Vergrämung des Hornisgrinde-Wolfs im Nordschwarzwald
: So wollen Experten „Grindi“ endlich auf Abstand bringen

Der Hornisgrinde-Wolf lässt sich bislang nicht vertreiben. Nun sollen erneut Vergrämungsmethoden zum Einsatz kommen. Doch was erwartet „Grindi“ diesmal?
Von
Anna-Sophie Zepf
Nordschwarzwald
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ARCHIV - 12.07.2023, Schleswig-Holstein, Eekholt: Ein junger Wolf steht in einem Gehege im Tierpark. (zu dpa: «Wolf verletzt Frau in Einkaufspassage - Tier untergebracht») Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

„Grindi“ bleibt Menschen und Hunden auffallend nah. Deshalb setzen die Verantwortlichen erneut auf die Vergrämung des Hornisgrinde-Wolfs. (Symbolbild)

Christian Charisius/dpa
  • Verantwortliche planen erneut Vergrämung des Hornisgrinde-Wolfs GW2672m im Nordschwarzwald.
  • Grund sind häufige, nahe Begegnungen mit Menschen und Hunden trotz eigentlich scheuem Verhalten.
  • Nachweise gab es im Mai und Juni vor allem bei Baden-Baden, Forbach und Bühl – Juli ohne Belege.
  • Bisherige Versuche wie Fang mit Hard-Release oder Beschuss mit Gummigeschossen blieben erfolglos.
  • FVA und Nationalpark bereiten weitere Maßnahmen vor; als letzter Schritt wäre der Abschuss möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Während andere Wölfe in Baden-Württemberg vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen und vereinzelt sogar erfreuliche Meldungen über Nachwuchs für Schlagzeilen sorgen, bleibt der Hornisgrinde-Wolf ein Dauerthema. Wiederholt wird das Tier gesichtet, immer neue Meldungen über seine Nähe zu Menschen sorgen für Aufmerksamkeit. Dabei gelten Wölfe eher als scheue Wildtiere, die den Kontakt zum Menschen in der Regel meiden. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den jüngsten Sichtungen für den Wolf mit dem Spitznamen „Grindi“?

Nach der Ranzzeit, also der Paarungszeit der Wölfe, war man davon ausgegangen, dass der Hornisgrinde-Wolf mit der individuellen Kennzeichnung GW2672m wieder in den Tiefen des Nordschwarzwalds verschwinden würde. Somit wurde auch im März die Abschussgenehmigung nicht verlängert.

Da der Hornisgrinde-Wolf sich aber nach wie vor Menschen mit Hunden nähert, soll nun weiterhin versucht werden, ihn zu vergrämen. „Vergrämung ist eine Managementmaßnahme, die dazu eingesetzt werden kann, unerwünschtem Verhalten eines Wolfes gegenüber Menschen entgegenzuwirken“, erklärt Micha Herdtfelder, Leiter des Arbeitsbereichs „Luchs und Wolf“ des Wildtierinstituts an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA).

Mehrfache, eindeutige Nachweise des Hornisgrinde-Wolfs

Doch wo wurde der Hornisgrinde-Wolf überhaupt zuletzt gesichtet? Nach Angaben der FVA konnte der Wolfsrüde GW2672m im Mai und Juni mehrfach durch eindeutige Nachweise bestätigt werden. Dazu zählen unter anderem Fotos und Videos, Fänge sowie genetische Nachweise.

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Besonders im Raum Baden-Baden, Forbach und Bühl wurde der Wolf wiederholt nachgewiesen. Fotofallenaufnahmen und weitere dokumentierte Sichtungen belegen, dass sich das Tier dort zumindest vorübergehend aufhielt. Im Juli habe es diese eindeutigen Nachweise nicht gegeben, so Herdtfelder.

Im Nationalpark Schwarzwald sei das Rangerteam nach wie vor verstärkt in diesem Bereich unterwegs, berichtet Urs Reif, Abteilungsleiter Flächenmanagement im Nationalpark, in einer Pressemitteilung. „Und wir haben in den vergangenen Wochen immer wieder von Sichtungen gehört, auch außerhalb der Paarungszeit.“

Da sich durch diese Sichtungen zeigt, dass es den Hornisgrinde-Wolf immer wieder zu Menschen und ihren Hunden hinzieht, steht nun die Vergrämung des Tiers erneut im Fokus.

Derzeit seien weitere Vergrämungsmaßnahmen in Vorbereitung, erklärt Herdtfelder. „Dazu stehen wir mit dem Nationalpark im Austausch.“ Neben einer im Nationalpark auf den betroffenen Flächen bereits bestehenden Verpflichtung, Hunde an die Leine zu nehmen, seien Einschränkungen im Betretungsrecht oder weitere Maßnahmen denkbar, die zu einer Verhaltensänderung des Wolfes führen sollten.

Welche Vergrämungsmaßnahmen wurden angewandt?

„Die bisherigen Vergrämungsmaßnahmen haben bisher nicht zu einer sichtbaren Verhaltensänderung geführt“, meint der Leiter des Arbeitsbereichs „Luchs und Wolf“. Aber wie sahen diese Vergrämungsmaßnahmen aus?

Bisher seien mehrere Versuche erfolgt, den Wolf zu fangen und mittels Hard-Release zu vergrämen, berichtet Herdtfelder und führt aus, was mit Hard-Release gemeint sei: „Nach erfolgreichem Fang, Narkose und Besenderung wird der Wolf in einer Transportbox wach.“

Sobald der Wolf Menschen in unmittelbarer Nähe der Box wahrnehme, solle sein Fluchtreflex durch laute Geräusche wie Rufen, Hupen oder Klopfen ausgelöst werden, sagt er. In Einzelfällen seien auch physische Reize, etwa das Stoßen mit stumpfen Gegenständen, vorgesehen. Nach der Freilassung werde der Wolf weiter durch solche Reize auf Distanz gehalten, bis er außer Rufweite sei.

Vorbereitungen, um die Vergrämungsversuche fortzusetzen

Allerdings sei dieses geplante Vorgehen nicht erfolgreich gewesen, meint Herdtfelder. Daher sei auch ohne Besenderung mehrfach eine Annäherung an das Tier für einen Beschuss versucht worden. „Keiner der Versuche konnte erfolgreich umgesetzt werden, da der Wolf stets eine zu große Distanz eingehalten hatte“, schildert der Wolfsexperte. Aktuell liefen jedenfalls Vorbereitungen, um die Vergrämungsversuche fortzusetzen. Allerdings sei eine Besenderung des Wolfes derzeit nicht mehr geplant.

Wie könnten weitere Vergrämungsversuche aussehen, wenn eine Besenderung nicht mehr geplant ist? „Eine erfolgreiche Vergrämung von GW2672m umfasst eine konsequente negative Assoziation des unerwünschten Verhaltens über einen gewissen Zeitraum, ohne dass der Wolf zwischenzeitlich wieder positive Erfahrungen mit Menschen und Hunden macht“, erläutert Herdtfelder.

Grundsätzlich kämen dafür aversive akustische und haptische Reize wie Lärm und Beschuss etwa durch Gummigeschosse oder Paintballmarkierer infrage. Zudem müsse der Wolf diese negative Assoziation mit dem unerwünschten Verhalten verknüpfen und nicht mit bestimmten Personen, Hunden oder Orten.

Am Ende könnte der Abschuss des Wolfs stehen

„Wir sind uns einig, dass wir nichts unversucht lassen wollen und in den kommenden Wochen schauen, ob es doch noch eine Chance gibt, dieses schon ausgewachsene Tier umzutrainieren“, berichtet der Parkleiter des Nationalparks Schwarzwald, Berthold Reichle, in einer Pressemitteilung.

Gelingt es, den Wolf mit den letzten Vergrämungsversuchen tatsächlich zu vertreiben, würde er sich in die Tiefen des Schwarzwaldes zurückziehen. „Das wäre natürlich gerade auch für uns im Nationalpark der allerschönste Ausgang dieser Geschichte“, sagt Reichle.

Wenn sich der Hornisgrinde-Wolf trotz umfassender Pläne nicht vergrämen lässt, „steht eben am Ende der Abschuss“, erklärt Baden-Württembergs Agrarministerin Marion Gentges in einem Interview.