Am Montagmorgen ging es dem Dachstuhl an den Kragen. Foto: Marschal

Baggerbiss für Baggerbiss verschwindet in diesen Tagen ein Stück 269 Jahre alte Schömberger Stadtgeschichte: Das Rathaus wird abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen.

Seit in der vergangenen Woche der Abrissbagger und die Container der Firma Walter mit Sitz in Nagold zum Abrissobjekt gebracht wurden, ist die Alte Hauptstraße gesperrt. Die Dachziegel wurden bereits am Freitag entfernt, seit Montag geht es dem Baukörper an den Kragen. Bereits am Morgen fehlte ein ganzes Stück des Daches.

 

Hinter dem Absperrband verfolgen Schömberger den Abrissfortschritt. Auch Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger schaut in seinem Urlaub mit dem Fahrrad vorbei. Während einige Schömberger das Verschwinden des historischen Gebäudes bedauern – schließlich prägte das Rathaus über Generationen hinweg das Ortsbild – hält sich die Trauer bei Sprenger in Grenzen.

Kaum Wehmut bei Sprenger

Auch die Verwaltungsmitarbeiter, die teilweise vom Interimsrathaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite quasi Logenplätze haben, sind nicht übermäßig wehmütig. Schließlich haben sie die dort vor dem Umzug in einem Umfeld gearbeitet, das bei weitem nicht mehr modernen Standards entspricht.

Abbruch geht zügig voran

Am Steuer des Baggers sitzt Marc Wohlbold, Geschäftsführer der Abrissfirma. Am ersten Tag sind ein paar Mitarbeiter eingesetzt, in den kommenden Tagen werden vier sich um den Abbruch kümmern. Wohlbold geht davon aus, dass bis Mitte kommender Woche keine Wand mehr von dem historischen Gebäude stehen wird.

Dann geht es ans große Aufräumen. Insgesamt rechnet er mit drei, bei schlechtem Wetter vier Wochen, bis zum Abschluss der Arbeiten. Weil das Gebäude bereits im Frühjahr für den Abriss vorbereitet und entkernt wurde, kann sich das Abrissunternehmen die Vorarbeiten sparen und das Gebäude zügig dem Erdboden gleich machen. Weil das Gebäude Alte Hauptstraße 5, in dem das Bürgerbüro untergebracht ist, dicht am Abrissobjekt steht, müssen die Arbeiter behutsam vorgehen und Schutzmaßnahmen ergreifen, damit das Nebengebäude keinen Schaden davonträgt.

Keine Schadstoffe

An den großen Bagger können verschiedene Greifarme montiert werden. Mit dem Langfrontarm werden die Gebäudeteile herausgerissen. Das Abbruchmaterial wird mit dem Sortiergreifer nach Baustoffen aufgeteilt und in unterschiedliche Container verfrachtet. „Wir haben Glück, dass wir keine Schadstoffe wie Asbest verbaut hatten“, sagt Sprenger – dafür sei das Gebäude ohnehin viel zu alt. Während des Abbruchs wird geschaut, ob manche Teile im neuen Rathaus wiederverwendet werden können. „Das können beispielsweise Balken sein – tragend oder als Zierde“, erklärt Sprenger.

Baubeginn frühestens Herbst 2026

Die ikonische Uhr, die das denkmalgeschützte Gebäude zierte, wurde bereits im Frühjahr abmontiert und soll im Rathausneubau bestenfalls einen neuen Platz bekommen. Das große Uhrwerk, das dahinter steckt, hat Wohlbold am Montagmorgen gesichert.

Insgesamt 118 500 Euro brutto kostet der Abriss inklusive Entsorgung des Abbruchmaterials – viel günstiger als die 250 000 Euro, welche die Stadt in den aktuellen Haushaltplan eingestellt hatte.

Der Abbruchfortschritt zur Mittagszeit am Montag. Foto: Marschal

Für mindestens ein Jahr wird dann eine Lücke in der Alten Hauptstraße klaffen: Sprenger geht davon aus, dass das Baugesuch für das neue Rathaus im kommenden Frühjahr eingereicht wird, sodass im Herbst 2026 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die Bauzeit soll rund zwei, zweieinhalb Jahre dauern.