Der 202-Tore-Mann Sascha Pfattheicher, einer der Führungsspieler des HBW Balingen-Weilstetten, will am Freitag in Essen mit seinem Team bestehen. Foto: Imago/Eibner/Damian Kruczyn

Der HBW Balingen-Weilstetten trifft am Freitag auf TuSEM Essen. Top-Torschütze Sascha Pfattheicher warnt: „Gerade zu Hause sind sie extrem unangenehm zu bespielen.“

Am 27. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga hat die heiße Phase der Saison begonnen: Acht Partien stehen noch aus, Ausrutscher lassen sich im Aufsteigskampf kaum noch korrigieren. Entsprechend fokussiert tritt der HBW Balingen-Weilstetten am Freitag (19 Uhr) beim TuSEM Essen in der Sporthalle „Am Hallo“ an. Die Ausgangslage ist klar: Die Gastgeber aus dem Ruhrgebiet, einst einer der erfolgreichsten Traditionsvereine der Handball-Bundesliga, kämpfen um den Klassenerhalt. Die Gallier von der Alb, um Cheftrainer Matthias „Matti“ Flohr reisen hingegen mit acht Siegen in Serie und breiter Brust nach Essen: mit dem Ziel, den Aufstiegsplatz und den Vier-Punkte-Vorsprung auf den ärgsten Verfolger Dresden zu verteidigen.

 

Für Essen geht es um viel

Auch wenn die Tabelle eine klare Rollenverteilung suggeriert, warnt HBW-Torjäger Sascha Pfattheicher vor einem Gegner, der dreimal die Deutsche Meisterschaft und den DHB-Pokal gewann. „Die Tabellenplatzierung sagt aktuell nicht allzu viel aus“, betont der Rechtsaußen und Führungsspieler. „Essen hatte viele Verletzungssorgen, ist jetzt aber wieder nahezu komplett. Gerade zu Hause sind sie, wie fast jedes Team in der 2. Liga, extrem unangenehm zu bespielen.“ Entsprechend groß ist der Respekt vor dem Gegner, der mitten im Abstiegskampf steckt und jeden Punkt dringend benötigt. „Für sie geht es um sehr viel. Wenn sie noch ein paar Spiele verlieren, wird es richtig eng. Deshalb werden sie hoch motiviert sein“, so Pfattheicher.

Nach seinem Wechsel vom Erstligisten TVB Stuttgart auf die Schwäbische Alb zu Saison 2024/25 weist der 28-Jährige eine beeindruckende Torquote auf. Das liegt nicht nur daran, dass sich der gebürtige Karlsruher beim HBW zum sicheren Siebenmeterschützen entwickelt hat: Von seinen bislang beeindruckenden 202 Saisontreffern erzielte Sascha Pfattheicher 113 von der Siebenmeterlinie und führt damit die Torschützenliste der 2. Bundesliga souverän an. Im Rennen um die Spitzenplätze sieht der 202-Tore-Mann vor allem Bietigheim und Dresden als härteste Konkurrenten. „Die drei Teams vorne sind aktuell die engsten Kandidaten auf die zwei Aufstiegsplätze“, so seine Einschätzung. Seine persönliche Ausbeute bewertet Pfattheicher dabei eher angenehm nüchtern: „Natürlich ist das schön, aber ich versuche einfach, in jedem Spiel meinen Job zu machen.“

Pfattheicher: „Nehmen jeden Gegner extrem ernst“

Trotz der eigenen Erfolgsserie mit zuletzt acht Siegen in Folge gehen die „Gallier“ die Partie mit der nötigen Demut an. „Wir nehmen jeden Gegner extrem ernst. Wenn wir nicht unser Maximum abrufen, können wir auch gegen jeden verlieren“, stellt der Top-Torschütze klar. Das jüngste 33:33 der Essener gegen Spitzenreiter Bietigheim dient dabei als deutliche Warnung: „Das Spiel hätten sie auch gewinnen können. Wir wissen also genau, was auf uns zukommt.“

Beim HBW selbst läuft es derzeit rund. Die Mannschaft präsentiert sich stabil, nahezu der gesamte Kader ist fit – ein entscheidender Faktor in der intensiven Saisonphase. „Wir haben einen guten Lauf und wollen den so lange wie möglich fortsetzen“, sagt Pfattheicher. Gedanken an den möglichen Aufstieg spielen dabei bewusst noch keine große Rolle: „Wir konzentrieren uns auf jedes einzelne Spiel.“

Ein Schlüsselmoment der bisherigen Saison war für ihn der Sieg in Nordhorn, als der HBW einen deutlichen Rückstand noch drehte. „Das hat uns enormen Auftrieb gegeben“, erinnert er sich. Die Motivation zieht der Leistungsträger vor allem aus der aktuellen Entwicklung: „Die letzten beiden Jahre hier machen einfach riesigen Spaß. Wenn man erfolgreich ist, kommt die Motivation von ganz allein.“

Mit Blick auf das Saisonfinale bleibt Pfattheicher bewusst zurückhaltend. Auf die Frage, welche Schlagzeile er nach dem letzten Saisonspiel am liebsten in der Zeitung über den HBW lesen würde, antwortet er: „Darüber machen wir uns noch keine Gedanken. Wir wollen unseren Vorsprung verteidigen und dann sehen wir, was am Ende dabei herauskommt.“

Klar ist: In Essen wartet die nächste Bewährungsprobe auf die „Gallier“. Und die dürfte alles andere als einfach werden, doch der HBW hat die Qualität, die ihn nicht ohne Grund auf den zweiten Tabellenplatz gebracht hat.