Festtag im Herbst: Warum feiern wir Erntedank?

Zum Erntedankfest werden in Kirchen, vor allem auf dem Land, die Altäre geschmückt. Doch warum feiern wir überhaupt Erntedank?
Moritz Frankenberg/dpa/Moritz FrankenbergWenn Kirchen, Altäre und Marktplätze mit Früchten, Kürbissen und Getreide geschmückt werden, dann ist bald wieder Erntedank. Gerade im ländlichen Raum werden der Tag und die damit verbunden Gebräuche besonders gefeiert.
Zum Erntedank gehören nicht nur Symbole der idealerweise reichhaltigen Ernte, sondern auch Gottesdienste, Feste, Umzüge und anderes. In vielen Kreisen gibt es sogar größere Feierlichkeiten, bekannt als Kreiserntedankfeste.
Doch warum feiern wir überhaupt Erntedank? Was wird genau gefeiert? Und wann findet der Festtag immer statt? Unsere Redaktion hat mit dem Villinger Ethnologen, Volkskundler und Historiker Jochen Schicht, Leiter des Freilichtmuseums in Neuhausen ob Eck, gesprochen, um die wichtigsten Fragen zum Erntedankfest zu beantworten.
Wann ist Erntedank?
Ursprünglich gab es für das Erntedankfest keinen festen Termin. Stattdessen feierten Städte, Dörfer und Gemeinden oft an unterschiedlichen Tagen. Erst 1972 änderte sich das. Damals, erklärt der Volkskundler Jochen Schicht, legte die deutsche Bischofskonferenz den ersten Sonntag im Oktober als katholischen Erntedank fest. In den 1980er Jahren schloss die evangelische Kirche sich der Regelung an.
Offiziell sei dieser Termin allerdings nicht bindend, da dem Erntedankfest im Kirchenjahr eine eher geringe Bedeutung zukommt. „Es ist gelebte Praxis“,erläutert Schicht, „aber die Gemeinden sind nicht dazu verpflichtet, sich an diesen Tag zu halten.“ Lokal kann es also weiterhin zu Abweichungen kommen. International anerkannt ist das Datum sowieso nicht, da die Erntezeit nicht universell überall gleich ist. 2024 ist Erntedank hierzulande der 6. Oktober, im kommenden Jahr der 5. Oktober.
Warum feiern wir Erntedank?
Erntedank wie wir es heute kennen ist ein vorwiegend christlich geprägtes Fest. Laut Jochen Schicht gehen die ersten Belege für das christliche Erntedankfest bis in dritte Jahrhundert zurück. Vergleichbare heidnisch geprägte Erntefeste habe es aber schon in vorchristlicher Zeit gegeben. „Man muss da immer etwas aufpassen, es nicht zu verallgemeinern“, so Schicht, „aber vergleichbare Riten gab es etwa in Nordeuropa, Griechenland, Israel oder im römischen Reich.“
Letztendlich sei aber auch das Grundmotiv immer das gleiche: Dankbarkeit, gerichtet an irgendeinen Gott oder eine Gottheit, für eine ertragreiche Ernte und dafür, dass die Ernte überhaupt eingefahren werden konnte. Damit werde laut Schicht auch anerkannt, dass die Ernte nicht nur beim Menschen liege, sondern auch bei „höheren Mächten“. Das sei im Christentum verankert aber natürlich gäbe es solche Traditionen in zahllosen anderen, auch vorchristlichen, Religionen.
Wie wird Erntedank gefeiert?
In der christlichen Tradition wird Erntedank meist im Rahmen von Gottesdiensten begangen. Zwar sei das Erntedankfest, erläutert Schicht, „kein heilsgeschichtlicher Bestandteil des Kirchenjahres, aber dennoch ist es ein allgemein üblicher Brauch.“
Im Rahmen des Erntedanks werden Kirchen und Altäre traditionell geschmückt, mit Getreide, Feldfrüchten, Obst und Gemüse, als Sinnbild der erfolgreichen Ernte. Auch Wein, Trauben, Honig und ähnliches wird oft als Schmuck im Rahmen der Erntedankfeiern verwendet.
In vielen Orten gibt es anlässlich des Festtages eine Erntedankkrone, in der Regel geflochten aus Getreide oder auch Weinreben geflochten. Diese wird dann entweder in der Kirche als Teil des Schmuckes ausgestellt oder sogar in einer festlichen Prozession durch die Straßen getragen. Auch Erntedankteppiche, auf denen mit Pflanzenteilen, Samen und Früchten christliche oder auf die Ernte bezogene Motive gelegt werden.
Generell gäbe es laut Schicht in vielen Teilen Deutschland richtige Festzüge, die teilweise ein bisschen an Fastnachtsumzüge erinnern. Da gehörten Musik, geschmückte Wägen und Darstellungen historischer Ernteformen dazu.