Freibad-Mythen im Faktencheck
: Duschen, Chlorgeruch und Essen – was stimmt, was nicht?

Rund ums Freibad kursieren viele Mythen, die sich hartnäckig halten. Der Badepark Nagold räumt mit Halbwahrheiten auf.
Von
Celina Drews
Oberndorf
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Der Nagolder Badepark räumt mit falschen Gerüchten auf. (Archivbild)

Fritsch

Ein Besuch im Freibad ist für viele ein fester Bestandteil des Sommers. Doch rund um Chlorgeruch, Sonnencreme und Hygiene kursieren hartnäckige Mythen, die sich seit Generationen halten.

Was ist wirklich dran an diesen Geschichten? Andreas Dingler, Betriebs- und technischer Leiter des Badeparks Nagold, klärt auf.

Mythos 1: „Duschen vor dem Schwimmen ist überflüssig – man wird ja sowieso nass.“

Dieser Trugschluss ist weit verbreitet – und aus hygienischer Sicht problematisch, wie Dingler erklärt. „Es ist wichtig, sich vor dem Schwimmen zu duschen, um eine Verunreinigung des Schwimmbeckens zu vermeiden. Schweiß, Körperfett, Hautschuppen und Rückstände von Pflegeprodukten sollten vor dem Baden abgespült werden, um das Wasser sauber zu halten.“

Mythos 2: „Chlorgeruch bedeutet, dass das Wasser besonders sauber ist.“

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Ein intensiver Chlorgeruch deutet nicht auf hygienisch einwandfreies Wasser hin, sondern laut Dingler auf eine starke Belastung mit organischen Stoffen – zum Beispiel durch Urin oder Schweiß.

Mythos 3: „Bläuliche Lippen? Halb so wild.“

Ein gefährlicher Irrtum! Bläulich verfärbte Lippen sind ein Warnsignal: „Es ist ein Zeichen dafür, dass der Körper auskühlt und nicht genügend Sauerstoff im Blut vorhanden ist“, weiß der Experte. Gerade Kinder sind davon häufig betroffen, weil ihr Körper schneller Wärme verliert. In dem Fall gilt: Sofort raus aus dem Wasser, gut abtrocknen und aufwärmen.

Mythos 4: „Nach dem Essen nicht schwimmen – sonst gibt’s Krämpfe.“

Dieser Mythos ist zwar übertrieben, aber nicht völlig falsch. Badeunfälle nach dem Essen sind zwar eher selten – doch das Risiko für Unwohlsein beim Baden steigt durchaus.

„Der Körper benötigt nach der Mahlzeit viel Energie für die Verdauung und es kann zu Kreislaufproblemen und Übelkeit kommen“, erklärt Dingler. Eine kurze Pause nach dem Essen ist daher durchaus sinnvoll.

Mythos 5: „Im Wasser bekommt man keinen Sonnenbrand.“

Ein gefährlicher Irrglaube, vor allem für Kinder und Menschen mit heller Haut. Wasser schützt nämlich nicht vor UV-Strahlen – im Gegenteil: Es verstärkt deren Wirkung.

„UV-Strahlen dringen auch unter der Wasseroberfläche ein und werden sogar vom Wasser reflektiert, was das Risiko eines Sonnenbrands erhöhen kann“, so der technische Leiter. Man sollte sich daher auch beim Schwimmen eincremen – und regelmäßig nachcremen, besonders nach dem Baden.

Mythos 6: „Springverbot am Beckenrand ist unnötig.“

Auch hier steckt mehr dahinter als eine bloße Erziehungsmaßnahme. Das Verbot hat handfeste sicherheitstechnische Gründe.

„Das Verletzungsrisiko bei einem Sprung vom Beckenrand ist hoch – sowohl für den Springer als auch für Badegäste, die sich bereits im Wasser befinden“, betont Dingler. Daher gilt: Nur an den dafür vorgesehenen Stellen und mit Rücksicht auf andere ins Wasser springen.

Mythos 7: „Wer ertrinkt, schreit laut um Hilfe.“

Ein lebensgefährlicher Irrtum. Denn Ertrinken ist in den meisten Fällen ein stiller Vorgang. „Die betroffene Person ist aufgrund von Reflexen und Panik nicht in der Lage, um Hilfe zu rufen oder sich bemerkbar zu machen“, warnt der Experte. Ertrinkende strampeln meist still, sinken unter und tauchen vielleicht kurz wieder auf. Deswegen sollten Badegäste stets aufmerksam sein und ihre Umgebung im Blick behalten.

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