Nachdem ein Bagger in der Nacht auf Montag bei Arbeiten an der Murgtalbahn abgestürzt ist, laufen die Aufräumarbeiten. Doch das schroffe Gelände sorgt für zahlreiche Probleme.
Es ist ein schwindelerregender Anblick. Direkt neben dem Bahngleis geht es für rund 20 Meter senkrecht in die Tiefe. Am Ende des Abhangs sind grob die Umrisse des abgestürzten Baggers zu erkennen, Bäume und Zweige verdecken die Sicht.
Neben den Gleisen ist deutlich die Stelle zu erkennen, wo die schwere Baumaschine in den Abgrund gestürzt ist. Ein Kabeltunnel, der neben dem Gleis verläuft, wurde größtenteils mitgerissen, die darin verlaufenden Kabel zertrennt.
Das Unglück hat sich mitten in der Nacht ereignet. Wie ein Sprecher der AVG berichtet, war der Bagger für Vegetationsarbeiten im Einsatz, als er gegen 2 Uhr in der Nacht in die Tiefe stürzte. Der Grund für den Unfall ist derzeit noch unklar.
Fahrer schwer verletzt
Laut Polizeiangaben überschlug sich die Baumaschine auf dem Weg in die Tiefe. Der 52-jährige Baggerfahrer wurde schwer verletzt, konnte sich aber zu einem nahegelegen Haus schleppen. Von dort brachten ihn dann Rettungskräfte ins Krankenhaus.
+++ Update: Reperaturen offenbar abgeschlossen - AVG gibt Murgtalbahn wieder frei +++
Das ihm das gelungen ist, erscheint beinahe wie ein Wunder. Denn das Wrack des Baggers liegt in einem Gelände, das mehr als unwegsam ist. Anders als von vielen Medien berichtet, landete der Bagger nicht direkt in der Murg. Stattdessen liegt das Wrack am linken Ufer des Flusses.
Dort ragt die felsige Bergflanke teilweise senkrecht nach oben. Und selbst die Bahngleise, die von unten aus dem Tal kaum noch zu erahnen sind, liegen nicht direkt an einer Straße, geschweige denn an einer Wohnsiedlung.
Auch führt kein Weg am linken Ufer der Murg entlang. Das Gelände ist felsig und rau. Auf der anderen Seite der Murg führt ein Forst- und Radweg nach Forbach. Allerdings ist der Weg vom Fluss aus nicht zu erkennen. Denn zwischen der Murg und dem Weg erstreckt sich ein dichter Wald mit steilen Böschungen.
Wie es in dieser Situation dem Baggerfahrer gelungen ist, sich zu retten, ja auch nur zu erkennen, in welche Richtung er sich schleppen musste, ist derzeit noch unklar. Denn zunächst konnte weder die AVG noch die Polizei nähere Angaben dazu machen.
Unwegsames Gelände wird zum Problem
Das unwegsame Gelände wird nun aber auch für die Bergung zum Problem. Denn würde versucht werden, vom Tal aus den Bagger abzutransportieren, wäre der dichte Wald und das unebene Gelände im Weg. Auch erscheint es zweifelhaft, dass ein Kran von der B 462 aus den Bagger nach oben ziehen könnte. Denn an der Stelle, wo die Baumaschine abgestürzt ist, trennt ebenfalls ein dichtes Waldstück die Straße von den Gleisen.
Offenbar hat auch die AVG noch keine Lösung für das Problem. Denn auf Anfrage konnte das Unternehmen vorerst nicht mitteilen, wie die Bergung ablaufen soll. Klar ist nur: „Es ist sehr herausfordernd“, so ein Sprecher der AVG.
Doch da der Bagger fernab der Gleisanlage liegt, wäre es tatsächlich auch denkbar, dass die derzeit gesperrte Bahnstrecke wieder freigegeben wird, ohne dass dafür das Wrack geborgen werden muss.
Doch auch dann könnte es noch länger dauern. Zwar waren bereits am Montag Arbeiter vor Ort, die die durchtrennten Glasfaserkabel reparierten. Doch an der Unfallstelle wurde davor gewarnt, zu nah an die Kante zu gehen. Die Sorge: Der Hang, von dem sich auch stunden nach dem Unfall immer wieder Felsbrocken lösten, könnte nachgeben und ein Stück des Bahndamms mit sich reißen.
Keine Angaben zur Statik
Könnte es also sein, dass die Strecke gar nicht stabil genug ist, damit hier bald wieder Züge fahren können? Danach gefragt konnte die AVG zunächst keine Angaben zu möglichen Statikproblemen machen. Auch wagte das Unternehmen noch keine Prognose, wie lange es dauern wird, die Strecke zu reparieren. Ein Sprecher meinte allerdings: „Ich gehe nicht davon aus, dass die Strecke morgen wieder frei ist.“