Kinderhandel in der Region?: Virale Vinted-Anzeigen sorgen für Aufregung – das sagt die Polizei

Anzeigen wie diese gab und gibt es viele. Die Inserate sind auf der Plattform unterdessen nicht mehr zu finden. Ob sie von Vinted selbst entfernt oder vom Verkäufer gelöscht worden sind, ist nicht nachvollziehbar.
Screenshot/TikTok- Virale Vinted-Screenshots schüren Vorwürfe, Kinder würden über die Plattform verkauft.
- Polizei im Südwesten fand keine Hinweise auf Kinderhandel, prüft gemeldete Inserate weiter.
- Vinted sieht ein Missverständnis: Altersangaben beziehen sich auf Spielzeug, nicht auf Kinder.
- Mehrere Anzeigen wirken widersprüchlich oder gefälscht – unrealistische Größen, Alter, Preise.
- Behörden raten: Verdächtige Angebote direkt melden und Screenshots nicht ungeprüft teilen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Angeboten werden vier Kuscheltiere. „Sortiert nach Alter. 3 Monate, 9 Monate, 1,5 Jahre, 3 Jahre. 12.500 Euro.“ In der Anzeige eines Einhorn-Plüschtiers ist in der Beschreibung die Rede von einem Mädchen, sieben Jahre alt. „Nicht mehr zu gebrauchen. Nur Abholung.“ Der genannte Preis: 8000 Euro. Ein anderer Nutzer bietet eine „Funko-Pop-Figur“ an. Auch hier irritiert die Beschreibung des Artikels. „Ein Jahr, 72 Zentimeter, Junge“ – für 30.000 Euro.
Solche Inserate kursieren derzeit hundertfach als Screenshots und in Videos durch soziale Netzwerke. Unter den Beiträgen häufen sich Kommentare wie „Mir wird schlecht“ oder „Ich bin schockiert, wieso tut niemand was dagegen?“. Viele Nutzer sind überzeugt, dass auf der Secondhand-Plattform Vinted Kinder zum Verkauf angeboten werden.
Ob es sich bei den kursierenden Inhalten um geschmacklose Fälschungen, provozierende Troll-Beiträge oder tatsächliche Verstöße gegen die Plattformregeln handelt, ist derzeit unklar. Belege dafür, dass hinter den Anzeigen organisierter Kinderhandel steckt, liegen den Polizeibehörden jedenfalls nicht vor.
Keine Hinweise auf Kinderhandel in der Region
Zumindest im Südwesten gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass über die Plattform tatsächlich Kinder verkauft werden. Beim Polizeipräsidium Konstanz gingen nach eigenen Angaben seit Mittwochnachmittag einzelne Hinweise auf entsprechende Inserate ein. Das Polizeipräsidium Pforzheim berichtet von zwei gemeldeten Verdachtsfällen. „Hinweise, dass über diese Inserate tatsächlich Kinder verkauft werden sollten, ergaben sich im Rahmen der Ermittlungen bislang nicht“, teilt die Behörde mit. Das Polizeipräsidium Reutlingen meldet hingegen Fehlanzeige – dort sind keine entsprechenden Fälle bekannt.

Auch Anzeigen wie diese waren zeitweise auf der Secondhand-Plattform zu finden. Das Inserat wurde mittlerweile entfernt.
Screenshot/TikTokAuch Vinted widerspricht den Gerüchten. Das Unternehmen erklärt, nach einer gründlichen Untersuchung keine Belege dafür gefunden zu haben, dass die Anzeigen mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen. „Die Gerüchte basieren auf einem Missverständnis darüber, wie unsere Plattform funktioniert“, teilt Vinted mit. Die in den Angeboten angegebene Altersgruppe beziehe sich nicht auf ein Kind, sondern auf die empfohlene Altersgruppe für das angebotene Spielzeug – ähnlich der Altersempfehlung auf einer Spielzeugverpackung. Dieses Feld werde in sämtlichen Kategorien verwendet, nicht nur bei Kleidung.
Verdächtige Angebote sollen gemeldet werden
Tatsächlich sprechen einige der kursierenden Screenshots für diese Erklärung. So wird in einer Anzeige ein angeblich vier Monate altes Kind mit einer Körpergröße von 166 Zentimetern angegeben – ein offensichtlicher Widerspruch. Andere Inserate enthalten ebenfalls unrealistische Größen-, Alters- oder Preisangaben. Es ist daher davon auszugehen, dass sich unter den verbreiteten Screenshots auch Fälschungen oder bewusst irreführend erstellte Anzeigen befinden. Dennoch rät Vinted Nutzern, verdächtige Angebote zu melden. Das Sicherheitsteam prüfe entsprechende Inserate.
Trotz erster Einordnungen durch Medien und Behörden reißt die Welle in sozialen Netzwerken aber nicht ab. Im Gegenteil: Viele Nutzer widersprechen entsprechenden Berichten und veröffentlichen immer neue Screenshots angeblicher Belege. Neben missverständlichen Spielzeuganzeigen tauchen dabei auch Inserate mit sexualisiertem Inhalt auf. Ein auf TikTok vielfach geteilter Screenshot soll zudem einen Chatverlauf zeigen, in dem ein Verkäufer darum bittet, das Gespräch für ein „geheimes Gespräch“ im Tor-Browser – ein auf Anonymität und Datenschutz ausgelegter Webbrowser, der auch den Zugriff auf das Darknet ermöglicht – fortzusetzen. Ob der Chat authentisch ist, lässt sich jedoch nicht überprüfen.
Polizei nimmt das Thema ernst
Das Hessische Landeskriminalamt, dessen Hinweise auch vom Polizeipräsidium Konstanz weitergeleitet wurden, erklärt, die eingehenden Meldungen sehr ernst zu nehmen. Die ungewöhnlichen Anzeigen könnten zwar den Verdacht auf Kinder- oder Menschenhandel wecken und lösten verständlicherweise Ängste aus. Nach aktuellem Ermittlungsstand deute jedoch vieles darauf hin, dass es sich um Fake-Anzeigen handele. Dennoch würden sämtliche Hinweise geprüft, um Straftaten ausschließen zu können.
Gleichzeitig appelliert das Landeskriminalamt an Nutzer, Screenshots oder Links zu solchen Inseraten nicht ungeprüft weiterzuverbreiten. Verdächtige Angebote sollten stattdessen direkt über die Plattform gemeldet werden. Bei konkreten Hinweisen auf eine Straftat sei die Polizei über die Onlinewache oder die örtliche Dienststelle zu informieren.