Er ist groß und traditionsreich und feiert in diesem Jahr ein großes Jubiläum: Den Eisenbahner Sportverein Weil am Rhein gibt es seit 100 Jahren.
Runde 100 Jahre gibt es den Eisenbahner Sportverein in diesem Jahr: 1926 zur sportlichen Betätigung von Angehörigen der damaligen Reichsbahn entstanden, stellten in den frühen Jahren Eisenbahner und ihre Familien den Großteil der Vereinsmitglieder.
Das ist heute nicht mehr der Fall, wie Vorstandssprecher Maik Hoffmann im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Nur etwa 15 Prozent der Vereinsmitglieder des einst größten Sportvereins der Stadt seien noch bei der Bahn angestellt.
Zum Gespräch über die Vorplanungen für das Jubiläum hat Hoffmann ins ESV-Vereinsheim eingeladen.
Als seit 2014 Verantwortlicher für Sport und Organisation in dem fünfköpfigen geschäftsführenden Vorstand des ESV ist Hoffmann federführend damit befasst.
Empfang im Rathaus und Sportfest
Das „100-Jährige“ soll mit einem Empfang im Rathaus am Freitag, 10. Juli, feierlich begangen und am darauffolgenden Samstag, 11. Juli, mit einem großen, öffentlichen Sportfest auf dem Vereinsgelände gefeiert werden. In dessen Rahmen sollen in diesem Jahr auch die Vereins-Jubilare geehrt werden.
Den ESV wieder bekannter zu machen und in die Mitte der Weiler Gesellschaft zurückzuholen ist Hoffmanns vorrangiges Ziel. Als engagierter Vereinsmensch und Vater zweier Söhne macht er sich Sorgen um den Zusammenhalt in der Gesellschaft und hofft, diese wieder ganz neu für den Sport begeistern zu können.
Dazu könne eine Veranstaltung mit Außenwirkung wie das Jubiläumsfest beitragen, ist sich der aus Wittenberge in Brandenburg stammende Terminal Manager am Umschlagbahnhof Weil am Rhein, der auch der Weiler Ortsstelle der Stiftung Bahn-Sozialwerk vorsteht, gewiss.
Dabei braucht sich der ESV nicht zu verstecken. Mit seinen derzeit sieben Abteilungen und 1040 Mitgliedern, darunter 343 Kinder und Jugendliche, ist er in der 3-Länder-Stadt eine „große Nummer“ und kann sich sehr erfolgreicher Sportler in seinen Reihen rühmen.
Bei überregionalen Wettkämpfen erfolgreich
Vor allem in den Abteilungen Tischtennis, Leichtathletik und Schießen sind ESV-Athleten immer wieder auch bei überregionalen Wettkämpfen sehr erfolgreich. So hat die Weiler Luftpistolenmannschaft erst am Wochenende im hessischen Rotenburg den dritten Platz im Bundesliga-Mannschaftsfinale erringen können.
Hinzu kommen die Abteilungen Badminton, Handball, Kegeln und Turnen. Die zwischenzeitlich sehr erfolgreichen Abteilungen für Boxen und Faustball gibt es mittlerweile nicht mehr.
Das Vereinsheim des ESV steht zwischen den Anlagen des SV Weil und der Rollsporthalle im Bereich der Weiler Sportanlagen im Weiler Nonnenholz. Nach dem Eintreten in das zunächst unscheinbare Haus tun sich im Inneren geräumige Umkleide- und Sanitäranlagen sowie ein Fitnessraum mit Kraftsportgeräten auf. Darunter befindet sich gewissermaßen das „Herz“ der ESV-Räume: das Kegelzentrum.
Die farbliche Gestaltung in kräftigem Orange weist auf die Ursprünge dieser Anlage in den 1970er-Jahren hin. Den damals notwendig gewordenen Bau der neuen Kegelbahnen hatte der Verein zum Anlass für die großzügige Erweiterung der Vereinsräume genommen, wie Hoffmann berichtet. Grund dafür war der Abriss der alten, 1935 errichteten Kegelbahn, die früher an der Bahnlinie, schräg unterhalb der Friedensbrücke stand.
Kegelbahnen stehen auch Nichtmitgliedern offen
Bis heute nennt der Verein eine Kegelsportabteilung sein eigen, deren Mitglieder regelmäßig zu Wettkämpfen antreten und auf der – auch der Öffentlichkeit offenstehenden – Kegelbahn trainieren.
Über diese und andere Details aus dem vielfältigen und umfassenden Vereinsleben werden wir in den kommenden Monaten in unserer Zeitung in loser Folge berichten.
Hintergrund: In seinen ersten Jahren trug der Eisenbahner Sportverein einen anderen Namen. Er wurde am 6. Juli 1926 in der Kantine des Güteramtes des Badischen Bahnhofs Basel unter dem Namen „Reichsbahn-Sportverein-Basel“ gegründet.
„In allen deutschen Gauen, in fast allen Direktionsbezirken haben sich sportfrohe Eisenbahner zusammengefunden und Reichsbahnsportvereine gegründet. In der richtigen Erkenntnis der großen Anforderungen, die heute körperlich an den Eisenbahner gestellt werden, haben sie eingesehen, dass eine vernünftige, sportliche Betätigung nicht nur eine angenehme Abwechslung im Einerlei des Dienstes ist, sondern sogar zur Pflicht wird im Interesse unserer Gesundheit.“
Mit diesen Worten hatte sich der spätere Vorsitzende Friedolin Sutter damals am Rande einer Übung der Eisenbahnerfeuerwehr für die Gründung eines Sportvereins eingesetzt. Dies und anderes ist in der ausführlichen Festschrift des Vereins zum Jubiläum des 75-jährigen Bestehens nachzulesen.