlag, der dieses Buch veröffentlicht? Heute kann ich von Glück sagen, dass ich einen guten Verlag gefunden habe, der mir sofort das Vertrauen geschenkt hat.

Es ist also nicht in Ihrer Dienstzeit entstanden, hier in Freudenstadt?

Genau. Es ist Jahre davor entstanden. Ich hätte es, glaube ich, auch schwer in der Gänze neben der Gartenschau schreiben können.

Es stammt alles aus Ihrer eigenen Feder, kein Co-Autor?

Exakt.

Herr Sonder, was ist für Sie Zuversicht?

Für mich ist Zuversicht eine Einstellung und gleichzeitig eine Haltung zum Leben. Es heißt nicht, dass man negative Dinge nicht erlebt, nicht zur Kenntnis nimmt und auch nicht verarbeitet, sondern es bedeutet, dass man trotz negativer Ereignisse und Einflüsse optimistisch in die Zukunft schaut.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Zuversicht?

Für mich ist Zuversicht ein ganz wichtiger Antrieb und eine ganz elementare Kraftquelle, die man bei der Bewältigung der Herausforderungen im Leben braucht. Weil es immer wieder Höhen und Tiefen sowie externe Einflüsse gibt, mit denen man umgehen muss und wo man sich auch immer wieder neu an der einen oder anderen Stelle orientiert.

An einer Stelle im Buch haben Sie geschrieben, man könne Zuversicht lernen. Wie geht das?

Ich glaube, Zuversicht ist kein Naturzustand. Es gibt keinen Punkt X, an dem man entscheidet, ich bin jetzt zuversichtlich oder ich habe jetzt Zuversicht. Das ist ein Prozess, der sich im Laufe des Lebens entwickeln kann. Ich habe zum Beispiel so viele Menschen in meinem Leben getroffen, die mich inspiriert und mit ihrer Lebensgeschichte positiv beeinflusst haben. Und diese Begegnung haben dazu beigetragen, dass ich auch am einen oder anderen Punkt Zuversicht lernen durfte.

Wer fällt Ihnen da ein?

Ganz verschiedene Menschen. Zum einen Mitglieder meiner Familie. Es gab aber auch viele Begegnungen, die ich mit älteren und sterbenden Menschen hatte, da ich im Laufe meines Studiums einige Zeit ehrenamtlich im Pflegeheim und im Hospiz verbracht habe. Die Lebensgeschichten der Menschen dort und was sie alles bewältigt haben, das hat mich schon tief beeindruckt.

Wie haben Sie diese Gedanken für das Buch ganz praktisch festgehalten? Ins Handy getippt oder Zettel an den Kühlschrank geklebt?

Es war eine Mischung. Am Anfang waren es wirklich einzelne, lose Zettel. Erst, als dann die Idee entstand, daraus ein Buch zu machen, wurde es ein strukturierterer und geordneterer Prozess.

Gibt es einen Gedanken oder einen Spruch aus diesen 100 Stück, den Sie ganz besonders gelungen, gut oder wichtig finden?

(Denkt sehr lange nach.) Es fällt mir schwer, einen Spruch herauszugreifen. Es ist wohl eher ein Gedanke, der mich prägt. Der Gedanke, dass es in vielen Situationen, auch in schwierigen Situationen, immer einen Weg gibt. Dass er manchmal vielleicht nicht ersichtlich, nicht klar ist, manchmal sich erst später zeigt, aber es doch immer einen Weg gibt.

Wie zuversichtlich sind die Freudenstädter?

Mein Eindruck ist, dass die Freudenstädter zurzeit relativ zuversichtlich sind. Dazu hat bestimmt auch die Gartenschau beigetragen, weil sie ein Gemeinschaftsereignis war, das mehr war als die Summe von einzelnen Veranstaltungen. Letztendlich hat es zu einem Gemeinschaftsgeist geführt, der die Menschen, so mein Eindruck, ein Stück zuversichtlicher gemacht hat.

Greifen wir einige Gedanken und Sprüche Ihres Buches heraus. Sie schreiben: „Bevor wir aktiv nach der Liebe anderer Menschen streben, sollten wir uns zuerst selbst lieben lernen.“ Klappt das bei Ihnen?

Auch das war ein Prozess. Ich denke, dass es wahrscheinlich vielen Menschen so geht, dass man Dinge erlebt, die dazu führen, dass man diese Selbstliebe nicht von Anfang an in voller Form lebt. Bei mir ganz persönlich war es ein wichtiger Punkt, dass mir meine Eltern ein Urvertrauen gegeben haben, das mich bis heute trägt und auch das Vertrauen in mich prägt. Das hat ganz entscheidend dazu beigetragen, dass da ein sehr gutes Fundament bei mir entstehen konnte.

„Manchmal brauchen wir nur einen Tag, um die Chance eines ganzen Lebens zu erkennen.“ Hatten Sie so einen Tag, so einen einzelnen Tag, wo Sie sagen, da habe ich die Chance meines Lebens erkannt?

Ich glaube, dass man das an diesem bestimmten Tag nicht bewusst wahrnimmt, aber rückblickend bestimmte wegweisende Entscheidungen auf einen Tag, auf einen Moment zurückspiegeln kann. Und das ist ja das Schöne am Leben, dass es immer wieder einzelne Momente und Ereignisse gibt, an denen man den eigenen Weg entscheidend verändern kann.

„An jedem Tag sollten wir offen sein für Begegnungen. Sie können manchmal den Gang unseres Lebens verändern.“ Haben Sie da noch eine solche Begegnung im Kopf?

Ganz viele Begegnungen. Etwa auf Reisen habe ich immer sehr viele Begegnungen gehabt und bin oft in Austausch gekommen. Da haben die Menschen wohl gemerkt, dass ich eine Offenheit habe, dass ich ins Gespräch kommen will. Einmal traf ich auf einer Zugfahrt nach Wien eine ältere Frau, von der ich im langen Gespräch sehr viele Impulse mitbekommen habe.

„Frei ist, wer jeden Tag den Mut hat, nach den eigenen Grundsätzen und den eigenen Prinzipien zu handeln.“ Wie frei sind Sie? Und wie viel Mut haben Sie, nach den eigenen Grundsätzen und Prinzipien zu handeln?

Ich habe an Mut dazu gewonnen, auch mit meinem Amt. Es gab zuvor schon an vielen Stellen die Notwendigkeit, mutig zu sein. Aber die wahrscheinlich mutigste Entscheidung in den letzten Jahren war, für dieses Amt zu kandidieren. Und ich denke schon, dass mich auch die Jahre seit 2011, seit dieses Buch entstanden ist, so geprägt und gefestigt haben, dass ich jetzt ein Stück freier bin, als ich es früher war.

Rund um das Buch

Vorstellung
Adrian Sonder stellt sein Buch mit der Buchhandlung Thalia am Sonntag, Zweiter Advent, 7. Dezember, um 16 Uhr im Taborsaal der Taborkirche vor.

Auflage
Zum Start wurde eine Auflage von 2000 Stück gedruckt, was für bisher noch unbekannte Autoren eine bemerkenswert hohe Zahl ist.

Kosten
Das Buch, erschienen bei Lindemanns, kostet 15 Euro. Es ist im regulären Buchhandel zu beziehen ab dem 6. Dezember und auch online. Der Reinerlös geht an die Frauenhilfe Freudenstadt. Sonder hat auch eine Signierstunde in der Buchhandlung Osiander in Baiersbronn geplant am Montag, 15. Dezember, von 16 bis 17.30 Uhr.