„Milliarden Jahre altes Notfallprogramm“: Was Waldbrände für Tiere bedeuten

Für die Bewohner des Waldes ist ein Brand besonders schlimm. Wo nur noch Asche übrig ist, können Tiere oft nicht mehr leben. (Symbolbild)
Christoph Reichwein/dpa- Waldbrände bedrohen Tiere direkt durch Flammen, Hitze und Rauch sowie indirekt durch Habitatverlust.
- Kleine, wenig mobile Arten sterben häufiger; Igel, Mäuse, Insekten, Schnecken, Amphibien und Reptilien.
- Größere Säugetiere und viele Vögel fliehen oft – doch Flucht sichert das Überleben nicht.
- Überleben hängt von Feuerintensität, Bodenhitze und erreichbaren, vernetzten Lebensräumen ab.
- Einige Arten profitieren nach Bränden, doch viele Waldarten verlieren dauerhaft ihren Lebensraum.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn der Wald brennt, beginnt für dessen Bewohner der Kampf ums Überleben. Manche Tiere können den Flammen rechtzeitig entkommen, andere bleiben zurück. Und auch wenn sie das Feuer überleben, ist ihr Lebensraum danach ein völlig anderer.
Wie gravierend die Folgen sind und welche Arten das besonders betrifft, erklärt Sven Selbert. Er ist Senior Referent für Waldpolitik beim Naturschutzbund Deutschland e. V. (kurz Nabu).
„Waldbrände sind natürlich nicht nur eine schwere Gefahr für Pflanzen und Pilze, sondern auch für die Tierwelt“, sagt er. Dabei könne man zwischen den direkten tödlichen Auswirkungen der Flammen, Hitze und giftigen Rauchgasen und den längerfristigen Auswirkungen durch Lebensraumverlust unterscheiden. „Eine ähnliche Unterscheidung kann man zwischen dem Schicksal einzelner Individuen und dem ganzer Populationen und Arten machen.“
Geringe Überlebenschancen für Igel und Co.
Kleine und wenig mobile Arten seien deutlich häufiger Opfer der Flammen und Hitze. Während größere Säugetiere wie Wildschweine, Rehe oder vergleichsweise hochmobile Tiere wie Vögel bei einem Waldbrand schnell fliehen können, stehen die Überlebenschancen für Insekten, Schnecken, Igel, Mäuse, Amphibien und Reptilien deutlich geringer. Das geht auch aus wissenschaftlichen Studien aus Nordamerika und Australien zur Sterblichkeit von Wildtieren bei Vegetationsbränden hervor, sagt Selbert.
Bricht ein Waldbrand aus, wittern oder spüren die Tiere dies meist früh, erklärt der Experte. Je nach Art würden diese dann entweder die Flucht ergreifen oder sich eingraben. „Da spult sich ein Milliarden Jahre altes Notfallprogramm ab.“
Den Flammen zu entkommen, heißt nicht, zu überleben
Ob die Flucht glückt, hänge zum einen davon ab, wie schnell und großflächig es brennt, zum anderen aber auch von der Art des Feuers. „War es ein schnelles und wenig intensives Bodenfeuer, reicht die Hitze oft nicht tief in den Boden und neue Vegetation sprießt auch schnell wieder. Dann haben kleine im Boden, Felsspalten oder Tümpeln versteckte Tiere oft noch eine Chance“, sagt Selbert. Bei intensiven Bodenfeuern werde hingegen ein Großteil des Lebens bis in tiefere Bodenschichten vernichtet und vergiftet.
Doch auch für Tiere, die dem Feuer entkommen, ist die Gefahr nicht vorbei. „Dass ein Tier den Flammen selbst vor Ort entkommt, bedeutet aber lange nicht, dass damit sein Überleben gesichert wäre. Denn jedes Tier braucht ein Habitat, das es beherbergt und ernährt“, erklärt der Experte. Die Fluchtgebiete der oft desorientiert, verletzt und geschwächt ankommenden Tiere seien entweder weniger geeignet oder schon besetzt.
Nur wenn vergleichbar geeignete Lebensräume zur Verfügung stehen und für die Tiere erreichbar sind, können diese überleben, erklärt der Experte: „Die Vernetzung der Lebensräume ist das Sicherheitsnetz für das Leben und das betrifft vor allem sehr seltene Arten.“
Manche Arten profitieren von Bedingungen nach Brand
Ein schwerer Vegetationsbrand töte nicht nur direkt und vergifte die Umwelt, sondern verändere Ökosysteme auf lange Dauer, erklärt Selbert. Manche Tierarten, etwa der schwarze Kiefernprachtkäfer, profitieren von den Bedingungen nach einem Brand. Meist sind es jedoch weitverbreitete Lebewesen, die mit der neuen Umgebung und den zusätzlichen Nährstoffen aus der Asche gut zurechtkommen. Waldlebewesen wie beispielsweise der Feuersalamander verlieren hingegen dauerhaft ihren Lebensraum.
Aus ökologischer Sicht sei der langfristige Verlust von Lebensraum und wichtigen Funktionen des Waldes oft die schwerwiegendste Folge. Denn sind Lebensräume gesund und miteinander verbunden, können Tiere und Pflanzen auch nach einem Brand weiterleben. Zudem gehören Waldbrände laut des Experten bis zu einem gewissen Maß zur natürlichen Entwicklung von Ökosystemen.

