Unheimliche Videos im Netz
: „Cat in the Hat“ – wie gefährlich ist der Gruseltrend für Kinder?

Der „Cat in the Hat“-Trend verbreitet sich mit unheimlichen Videos und angeblichen Sichtungen im Internet. Warum der Trend Kinder verunsichern kann – und was Eltern tun können.
Von
Celina Drews
Schwarzwald
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Horror-Katze macht Angst - Polizei prüft Videos: 10.07.2026, Rheinland-Pfalz, Mainz: Auf einem Smartphone ist ein Ausschnitt eines "Cat in the Hat"-Videos zu sehen. Die Polizei in Hessen prüft Videos zu dem Internettrend. Foto: Alina Grünky/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auf einem Smartphone ist der Ausschnitt eines "Cat in the Hat"-Videos zu sehen. Doch nicht nur für Kinder mit Zugang zu sozialen Netzwerken kann der Internettrend gefährlich werden.

Alina Grünky/dpa
  • Trend „Cat in the Hat“ verunsichert Kinder mit Horrorvideos und angeblichen Sichtungen.
  • Polizei meldet uneinheitliche Lage: keine Fälle in Konstanz und Reutlingen, bekannt in Pforzheim.
  • Straftaten bleiben Straftaten – Polizei warnt vor Hausfriedensbruch, Nötigung und Körperverletzung.
  • Pädagogin: Mischung aus Fiktion und angeblicher Realität erschwert Kindern die Einordnung.
  • Eltern sollen zuhören, Inhalte prüfen und keine unbestätigten Warnungen weiterleiten.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Ein großer Hut, ein rot-weiß gestreifter Anzug und ein schelmisches Grinsen: Die Figur „Cat in the Hat“ stammt ursprünglich aus dem gleichnamigen Kinderbuch des US-amerikanischen Autors Dr. Seuss. Im Internet wird aus der eigentlich humorvollen Figur jedoch zunehmend eine Horrorfigur.

In Videos und Bildern erscheint die Katze als unheimliche Gestalt, die Menschen erschreckt oder angeblich an Schulen und anderen öffentlichen Orten auftaucht. Manche Darstellungen sind inszeniert oder mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Gleichzeitig verbreiten sich Geschichten über vermeintliche Begegnungen, die bei Kindern für Angst sorgen können.

Doch wie konkret ist die Gefahr in der Region? Eine Nachfrage bei mehreren Polizeipräsidien ergibt ein unterschiedliches Bild.

So ist die Lage in der Region

Das Polizeipräsidium Konstanz meldet bislang keine entsprechenden Vorfälle. Auch beim Polizeipräsidium Reutlingen ist der Trend bislang nicht als konkretes Problem registriert worden. Das Phänomen sei dort weder bekannt noch aufgetreten, so Pressesprecherin Carla Riegler.

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Anders ist die Ausgangslage beim Polizeipräsidium Pforzheim. Dort ist der Trend bekannt – sowohl durch Videos und Reels in sozialen Netzwerken als auch durch das Auftreten der Figur im öffentlichen Raum. Gesicherte Erkenntnisse über sogenannte „Grusel- oder Horrorkatzen“ im Landkreis Calw oder Freudenstadt lägen derzeit allerdings nicht vor, teilte Pressesprecher Benjamin Koch mit.

Die Polizei macht zugleich deutlich, dass der Trend keine Rechtfertigung für Straftaten sei. Hausfriedensbruch, Nötigung oder Körperverletzung könnten strafrechtliche Folgen haben.

Gruseltrend auch für jüngere Kinder gefährlich

Doch nicht nur Straftaten und mögliche Begegnungen im öffentlichen Raum können Kinder und Jugendliche belasten. Auch die Verbreitung des Trends im Internet kann Ängste auslösen – und das selbst bei Kindern, die soziale Medien gar nicht aktiv nutzen. Medienpädagogin Regina Nieberle aus Freiburg erklärt, dass Inhalte auch über ältere Geschwister, Freunde, Klassenchats und Messenger wie WhatsApp oder Signal weitergegeben werden. Hinzu kommen Videos auf Plattformen wie YouTube.

Besonders verunsichernd ist laut Nieberle die Mischung aus Fiktion und vermeintlicher Wirklichkeit. „Kinder können Fiktion und Realität grundsätzlich unterscheiden, aber nicht zuverlässig in jeder Situation“, erklärt Nieberle. „Schon Drei- bis Vierjährige erkennen etwa, dass Spielhandlungen nicht ‚wirklich‘ sind; bei medialen Inhalten bleibt die Unterscheidung jedoch bis ins Grundschulalter herausfordernd.“

Die emotionale Tönung beeinflusse, wie Kinder Inhalte einschätzen. „Angst, Dunkelheit, Verfolgungsszenarien und bedrohliche Stimmen machen es schwerer, nüchtern zu bleiben“, so die Pädagogin. Künstlich erzeugte Bilder, bearbeitete Videos und Erzählungen über angebliche Sichtungen von Gleichaltrigen können es Kindern weiter erschweren, den Wahrheitsgehalt einzuschätzen. Wird dabei eine konkrete Schule oder ein bekannter Ort genannt, kann eine Geschichte noch glaubwürdiger wirken.

Wenn der Internettrend real wird

Auch wenn viele der im Internet kursierenden Darstellungen inszeniert oder frei erfunden sind, kann die Angst, die sie auslösen, für Kinder sehr real sein. Besonders problematisch wird es, wenn der Internettrend in den Alltag überschwappt und Menschen in Kostümen andere tatsächlich erschrecken, verfolgen oder bedrohen. Was von den Beteiligten möglicherweise als Scherz gemeint ist, kann bei den Betroffenen echte Angst auslösen.

Dabei spielen auch Gruppendynamik und der Wunsch nach Aufmerksamkeit eine Rolle. „Digitale Trends gehen in die Offline-Welt über, wenn sie Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit und Reaktion versprechen“, so Nieberle. Wer andere erschreckt, erhofft sich möglicherweise Lacher, Reaktionen oder Aufrufe im Internet.

Die Grenze zwischen einem vermeintlichen Spaß und einer bedrohlichen Situation kann dabei schnell überschritten werden. In Haldensleben (Sachsen-Anhalt) wurde etwa ein neunjähriges Mädchen laut Polizei von einer verkleideten Person verfolgt und bedroht. Auch in Leipzig bestätigte die Polizei zwei Fälle, in denen Personen im Katzenkostüm versuchten, Kinder und Jugendliche zu erschrecken.

Das können Eltern tun

Nieberle rät Eltern deshalb, aufmerksam zuzuhören, wenn Kinder von der Figur erzählen oder sich vor ihr fürchten. „Ziel ist nicht, das Thema größer zu machen, sondern dem Kind Sicherheit und ein realistisches Urteil zu geben.“

Die Angst sollte aber auch nicht abgetan werden. Stattdessen sollen Erwachsene nachfragen, was genau das Kind gesehen oder gehört hat. Anschließend können sie gemeinsam prüfen, ob es sich um ein inszeniertes Video, eine Erzählung aus dem Freundeskreis oder einen konkreten Vorfall handelt.

Zudem sollten Eltern vermeiden, unbestätigte Warnungen, Bilder oder Listen angeblicher Sichtungsorte weiterzuleiten. Dadurch könnte der Trend laut Nieberle noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bei konkreten Drohungen oder tatsächlichen Begegnungen, bei denen jemand eingeschüchtert oder verfolgt wird, sollten Belege aber selbstverständlich gesichert und die Schule beziehungsweise die Polizei informiert werden.