Sind das alles Straftäter?: Deshalb werden Tausende Menschen im Schwarzwald per Haftbefehl gesucht

Im Schwarzwald werden hunderte Menschen per Haftbefehl gesucht. (Symbolfoto)
imago stock&people- Tausende offene Haftbefehle in der Region Schwarzwald und Schwäbische Alb
- Pforzheim meldet 864, Konstanz 152, Reutlingen 1.934 offene Haftbefehle
- Viele Fälle betreffen Erzwingungshaft und nicht bezahlte Bußgelder
- Knapp ein Drittel wegen Diebstahl oder Unterschlagung – 7,8 Prozent Betrug/Untreue
- Drei Öffentlichkeitsfahndungen: entflohener Patient, Einbrüche in Neubulach, Fall in Weil am Rhein
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der Region Schwarzwald sind Tausende Menschen, gegen die ein Haftbefehl vorliegt, auf freiem Fuß. Doch wie viele offene Haftbefehle gibt es in der Region Schwarzwald und Schwäbische Alb? Wer genau steht auf der Fahndungsliste? Und wie viele der Gesuchten laufen möglicherweise ganz unauffällig durch unseren Alltag?
Jeden Tag kontrolliert die Polizei Menschen im Verkehr, an Bahnhöfen oder auf der Straße. In manchen Fällen endet eine solche Kontrolle mit Handschellen – weil gegen die kontrollierte Person ein offener Haftbefehl vorliegt.
Allein in dem Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz, dazu gehören die Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Konstanz, gibt es derzeit 152 offene Haftbefehle. Durch das Polizeipräsidium Pforzheim sind derzeit 864 Haftbefehle ausgeschrieben. Dazu gehören die Landkreise Calw, Freudenstadt und der Enzkreis. Durch das Polizeipräsidium Reutlingen (Zollernalbkreis, Kreis Tübingen und Kreis Reutlingen) sind 1.934 Haftbefehle ausgeschrieben. Die genauen Zahlen für einzelne Landkreise konnte das Landeskriminalamt auf Anfrage unserer Redaktion nicht nennen.
Ist jede per Haftbefehl gesuchte Person kriminell?
Doch nicht jede Person, die per Haftbefehl gesucht wird, ist schwerkriminell. „[Haftbefehle] werden beispielsweise erlassen, wenn ein Täter seine Haft nicht antritt, seine Bewährung widerrufen wird, eine Geldstrafe nicht oder nicht rechtzeitig bezahlt oder er aus der Haft ins Ausland abgeschoben wird“, erklärt Jürgen Glodek, Sprecher des Landeskriminalamts.
Laut Fabian Herkommer, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, machen sogenannte Erzwingungshaftbefehle einen großen Anteil der Haftbefehle aus. Dies sind Haftbefehle, die durch die Staatsanwaltschaft als Vollstreckungsbehörde der Bußgeldbehörden erlassen werden.
Das bedeutet: Gegen diese Personen wurde ein Bußgeld erlassen, das diese aber nicht gezahlt haben. In vielen Fällen können Betroffene die offene Geldsumme begleichen und so eine Haft abwenden. Diesen Erzwingungshaftbefehlen liegen laut dem Sprecher jeweils Ordnungswidrigkeiten zugrunde – also keine strafbaren und somit keine kriminellen Handlungen.
Oftmals fallen auch Haftbefehle an, weil Angeklagte nicht zur Verhandlung vor Gericht erscheinen. Meist werden die Personen nach der Verhandlung dann allerdings wieder freigelassen. Es sei denn, sie werden zur Haft verurteilt.
Viele Haftbefehle sind auch zur Strafvollstreckung ausgestellt. Das heißt, dass ein verurteilter Täter seine Gefängnisstrafe zu einem bestimmten Termin antreten musste, aber nicht erschienen ist.
Deutlich aufwendiger wird die Fahndung, wenn eine Person wegen einer Straftat gesucht wird. Wenn ein Haftbefehl ausgestellt wird, kümmert sich die Polizei darum, die Person zu finden und festzunehmen. Wie genau vorgegangen wird, wenn eine Person wegen einer Straftat gesucht wird, darüber wollen die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen keine genaue Auskunft geben.
Diese Delikte führen am häufigsten zu Haftbefehlen
Knapp ein Drittel der Haftbefehle in Baden-Württemberg gehen laut Landeskriminalamt auf Straftaten wie Diebstahl oder Unterschlagung zurück. Je 7,6 Prozent der Haftbefehle werden wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Verstößen gegen das Straßenverkehrsgesetz erlassen. Hinter 7,8 Prozent der Haftbefehle stecken Fälle von Betrug oder Untreue. Nur rund acht Prozent der Haftbefehle liegen gemeingefährliche Straftaten zugrunde.
Die Justiz entscheidet, ob ein offener Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben wird oder nicht. Laut dem Sprecher des Landeskriminalamts werden dabei die Verhältnismäßigkeit und mögliche Erkenntnisse zum Aufenthaltsort einer Person berücksichtigt. Ausgeschriebene Haftbefehle sind für Kontrollkräfte bei der Abfrage der Personalien ersichtlich – etwa bei Kontrollen im Straßenverkehr oder an Bahnhöfen.
Nach diesen Personen wird öffentlich gefahndet
Noch seltener werden in Deutschland Straftäter öffentlich gefahndet. Solche Öffentlichkeitsfahndungen können dann auf der Website des Landeskriminalamtes eingesehen werden. Oft ist dort auch ein Foto oder der Name der gesuchten Person abgebildet. In der Region Schwarzwald gibt es derzeit drei Öffentlichkeitsfahndungen nach Straftätern.
Gefahndet wird unter anderem nach einem 34-jährigen entflohenen Straftäter, der am 1. Mai nach einem genehmigten Freigang nicht mehr zur psychischen Fachklinik in Emmendingen zurückgekehrt war. Der Gesuchte war zuvor wegen einer gefährlichen Körperverletzung zur Unterbringung in der Klinik verurteilt worden. Laut dem Polizeipräsidium Offenburg könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Mann ins benachbarte Ausland abgesetzt hat.
In Neubulach wird nach mehreren Männern gefahndet, die wohl im Dezember 2025 in zwei Wohnhäuser im Ortsteil Liebelsberg eingebrochen sind. In allen Fällen befindet sich die Höhe des Diebstahlschadens laut Polizei im mittleren vierstelligen Bereich. Das Polizeipräsidium Pforzheim hat inzwischen Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht, die die möglichen Täter an einem der beiden Tatorte zeigen könnten.
In Weil am Rhein wird nach einem mutmaßlichen Straftäter gesucht, der am 27. Mai bewaffnet ein Wettbüro in der Blauenstraße in Weil am Rhein betreten haben soll. Mit einer Schusswaffe drohend, soll er Bargeld aus der Kasse gefordert haben. Danach flüchtete er mit dem Geld. Das Kriminalkommissariat fahndet öffentlich nach dem Mann wegen räuberischer Erpressung.



