Tisch & Teller: Aber bitte mit ohne

Mocktails kommen ohne Alkohol aus.
Callwey Verlag0,0 Prozent – die Schreckensziffern aus der Wirtschaft sind die neuen Lieblingszahlen, wenn es um Genuss im Glas geht: Die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken steigt und hat bei Produzenten, Gastronomen und privaten Genießern gleichermaßen einen kreativen Prozess angestoßen.
Alkoholfreie Cocktails stehen längst nicht mehr im Schatten klassischer Drinks – sie sind eine Kunst für sich und eröffnen eine völlig neue Dimension des Genusses. Das ist aber nicht nur der Kreativität vieler Bartender zu verdanken, sondern vor allem auch einer wachsenden Zahl an qualitativ hochwertigen, alkoholfreien Spirituosen-Alternativen, auf die sie zurückgreifen können. Ihr Einsatzbereich liegt ganz klar im Mixing, wo sie ihre Stärken voll ausspielen. Gin & Tonic oder Caipirinha ohne Reue? Heute kein Problem mehr.
„Mindful Drinking“
Faktoren wie ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein, globale Bewegungen wie „Dry January“ und „Sober October“ sowie der bewusste Konsum im Sinne des „Mindful Drinking“ treiben diese Entwicklung voran. Dabei geht das Interesse weit über saisonale Trends hinaus, insbesondere bei Millennials, der Generation Z und Alpha, die verstärkt auf alkoholfreie Lifestyle-Produkte setzen.
„Unsere Welt wird so stark von alkoholischen Getränken dominiert, da wollte ich nicht nur Alternativen anbieten, sondern kreative Genussmomente erschaffen, die für sich selbst stehen“, sagt Linh Nguyen (Jahrgang 1988), die in der Szene „Queen of Cocktails“ genannt wird. Die Autorin des Buches „Like a Virgin“ ist mehrfach preisgekrönt, unter anderem als Weltmeisterin und als Gewinnerin des European Bartender Award. „Ich möchte den Alkohol nicht verteufeln – im Gegenteil: Ich liebe Spirituosen und schätze ihre Vielfältigkeit und die Geschichten, die sie erzählen. Doch genauso wichtig ist mir ein bewusster, achtsamer Umgang damit.“
Bitter, süß oder umami
Ihre Rezepte sind darauf spezialisiert, die fünf grundlegenden Geschmacksrichtungen wahrzunehmen: süß (oft assoziiert mit Energiequellen wie Zucker oder Früchten), sauer (signalisiert die Präsenz von Säure und Frische), bitter (kann vor potenziell schädlichen Substanzen warnen, sorgt aber auch für Komplexität), salzig (zeigt essenzielle Mineralien wie Natrium an) und umami (herzhafter Geschmack, der von Aminosäuren erzeugt wird und tiefe Aromen hervorbringt). Linh Nguyen: „Der Schlüssel zur perfekten Balance liegt darin, all diese Geschmacksrichtungen in einem Drink in harmonischer Weise anzusprechen, um ein vollständiges Geschmackserlebnis zu schaffen.“ Ein ebenso wichtiger Bestandteil wie der Geschmack sei der Geruch. Die Mocktail-Expertin bringt es auf den Punkt: „Der Geschmack soll Herz und Seele ansprechen.“
Rezept
Angsthase
Zutaten: 1 ganze Feige, 5 bis 6 Stängel Koriander, 6 cl Karottensaft, 2 cl Pfirsichsaft, 2 cl Zitronensaft. Zur Deko: Karottenstreifen, Koriander; Eiswürfel zum Shaken. Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker mit Eiswürfeln shaken. In ein vorgekühltes Glas doppelt abseihen. Dekorieren.
