Die Eltern starten die zweite Runde der Proteste gegen die drastische Erhöhung der Kita-Gebühren in Horb. Sie fordern: Nehmt das zurück.
Schon die erste Demo gegen die drastische Erhöhung der Kita-Gebühren vor dem Rathaus war eindrucksvoll: Am Tag vor Heiligabend protestierten gut 60 Eltern in beißender Kälte vor dem Rathaus. Jetzt legen sie nach.
Mittwoch, 21. Januar: Um 17.13 Uhr wird auf Whatsapp von Kita-Eltern folgendes an diese Redaktion gepostet: „Liebe alle, es ist soweit.“ Mit dem Link auf die Online-Petition „Erhöhung der Kita-Gebühren in Horb: Soziale Spaltung stoppen und neue Wege finden!“ Knapp 19 Stunden später gibt es schon 595 Unterzeichner.
In den Kommentaren der Plattform „open petition“ lassen die Eltern ihren Unmut raus: „Man bittet Familien zur Kasse, um den maroden Haushalt aufzubessern, während das Geld für nicht sehr sinnvolle Dinge (Feierlichkeiten von Politikern) mit vollen Händen ausgegeben wird.“
Beschwerden der Eltern
Das Rathaus hatte die Kosten für die Verabschiedung von Ex-OB Peter Rosenberger und die Amtseinsetzung von Michael Keßler auf knapp 31.000 Euro beziffert.
So sauer sind die Eltern auf Horb
Ein Elternteil schreibt: „Die Stadt erhofft sich immer Unterstützung bei Personalnotstand oder dem Kita-Alltag durch die Eltern. Gleichzeitig unterstützen sie die Eltern nicht mit angemessenen Kita-Gebühren und fügen eine weitere Belastung hinzu. Das ist kein Miteinander auf Augenhöhe.“
Eine Familie aus Mühlen schreibt: „Die Gebühren steigen enorm – ohne Mehrleistung. Im Gegenteil. Es gibt immer mehr Schließtage, Notbetreuung und Personalmangel.“
Das nächste Elternteil schreibt: „Eine so kurzfristige Erhöhung in unserem Fall um über 27 Prozent ist zu viel. Und auch die Betreuungskosten an der Grundschule wurden um 50 Prozent erhöht.“
So kam es zu der 25-Prozent-Erhöhung
Fakt ist: Im Jahr 2024 stimmte die Mehrheit des Gemeinderats gegen eine Erhöhung der Kita-Gebühren. Deshalb schlug Neu-OB Michael Keßler ein Jahr später erneut eine Erhöhung für März 2026 vor.
In der Beschlussdrucksache wurde die Zahl 14,8 Prozent genannt. ULH-Gemeinderat Hermann Walz kritisierte das: „Die wahre Erhöhung ist 24 Prozent.“ Die Mehrheit stimmte dafür. Auch OB Keßler nannte später die Zahl von bis zu 25 Prozent. Die Eltern fordern jetzt vom Gemeinderat: „Die Erhöhung der Kitabeiträge soll in dieser Form zurückgenommen oder ausgesetzt werden.“
Das sagt Horbs OB Michael Keßler
Beim Weihnachts-Protest vor dem Rathaus hatte Nina Rösler gesagt: „Kinderbetreuung wird zum Luxusgut. Das führt dazu, dass viele Eltern bis zum Grundschulalter der Kinder daheim bleiben. Und unsere Rente können wir dann auch in die Tonne treten.“
Statement des OB
OB Michael Keßler sagt im Gespräch mit dieser Redaktion: „Der städtische Anteil an den Kindergartenkosten erhöht sich jedes Jahr – und zwar deutlich stärker als der Beitrag der Eltern.“ Im Vergleich der Zahlen zwischen den Jahren 2020 und 2024 ist zu erkennen, dass der städtische Finanzierungsanteil für die Kitas um nahezu das dreifache gegenüber der Finanzierung von Gebühren und Jugendamt gestiegen ist. Eltern und Jugendamt zahlten 733.660 Euro mehr als 2020, die Stadtkasse über 1,9 Millionen Euro mehr.