Mundarten in Baden-Württemberg
: Özdemir setzt Kretschmanns Dialektstrategie fort

Klares Bekenntnis von Ministerpräsident Cem Özdemir zu den Mundarten: „Unser Ziel lautet, den Menschen ihren Dialekt wieder näher zu bringen“, erklärte er anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des Fördervereins Schwäbischer Dialekt.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Ministerpräsident Cem Özdemir

Ministerpräsident Cem Özdemir

Bernd Weißbrod/dpa
  • Özdemir führt Kretschmanns Dialektstrategie fort – klares Bekenntnis zu Mundarten.
  • Ziel der Regierung: Menschen ihren Dialekt wieder näher bringen, da Weitergabe nachlässt.
  • Dialekte stützen Identität und Zusammenhalt, sie ergänzen die Hochsprache.
  • Strategie „Mundarten bewahren und stärken“: Wissen, Sichtbarkeit, Bildung und Forschung.
  • Unterstützt werden u. a. der 2023 gegründete Dachverband Dialekte in Baden-Württemberg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ministerpräsident Cem Özdemir nimmt seinen Vorgänger beim Wort und setzt die von Winfried Kretschmann (beide Grüne) begonnene Dialektstrategie fort. Im Interview mit unserer Zeitung hatte dieser ihm geraten: „Es gibt bestimmte Dinge, die man seinem Nachfolger und der nächsten Generation weitergibt. Und die Dialektinitiative gehört 100-prozentig dazu! Das ist eine Tradition, und die ist gut.“

Özdemir, der sich als „anatolischen Schwaben“ bezeichnet und und gerne kräftig schwäbelt, schrieb jetzt in einem Beitrag zum 25-Jahr-Jubiläum des Fördervereins Schwäbischer Dialekt in Tübingen: „Auch für die Landesregierung spielen die unterschiedlichen Mundarten eine wichtige Rolle.“ Dialekte dienten nicht nur der Verständigung, sie würden auch Identität und Zusammenhalt stützen: „Darum unterstütze ich die im vergangenen Jahr verabschiedete Dialektstrategie“, so Özdemir. Ihr Kernanliegen bleibe unverändert. Sie erkenne an, dass die Weitergabe von Dialekten von Generation zu Generation heute nicht mehr selbstverständlich sei. „Doch was nicht mehr gesprochen, gehört und geschätzt wird, verliert mit der Zeit seinen Stellenwert im Alltag. Unser Ziel lautet, den Menschen ihren Dialekt wieder näher zu bringen.“

Die Dialektstrategie Baden-Württemberg steht unter dem Motto „Mundarten bewahren und stärken“. Sie will „Wissen erhalten, Sichtbarkeit verschaffen, Bildung vermitteln und fördert die Erforschung historischer Dialekte (Schwäbisch, Alemannisch, Fränkisch) durch universitäre Zentren in Tübingen und Freiburg“. Unterstützt werden auch Initiativen wie der 2023 gegründete Dachverband der Dialekte in Baden-Württemberg. In ihm haben sich mehrere Mundartvereine zusammengeschlossen, darunter in Württemberg der Verein schwäbische mund.art, einem Zusammenschluss von Dialekt sprechenden Künstlerinnen und Künstlern, und der Verein Förderung Schwäbischer Dialekt in Tübingen.

Letzterer feierte jüngst sein 25-jähriges Bestehen mit einer Festveranstaltung in der Tübinger Universität. Die Keynote - auf Schwäbisch der „Gscheitla-Vortrag“ – hielt der frühere Ministerpräsident Günther Oettinger. Auch Cem Özdemir würdigte in seinem Beitrag in der Jubiläumsschrift die Arbeit des Vereins. Er trage durch sein Engagement dazu bei, die „reiche Tradition der Mundarten“ aufrecht zu erhalten und helfe mit „die kulturelle Vielfalt Baden-Württembergs zu erhalten und zu stärken“, schrieb er.

„Dialekt ist keine Feind der Hochsprache“

Stephan Neher, Oberbürgermeister von Rottenburg und Vorsitzender des Fördervereins, betonte seinerseits die besondere Stärke der Mundarten: „Der Dialekt atmet Heimat in einer Weise, die auch das feinfühligste Hochdeutsch nicht erreicht. Dabei ist er keine Alternative oder gar Feind der Hochsprache, sondern: eine Ergänzung und eine Bereicherung.“ Der Förderverein erfülle in diesem Zusammenhang „ein langanhaltendes Bedürfnis und ist darum notwendig“.