Sonnenfinsternis in Baden-Württemberg: In diesen Städten ist sie am eindrucksvollsten

In einer Woche ist es so weit: Am 12. August verdunkelt sich die Sonne.
Natacha Pisarenko/AP/dpaAm Mittwoch, 12. August 2026, lohnt sich in Baden-Württemberg der Blick zum Himmel – allerdings nur mit einem geeigneten Augenschutz. Ab etwa 19.20 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne. Zwischen 20.14 und 20.17 Uhr erreicht die partielle Sonnenfinsternis je nach Standort ihren Höhepunkt.
Eine totale Finsternis ist aus Deutschland nicht zu sehen. Die Zone, in der der Mond die Sonne vollständig verdeckt, verläuft unter anderem über Island, Spanien und die Balearen. Im Südwesten Deutschlands werden dennoch außergewöhnlich hohe Werte erreicht: Entlang einer Linie von Freiburg bis zum Bodensee sind bis zu 90 Prozent der Sonnenfläche bedeckt.
Freiburg bietet den höchsten Bedeckungsgrad
Der rechnerisch beste Standort unter den größeren Städten des Landes ist Freiburg. Dort beginnt die Sonnenfinsternis um 19.23 Uhr. Um 20.17 Uhr sind rund 90,31 Prozent der Sonnenfläche vom Mond bedeckt – der höchste Wert in der untersuchten Auswahl.
Freiburg ist deshalb die erste Wahl für alle, die eine möglichst schmale Sonnensichel sehen möchten. Ein Beobachtungsplatz sollte jedoch nicht erst am Abend spontan ausgesucht werden. Die Schwarzwaldhänge, Gebäude oder hohe Baumreihen können die tief stehende Sonne verdecken. Geeignet ist ein erhöhter oder freier Standort mit uneingeschränkter Sicht nach Westen bis Westnordwesten.
Die Sonne verschwindet in Freiburg gegen 20.47 Uhr unter dem Horizont. Die teilweise in Tabellen genannten späteren Endzeiten der Finsternis sind vor Ort daher nicht mehr beobachtbar.
Karlsruhe ist der beste Allround-Standort
Mit einer Bedeckung von 89,18 Prozent liegt Karlsruhe nur knapp hinter Freiburg. Die Finsternis beginnt dort um 19.21 Uhr und erreicht um 20.15 Uhr ihr Maximum.
Für Karlsruhe sprechen neben dem hohen Bedeckungsgrad die vergleichsweise guten statistischen Wetterwerte. Für den 12. August wird auf Grundlage zurückliegender Jahre eine durchschnittliche Bewölkung von 57 Prozent angegeben – der niedrigste Wert unter den aufgeführten Städten. Diese Zahl ist allerdings keine konkrete Vorhersage für den Finsternisabend.
Auch die Lage in der Rheinebene kann von Vorteil sein. Auf freien Flächen am westlichen Stadtrand ist die Gefahr geringer, dass Berge den Horizont verdecken. Gebäude und Baumreihen bleiben dennoch ein Problem, weil die Sonne während des Maximums bereits sehr niedrig steht. Die sichtbare Phase endet mit dem Sonnenuntergang gegen 20.47 Uhr.
Pforzheim fast gleichauf mit Karlsruhe
In Pforzheim werden 89,17 Prozent der Sonne bedeckt. Der erste Kontakt ist um 19.22 Uhr zu sehen, das Maximum folgt um 20.15 Uhr. Damit unterscheidet sich das astronomische Erlebnis kaum von dem in Karlsruhe.
Schwieriger kann die Suche nach einem geeigneten Beobachtungsplatz sein. Wegen der Tallage und der umliegenden Höhen ist ein freier westlicher Horizont besonders wichtig. Wer zwischen Häusern oder an einem Hang mit ansteigendem Gelände im Westen steht, könnte die entscheidenden Minuten verpassen. Die Sonne geht dort gegen 20.46 Uhr unter.
Stuttgart: Hohe Bedeckung, aber schwierige Tallage
Auch in Stuttgart wird mit 89,08 Prozent ein sehr hoher Bedeckungsgrad erreicht. Beginn ist um 19.22 Uhr, der Höhepunkt um 20.15 Uhr.
Die Stuttgarter Kessellage macht die Beobachtung allerdings anspruchsvoller. In tieferen Stadtteilen können Gebäude, Bäume und die umliegenden Höhen die Sonne bereits vor dem eigentlichen Sonnenuntergang verdecken. Wer in Stuttgart beobachten möchte, sollte deshalb einen erhöhten Standort mit freier Sicht in Richtung Westnordwesten wählen und den Platz möglichst vorher zur gleichen Tageszeit prüfen.
Mit dem Sonnenuntergang gegen 20.43 Uhr endet das sichtbare Schauspiel in Stuttgart früher als in den Städten der Rheinebene.
Heilbronn, Mannheim und Heidelberg bleiben gute Alternativen
Die Unterschiede zwischen den Städten sind insgesamt klein. In Mannheim werden 88,76 Prozent, in Heilbronn 88,75 Prozent und in Heidelberg 88,73 Prozent der Sonnenfläche bedeckt. Das Maximum wird in Mannheim und Heidelberg um 20.14 Uhr, in Heilbronn um 20.15 Uhr erreicht.
In Mannheim ist die flache Rheinebene grundsätzlich günstig für eine freie Horizontsicht. In Heilbronn können erhöhte Standorte am Stadtrand Vorteile bieten. In Heidelberg sollte der Beobachtungsplatz so gewählt werden, dass weder Bebauung noch Gelände den Blick nach Westen einschränken.
Das Wetter kann die Reihenfolge noch verändern
Eine Woche vor dem Ereignis zeichnen die Vorhersagen ein grundsätzlich sommerliches, aber noch unsicheres Bild. Für Freiburg, Pforzheim und Heilbronn werden während der Abendstunden zumindest teilweise sonnige Bedingungen erwartet. In Karlsruhe soll es heiter bis wolkig sein. Für Mannheim und Heidelberg wird zeitweise stärkere Bewölkung berechnet. Im Raum Stuttgart besteht nach der derzeitigen Prognose am frühen Abend ein Gewitterrisiko.
Solche Vorhersagen können sich bis zum 12. August noch deutlich ändern. Wer mobil ist, sollte deshalb am Veranstaltungstag die Bewölkung und mögliche Gewitterzellen prüfen. Bei den geringen Unterschieden im Bedeckungsgrad ist ein wolkenfreier Platz mit 88,7 Prozent Sonnenbedeckung besser als ein bewölkter Standort mit 90,3 Prozent.
So lässt sich die Sonnenfinsternis sicher beobachten
Der direkte Blick in die Sonne ist auch während einer weit fortgeschrittenen partiellen Finsternis gefährlich. Selbst wenn nur noch eine schmale Sonnensichel zu sehen ist, kann die Strahlung die Netzhaut innerhalb kurzer Zeit dauerhaft schädigen. Das Tückische daran: Schäden an der Netzhaut verursachen zunächst keine Schmerzen.
Für die direkte Beobachtung dürfen nur dafür vorgesehene Sonnenfinsternisbrillen verwendet werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, auf folgende Merkmale zu achten:
- Die Brille ist mit dem CE-Zeichen versehen und entspricht der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015.
- Die Filterfolie ist frei von Kratzern, Löchern und Rissen.
- Benutzungs- und Warnhinweise sind vorhanden.
- Die Brille sitzt gut am Gesicht und schirmt seitlich einfallendes Licht möglichst weit ab.
Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus – auch nicht, wenn mehrere übereinander getragen werden. Ebenso ungeeignet sind rußgeschwärzte Gläser, CDs, belichtete Filmstreifen oder selbst gebaute Filter. Eine sichere Alternative ist die indirekte Projektion des Sonnenbildes, beispielsweise mit einer Lochkamera.
Besondere Vorsicht gilt bei Ferngläsern, Teleskopen und Kameras. Sie bündeln das Sonnenlicht und können die Augen oder das Gerät in kürzester Zeit beschädigen. Geeignete Sonnenfilter müssen immer vor dem Objektiv angebracht werden. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen schützt nicht, wenn gleichzeitig durch ein ungefiltertes optisches Gerät geschaut wird.
