Gewalt in der Schule
: Was können Lehrer und Erzieher bei gewalttätigen Kindern tun?

Zunehmende Gewalt an Schulen oder in Kindergärten ist ein großes Thema. Was kann das Personal tun, wenn Kinder gegenüber Lehrern oder Erziehern gewalttätig werden?
Von
Marius Lang
Oberndorf
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Gewalt an Schulen ist ein wiederkehrendes Thema. Doch was können Lehrer oder Erzieher tun, wenn Kinder ihnen gegenüber aggressiv werden? (Symbol)

Maurizio Gambarini/dpa

Gewalt an Schulen und teilweise auch im Kindergarten ist ein wiederkehrendes Thema, das Diskussionen in der gesamten Gesellschaft auslöst. Doch nicht nur untereinander können Kinder und Jugendliche physische Gewalt anwenden – auch Gewalt gegen Lehr- oder Erziehungspersonal kommt vor.

Da stellt sich die Frage, wie Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher und anderes Personal mit Kindern und Jugendlichen umgehen, die ihnen gegenüber gewalttätig sind. Dieser Problematik geht unsere Redaktion, mit der Hilfe von Schulsozialarbeiterinnen und Pädagoginnen auf den Grund.

Was Gewalt überhaupt ist

Zunächst ist zu klären, was überhaupt unter „Gewalt“ zu verstehen ist. „Der Begriff der ‚Gewalt’, beziehungsweise ‚gewalttätig’, lässt unterschiedliche Interpretationen zu,“ gibt hier Claudia Ostertag, Leitende Schulamtsdirektorin des Staatlichen Schulamts in Albstadt zu verstehen. „Es könnte sich hier um verbale Gewalt, psychische Gewalt, Mobbing, Ausgrenzung, physische Gewalt, et cetera handeln.“

Im Falle von akuter körperlicher Gewalt von Kindern und Jugendlichen gegen andere ist für Ostertag die direkte Intervention die praktischste Lösung. Doch wichtiger ist für sie, dass es gar nicht erst zu Gewalt gegen andere Schüler oder Personal kommt. Daher steht für Ostertag die Prävention, „um erst gar keine Gewalt - in welchem Sinne auch immer - aufkommen zu lassen,“ an erster Stelle. „Hierzu gibt es vielerlei Programme, Fortbildungen, Fachtage, etc., welche den Schulen und den Lehrkräften zur Verfügung stehen.“

Deeskalation ist wichtig

Noch detailreicher erörtert Laura Walter, in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen Frank Nebel und Johanna Schmidt, die Thematik. Walter ist Schulsozialpädagogin des Droste-Hülshoff-Gymnasium und Johanniterschule in Rottweil, Nebel ist Schulsozialpädagoge der Realschule und des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Rottweil und Schmidt Schulsozialpädagogin der Römerschule und des Leibniz-Gymnasium, ebenfalls in Rottweil.

Zuallererst sollte, im Falle von Gewalt von Schülern gegen andere Schüler, die Situation beendet werden. „Dabei ist ein deeskalierendes Vorgehen wichtig. Es geht zum einen darum, die von der Gewalt Betroffenen zu schützen, zum anderen um die Begleitung und Beruhigung des gewalttätig gewordenen Kindes beziehungsweise Jugendlichen.“ Auch eine räumliche Trennung kann laut den Pädagoginnen von Nutzen sein, etwa indem die Eltern ihr Kind abholen.

Woher kommt die Gewalt?

Im Anschluss sei es wichtig, die Ursachen der Gewalt herauszufinden. Zudem kann es hilfreich sein, zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln, alternative Konfliktlösungen aufzuzeigen oder, sofern Einsicht und Empathie vorhanden sind, eine Entschuldigung möglich zu machen. Das gemeinsame Ziel aller Maßnahmen ist, dass sich die Gewalttat nicht wiederholt.

Mehr Unterstützung gegen Mobbing in Oberndorf

Im Falle von Gewalt gegen Lehrer und Erzieher durch Schüler kann die Schulsozialarbeit – laut den drei Pädagoginnen – beratend zur Seite stehen, aber die Verhängung von Konsequenzen sei nicht Aufgabe der Sozialarbeiter. „Ein solcher Vorfall kann größere Sanktionen in Form von Unterrichtsausschluss oder sogar Schulausschluss mit sich ziehen,“ erklärt Walter. „Auch eine strafrechtliche Verfolgung über die Polizei wäre in einem solchen Fall denkbar.“ Grundlage für Sanktionen bildet § 90 des Schulgesetzes. Bei etwaigen nachfolgenden Gesprächen mit Betroffenen und auch den Eltern des Schülers oder der Schülerin kann die Schulsozialarbeit, laut Walter, Nebel und Schmidt, unterstützen und beraten.

Prävention ist das wichtigste Standbein der Schulsozialarbeit

Grundsätzlich sehen auch die drei Rottweiler Pädagoginnen die Prävention als wichtigsten Schwerpunkt der Schulsozialarbeit. Hierzu gehören beispielsweise Unterrichtseinheiten oder Projekte zu Themen wie der Lösung von Konflikten ohne Gewalt, zu Regeln oder sozialem Miteinander. Auch sollte Lehr- und Erziehungspersonal gegenüber ihren Schützlingen transparente Regeln deutlich machen, „deren Nichteinhaltung auch konsequent durch Lehrkräfte und Schulleitung sanktioniert werden.“

„Eine stabile Beziehung zu Schülern aufzubauen ist extrem wichtig,“ beenden die Experten ihre Erklärung. Auch hier könne die Schulsozialarbeit helfen. „Bei Schülerinnen und Schülern mit besonders herausforderndem Verhalten in sozial-emotionalen Bereichen gibt es auch Unterstützung vom Schulpsychologischem Dienst und von den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Auch die Zusammenarbeit mit Eltern ist wichtig.“

Generell sei letztendlich ein enger und regelmäßiger Austausch zwischen allen Beteiligten ein absolutes Muss. So könne Gewalt an Schulen vorgebeugt und etwaige Vorfälle nachhaltig aufgearbeitet werden.

Gewalt an Schulen

Gewalt
wird generell, physisch wie psychisch an einer Schule nicht toleriert. Sanktioniert wird aber über Lehrkräfte, beziehungsweise die Schulleitung. Die Grundlage dafür ist § 90 des Baden-Württembergischen Schulgesetzes.

Unterstützung
leistet auch das landeseigene Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL). Auf der Homepage sind entsprechende Informationen und weitere Unterstützungssysteme wie beispielsweise die Schulpsychologischen Beratungsstellen zu finden. Diese stehen sowohl dem schulischen Personal als auch Eltern mit Kindern beratend zur Verfügung.

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