Vor allem E-Bikes: Mehr Fahrradverkäufe durch hohe Spritpreise?

Für Kurzstreckenpendler könnten Fahrräder und E-Bikes eine gute Alternative zum Auto sein.
Leonie Asendorpf/dpaDie hohen Spritpreise sind für viele, die auf ihr Auto angewiesen sind, ein großes Problem. Gleichzeitig fällt vermehrt auf: Es scheint so, als wären die Menschen mehr mit Fahrrädern und E-Bikes unterwegs.
Mirjam Brinkmann vom Landesverband Baden-Württemberg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sagt: „Ein E-Bike-Boom zeichnet sich derzeit nicht ab. Allerdings steigen seit Jahren die Verkäufe von E-Bikes.“ Dabei verweist sie auf Branchendaten und erläutert auch, dass E-Bikes klassische Fahrräder bei den Verkaufszahlen bereits überholt haben.
Auch Simon Leicht vom Fahrrad Leicht in Vöhringen sagt: „In den letzten Jahren sind die Verkäufe von E-Bikes im Vergleich zu normalen Fahrrädern schon gestiegen. “
Dass teurer Sprit bei vielen automatisch zum Umstieg aufs Fahrrad führt, ist Brinkmann zufolge aber nicht so. Sie erklärt, dass hohe Spritpreise eher zu Vermeidungsverhalten führen. Es gebe dann weniger Freizeitverkehr und unnötige Fahrten werden gestrichen, aber der Pendelverkehr bleibe gleich.
Für viele Pendler bleiben die finanziellen Effekte durch einen Umstieg aufs Rad auch weitestgehend überschaubar: „Der Sprit ist für den durchschnittlichen Pendelweg nicht massiv teurer geworden. Ich bezweifle, dass das ausreicht, um Menschen vom Auto aufs Rad zu bringen,“ so Brinkmann.
Externe Schocks als Impulse
Dennoch können Krisen auch Impulse setzen. Brinkmann sagt: „Externe Schocks wie der Krieg in Nahost wirken als Impulse, um sein Mobilitätsverhalten zu überdenken. Menschen hinterfragen ihre Gewohnheiten dann eher.“ Veränderungen entstehen aber auch dann – wenn überhaupt – langsam. Entscheidend ist dann aber immer noch der Alltag: „Das Fahrrad wird von den Menschen genutzt, wenn es das schnellste und komfortabelste Verkehrsmittel ist,“ so Brinkmann.
Dass E-Bikes also nicht erst jetzt, sondern in den letzten Jahren schon immer mehr nachgefragt werden hat andere Gründe. Der ADFC weiß dazu unter anderem, dass das E-Bike-Fahren nicht nur durch technologische Trends, wie Anti-Blockier-Systeme oder Blinker sicherer wurde, sondern auch, dass weitere Funktionen den Komfort bei der Radnutzung erhöhen. Dennoch ist es anders als bei Autos, denn die meisten Menschen kaufen sich nicht alle zwei Jahre ein neues Rad und ersetzen es generell seltener als Autos.
Wetter als Faktor
Ein weiterer Faktor, weshalb der große E-Bike-Boom momentan (noch) ausbleibt ist auch das wechselhafte Wetter: „Aktuell haben die hohen Spritpreise bei uns noch keine großen Auswirkungen. Das ist aber auch wetterbedingt. Wir haben schon etwas vermehrt Anfragen, aber das braucht wahrscheinlich noch etwas, bis mehr Geschäft kommt,“ so Simon Leicht.
Ein einfacher Zusammenhang zwischen Spritpreisen und einem Boom auf dem Fahrrad beziehungsweise E-Bike-Markt lässt sich also pauschal nicht wirklich herstellen. Denn der Umstieg aufs Rad hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab – und nicht nur von den Preisen an den Tankstellen.
