Im Schwarzwald immer mehr verbreitet
: Was macht Waschbären so gefährlich?

Sie wirken putzig, gleichzeitig aber sind Waschbären wehrhafte Kleinbären, mit denen nicht zu spaßen ist. Das weiß auch Peter Daiker, Wildtierbeauftragter im Kreis Freudenstadt, der über die invasive Tierart aufklärt.
Von
Salome Menzler
Schwarzwald
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Waschbären verbreiten sich seit 1934 in Deutschland. In der Natur sind sie meist schwer zu entdecken. Einige Wildparks – wie beispielsweise der Pforzheimer – bieten einen Blick auf die Tiere.

Salome Menzler
  • Waschbären breiten sich seit 1934 in Deutschland aus – komplette Entfernung gilt als unrealistisch.
  • In BW: Jagdzeit 1. Juli bis 15. Februar, Jungtiere zusätzlich 15. April bis Ende Juni.
  • Verbreitung auch in Calw, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Freudenstadt, Tendenz steigend.
  • Gefahr für Artenvielfalt: Beute von Amphibien, Bodenbrütern und Höhlenbewohnern bis zu Greifvögeln.
  • Tipps: nicht füttern, Müll sichern, Zugänge verschließen, in Siedlungen vertreiben und Meldung machen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Problemtiere, gefährlich oder für manche auch richtig süß – Waschbären rücken in Deutschland immer stärker in den Vordergrund. Medienberichten zufolge machen sie vielen Bürgern das Leben schwer. Dabei gibt es die Tiere bereits seit 1934 in Deutschland.

Damals wurden einige wenige Tiere am Edersee in Hessen zur „Bereicherung der Tierwelt“ ausgesetzt, weiß Peter Daiker, Wildtierbeauftragter im Kreis Freudenstadt. Er beschäftigt sich schon seit Längerem mit den in Nord- und Mittelamerika heimischen Tieren und gilt auch beim Nabu als Experte.

Neben den in Hessen ausgesetzten Tieren entkamen in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs weitere Waschbären aus einer Pelzfarm östlich von Berlin. „Auch nach dieser Zeit kam es zu weiteren Ansiedlungen und Ausbrüchen“, erläutert Daiker. Waschbären seien recht wehrhaft. Ihre natürlichen Feinde seien lediglich Uhu, Luchs und Wolf. Darüber hinaus werde die Population nur durch Krankheiten reguliert.

Trotz der geplanten Ansiedlungen in den 1930er-Jahren ist der Waschbär auf der Unionsliste invasiver Arten aufgeführt. Daher sind die EU-Länder verpflichtet, Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Art einzuleiten. „Da die Art in Deutschland bereits großflächig verbreitet ist, erscheint eine komplette Entfernung jedoch kaum mehr umsetzbar“, betont der Wildtierbeauftragte.

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Für Waschbären gibt es Jagdzeiten

Wer dafür zuständig ist? Die Art unterliegt dem Nutzungsmanagement des baden-württembergischen Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (JWMG), erklärt Daiker. Waschbären haben wie heimische Wildtiere reguläre Jagdzeiten. Genauer gesagt dürfen die Kleinbären vom 1. Juli bis zum 15. Februar gejagt werden, Jungtiere zusätzlich vom 15. April bis Ende Juni.

Darüber hinaus bestehe für die Art ein Hegeverbot. „Das heißt, es dürfen für die Art keine lebensraumverbessernden Maßnahmen getroffen werden. Sie muss, wenn möglich, erlegt werden“, unterstreicht er.

Die Pfoten und scharfen Klauen des Waschbären machen ihn unter anderem zu einem exzellenten Klettertalent.

Foto: Salome Menzler

Wie viele Waschbären in unserer Region leben, sei allerdings schwer zu sagen. Das liege vor allem daran, dass die Wildtiere in der Dämmerung und nachts unterwegs seien und allgemein sehr heimlich lebten, sagt Daiker: „Sie verbringen den Tag in Verstecken wie Baumhöhlen oder verlassenen Fuchs- und Dachsbauten.“

Auch in unserer Region weit verbreitet

Einen Anhaltspunkt böten die Jagdstreckendaten. 60 Prozent der erfassten Tiere stammten jedoch aus den Landkreisen Ostalb, Rems-Murr und Schwäbisch Hall. „Im vergangenen Jagdjahr wurden in Baden-Württemberg 9174 Waschbären erlegt. Dazu zählen auch Totfunde, beispielsweise nach Verkehrsunfällen“, erklärt der Wildtierbeauftragte.

Auch in unserer Region sei der Waschbär verbreitet, allerdings nicht im selben Ausmaß. Im Zollernalbkreis scheinen die Tiere Berichten zufolge zu einem größeren Problem zu werden. Doch auch in den Kreisen Calw, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Freudenstadt seien sie weit verbreitet. Im Kreis Freudenstadt seien in der Vergangenheit einzelne Tiere überfahren, erlegt oder von Fotofallen aufgenommen worden. „Die Tendenz ist auch hier steigend“, unterstreicht Daiker.

Die steigenden Jagdstreckenzahlen deuten ebenfalls darauf hin, dass es immer mehr Waschbären gibt. Doch warum verbreitet sich die Tierart so schnell? Und warum ist das problematisch?

Der Wohnort ist nahezu egal

„Waschbären sind Generalisten, eher Sammler als Jäger und im Hauptberuf Alleskönner“, erklärt der Freudenstädter Wildtierbeauftragte. „Ihre Vorderpfoten mit extrem gut ausgebildetem Tastvermögen und ihre Geschicklichkeit machen sie so erfolgreich.“ Außerdem hätten sie ein ausgezeichnetes Riechvermögen, eine hohe Intelligenz sowie hervorragende Kletterkünste.

„Daher fällt es ihnen leicht, neben den natürlichen Lebensräumen im Wald oder anderen laubbaumreichen Habitaten auch Dörfer und Städte zu besiedeln.“ Dort bewohnten sie Dachböden, Kamine, Keller, Schuppen, Garagen, leer stehende Gebäude sowie Material- oder Holzstapel. Selbst in der Kanalisation richteten sich Waschbären ein Zuhause ein. Die Waschbärdichte könne in städtischen Bereichen bis zu zehnmal höher sein als im Wald. „Sie sind also auch bei der Wahl ihres Wohnortes sehr flexibel.“

Waschbären seien keine Einzelgänger, sondern lebten in lockeren Gruppenverbänden, erläutert er. „Es gibt Mutter-Kind-Gruppen, kleine Gruppen erwachsener Männchen (Rüden) und Gruppen verwandter Weibchen (Fähen), die Futter- und Schlafplätze teilen. Waschbären eines Gebietes haben Hauptschlafplätze und Treffpunkte und tauschen Informationen über Duftmarken aus.“

Waschbären leben gerne in Gewässernähe, verstecken sich tagsüber aber auch in hoch gelegenen Baumhöhlen.

Foto: Salome Menzler

Die Nahrung eines Waschbären lasse sich nur schwer zusammenfassen. Die Tiere seien „Naturgeneralisten und -opportunisten“, führt Daiker aus. Sie fräßen also nahezu alles, was im jeweiligen Lebensraum vorkomme. Das erkläre auch, warum sie vielen Menschen dafür bekannt seien, Mülltonnen zu plündern.

Die Gefährdung für andere Tierarten

Doch „eine Kotuntersuchung aus dem Müritz-Nationalpark zeigt zu über der Hälfte Würmer, Schnecken und Insekten, also Wirbellose. Aber auch Kleinsäuger, Vögel und deren Eier, Fische, Früchte, Nüsse, Mais und Getreide gehören zur Nahrung“. Auch Amphibien seien Bestandteil ihrer Nahrung, da Waschbären gerne an Gewässern lebten.

Gerade in solchen Gebieten stelle der Waschbär eine Gefahr für die Umwelt dar, da seine Ausbreitung zu einem Lebensraumverlust bedrohter Arten führe. Zum Teil seien diese Arten extrem selten, führt Daiker aus. Dazu zählten beispielsweise die Sumpfschildkröte, verschiedene Muschelarten und der Kiebitz. „Ein Beispiel für die Überlegenheit des Waschbären: Das Gift auf der Haut von Erdkröten wird umgangen, indem sie die Kröten häuten und dann den Inhalt verspeisen.“

Doch nicht nur Amphibien seien von der invasiven Art bedroht. Durch ihre Kletterkünste gefährdeten Waschbären auch andere seltene Arten wie Fledermäuse, Hohltauben, Schwarzstörche und Greifvögel, die in Baumhöhlen lebten oder brüteten. „Die Gefahr für die Artenvielfalt besteht darin, dass kein Tier, egal, wo es lebt oder brütet, vor dem Zugriff der Waschbären sicher ist.“

Sind sie wirklich gefährlich?

Neben bedrohten Tierarten gebe es auch für Menschen einige Konfliktfelder im Zusammenhang mit Waschbären, wie Daiker es ausdrückt. Dazu gehörten „die Plünderung von Obstbäumen und Mülltonnen, das Eindringen in Gebäude, Kot- und Urinansammlungen (Latrinen in und um Gebäude), Lärmbelästigung und die Zerstörung der Isolierung in Dachstühlen sowie die Gefahr von Krankheitsübertragungen auf den Menschen“.

Schutz vor der Tierart

Besonders wichtig für den Schutz vor Waschbären sei die Aufklärung der Menschen, macht Daiker klar. Waschbären sollten auf keinen Fall gefüttert oder angelockt werden. Wie bei anderen Tieren entwickelten sie sonst eine Erwartungshaltung, die mit der Annäherung an Menschen verbunden sein könne. Ebenso sollte die indirekte, unbeabsichtigte Fütterung, etwa durch frei zugängliches Haustier- oder Vogelfutter, vermieden werden. „Das zieht Waschbären magisch an.“

Müll und Kompost sollten möglichst gesichert und unzugänglich sein. Wer keine Waschbären im Haus haben wolle, sollte mögliche Einstiege versperren oder das Klettern an Obstbäumen mit Blechmanschetten verhindern.

Wie verhalte ich mich bei der Begegnung mit einem Waschbären?

Daiker erklärt, dass man sich wie bei jeder Begegnung mit einem Wildtier verhalten sollte: auf sich aufmerksam machen, das Tier nicht anlocken, füttern oder in die Enge treiben. „In freier Natur werden sich Waschbären schnell zurückziehen. Innerhalb von Siedlungen sollten die Tiere bei jeder Sichtung konsequent vertrieben werden, damit sie das Sicherheitsgefühl verlieren. Das heißt, sie mit Gegenständen zu bewerfen, mit Wasser zu bespritzen et cetera – ohne jedoch das Tier zu verletzen.“

Das Einfangen eines Waschbären sei strafbar. Bei Problemen mit den Tieren sollten der Wildtierbeauftragte oder ein Stadtjäger verständigt werden. Ansprechpartner seien auf der Homepage des jeweiligen Landratsamtes zu finden. Diese könnten Vergrämungsmaßnahmen oder in letzter Konsequenz die Entnahme der Tiere einleiten.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 1. Dezember 2024 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.